Euro vs. Dollar "Zwei Patienten im gleichen Spital"

Mal drückt die Verschuldung der USA den Dollar nach unten, mal die der Euro-Staaten den Euro. Wie lange dieser Abwertungwettlauf noch dauert, darüber spricht manager magazin mit dem Anlagestrategen Philipp Vorndran. Er sieht für beide Währungen harte Belastungsproben.
Von Arne Gottschalck
Dollar vs. Euro: Beide Währungen schwächeln

Dollar vs. Euro: Beide Währungen schwächeln

Foto: JOEL SAGET/ AFP

mm: Der Euro schwächelt, der Dollar ebenso - wie lange dauert der Abwertungswettlauf noch?

Vordran: Noch eine ganze Weile. Hier liegen zwei Patienten im gleichen Spital, wenn auch auf unterschiedlichen Abteilungen. Wir sind der Meinung: Es macht mehr Sinn auf Währungen zu setzen, die fit sind und nicht auf diejenigen, die im Spital liegen.

mm: Sind allein die Staatsverschuldungen die Treiber hinter dieser Entwicklung?

Vordran: Nein, die Staatsschulden sind zwar momentan das wichtigste Thema, aber mittelfristig zählen auch Faktoren wie die Demographie, die Innovationskraft der Volkswirtschaft, die Kaufkraftparität, Zugang zu Rohstoffen, die Qualität des Bakensystems und die Qualität des politischen Systems. Aktuell ist natürlich auch die Frage "Überlebt der Euro in seiner heutigen Form?" sehr relevant. Die Einschätzungen darüber, ob ein "Reshaping" des Euros gut oder schlecht für die Kursentwicklung des "Rest"-Euro wäre, gehen allerdings weit auseinander.

mm: Kommt China tatsächlich eine Schlüsselrolle zu - ist es denkbar, dass China eines Tages seine enormen Dollarreserven stark reduziert?

Vordran: Bill Gross fragt zu Recht "who will buy, I don't know", d.h. es geht nicht primär um die Frage, ob jemand seine Dollar-Reserven auflöst, sondern wer neue Dollars dazukauft. Da ist die Schlüsselrolle bei China, aber auch der Einfluss der ÖPEC-Staaten und Japans sollte nicht unterschätzt werden. Mittelfristig dürften alle - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen - weniger neue Dollars kaufen als in den letzten Jahren. Das wird für die USA zu einer Belastungsprobe.

mm: Der FX-Markt, an dem Währungen gehandelt werden, ist der größte Markt der Welt - warum ist er noch so wenig in den Köpfen der Menschen angekommen?

Vordran: Weil es viel schwieriger ist, dort kurzfristig auf fundamentale Art und Weise Geld zu verdienen. Böse Zungen sagen "kurzfristig sind Währungsbewegungen random walk" ... und wahrscheinlich haben sie damit gar nicht so unrecht. Langfristig spiegelt sich die ökonomische Verschiebung von Volkswirtschaften aber natürlich schon wider. Folgt man dieser Betrachtung, ist es nicht wirklich ein Zeichen für Stärke bei US-Dollar und Euro.

mm: Wie können Anleger von der Schwäche der beiden Währungen davon profitieren?

Vordran: Wir beispielsweise empfehlen unseren Kunden, einen Teil in Währungen zu investieren, deren Staaten ökonomisch und politisch qualitativ besser dastehen als die USA, Großbritannien, Japan oder die Eurozone. Dazu zählen wir Volkswirtschaften wie Australien, Singapur, Norwegen, Schweden, Chile, Neuseeland und die Schweiz.

mm: Welches sind die Währungspaare, auf die es zu achten gilt - im positien wie im negativen Sinne?

Vordran: Momentan erscheinen uns Euro/Pfund und US-Dollar/Yen am spannendsten. Sowohl Großbritannien wie auch Japan streben eindeutig tiefere Wechselkurs an. Für viele Deutsche ist natürlich auch das Verhältnis von Euro zum Schweizer Franken ein wichtiger Gradmesser der Solidität des Euro-Systems. Hier wird es sehr spannend sein zu verfolgen, bei welchem Niveau die Schweizer Politik und die Schweizer Notenbank mit "kreativen Maßnahmen" versuchen, die Franken-Stärke abzuwürgen.

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