Mittwoch, 24. April 2019

S&P, Moody's und Fitch EU-Kommissarin fordert Zerschlagung der Ratingagenturen

EU-Justizkommissarin Reding: "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen"

Der Streit um die Macht der US-Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch spitzt sich weiter zu. Nach der Kritik von EU-Währungskommissar Olli Rehn findet seine Kollegin Viviane Reding noch deutlichere Worte und fordert sogar eine Zerschlagung der drei Institute.

Berlin - "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte EU-Justizkommissarin Viviane Reding der Tageszeitung "Die Welt" mit Blick auf die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Bei der Bewertung von Staaten und Unternehmen seien mehr Transparenz und mehr Wettbewerb nötig, sagte sie.

Reding schlug zwei Lösungen vor. "Entweder beschließen die G-20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen", sagte sie. So könnten die USA etwa aufgefordert werden, aus den drei Ratingagenturen sechs zu machen. "Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen", sagte Reding der Zeitung. Es dürfe nicht sein, "dass ein Kartell dreier US-Unternehmen über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheidet".

Die Diskussion um die Macht der Ratingagenturen war erneut entbrannt, nachdem Moody's die Kreditwürdigkeit von Portugal trotz seiner Sparbemühungen Anfang Juli um vier Stufen auf Ramschstatus herabgestuft hatte und dadurch einen Kurssturz der Börse in Lissabon ausgelöst hatte. Zur Begründung hieß es, dass Portugal bald einen zweiten EU-Rettungsplan benötigen könnte, wie dies bereits bei Griechenland der Fall ist. Sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung hatten darauf in ungewöhnlich scharfer Form reagiert.

Die Finanzminister der Euro-Länder setzen am Montag die Arbeit an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland fort. Im Mittelpunkt des Treffens in Brüssel steht die Frage, wie private Gläubiger an dem Rettungseinsatz beteiligt werden können.

Wie das Blatt unter Berufung auf EU-Kreise weiter berichtet, wird mittlerweile ein Schuldenschnitt für Griechenland "als extreme Option" nicht mehr ausgeschlossen. Ein Forderungsverzicht der Gläubiger sei im Umfeld der Euro-Finanzminister in den vergangenen Wochen intern bereits mehrfach beraten worden, schreibt die Zeitung weiter. Ein ranghoher EU-Diplomat sagte dem Blatt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass es spätestens bis Dezember zu einer Umschuldung kommt, ist sehr hoch."

mg/afp/rtr

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