Vier-Monats-Tief Anleger flüchten aus dem Euro

Die Angst vor einem Überschwappen der Schuldenkrise auf Italien und einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hat den Euro am Dienstag stark belastet. Auch die Ergebnisse des Finanzminister-Treffens der Euro-Länder konnte die Anleger nicht beruhigen. Sie flüchten in Bundesanleihen und Gold.
Euro-Krise spitzt sich zu: Die Sorge um Italien schürt die Angst vor einer Eskalation

Euro-Krise spitzt sich zu: Die Sorge um Italien schürt die Angst vor einer Eskalation

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

Frankfurt am Main - Der Euro  rutschte auf 1,3875 Dollar ab und und kostete damit so wenig wie seit Mitte März nicht mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag noch auf 1,4056 (Freitag: 1,4242) Dollar festgesetzt.

Nachdem nun auch Italien als drittgrößte Volkswirtschaft ins Visier der Finanzmärkte geraten ist, ziehen sich Anleger zunehmend aus der europäischen Gemeinschaftswährung zurück. Bislang war die Krise auf eher kleine Länder wie Griechenland, Irland und Portugal begrenzt.

"Die Sorgen um Italien schüren die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise in der Euro-Zone", sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). So sind die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen in den vergangenen Tagen dramatisch gestiegen.

Verstärkt wurde die Unsicherheit durch Berichte, nach denen die EZB angeblich eine Verdopplung des Rettungsschirms EFSF fordert. Wortberg hält solche Forderungen für wenig hilfreich, da Italien aufgrund der Höhe des Schuldenstandes kaum geholfen werden könne. "Die einzige Lösung wären Euro-Bonds, falls Italien tatsächlich in Schwierigkeiten geraten würde."

Anleger schichten in Bundesanleihen um

Auch die Ergebnisse des Finanzminister-Treffens der Euro-Gruppe in Bezug auf Griechenland konnten die Anleger nicht beruhigen. "Bestrebungen, einen Rettungsplan für Griechenland nun schneller auf die Beine zu stellen als bisher geplant, überzeugen die Finanzmärkte nicht", erklärten die Analysten der Commerzbank. Der niederländische Finanzminister warnte, ein selektiver Zahlungsausfall Griechenlands sei nicht mehr ausgeschlossen.

Wie am Vortag suchten viele Anleger ihr Heil lieber in deutschen Bundesanleihen: Der Bund-Future stieg um 74 Ticks auf 129,88 Punkten. Die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen näherte sich derweil mit 5,96 Prozent der Marke von 6 Prozent an. Die Rendite der vergleichbaren deutschen Papiere lag bei 2,6 Prozent.

Auch Gold  war gefragt. Am Montag erreichte das Edelmetall ein neues Hoch bei 1100,17 Euro je Feinunze erreicht, das ist gegenüber Anfang der vergangenen Woche ein Plus von 7,5 Prozent. In Dollar kletterte der Goldpreis bis auf 1554 Dollar.

An den Aktienbörsen beschleunigten die Kurse daher ihre Talfahrt. Während der Dax  am Vormittag 2,3 Prozent auf 7060 Punkte verlor, rutschte der italienische Standardwerte-Index sogar um 4,2 Prozent ab.

mg/dpa-afx/rtr
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