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Wandelanleihen: Wie das Zwitterwesen funktioniert

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Wandelanleihen Investment für Unentschlossene

Die Unsicherheit an den Börsen wächst und damit das Gewicht der Frage, wie Anleger in stagnierenden Märkten agieren sollen. Wandelanleihen sind für viele Investoren interessant. Doch deren Management ist anspruchsvoll, und auch die Risiken sind nicht zu unterschätzen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Anleihen? Aktien? Was tun mit dem Geld? Für Männer wie Lee Manzi dürfte die Antwort klar sein: In Wandelanleihen stecken. Manzi verwaltet mit dem Jupiter Global Convertibles einen Investmentfonds, der genau auf diese Papiere setzt. "Wandelanleihen sollten jetzt wieder auf dem Radarschirm sein", sagt er.

Wandelanleihen gelten als Zwitter der Anlagewelt, die die Vorteile von Anleihen und Aktien miteinander verbinden. Von den Aktien nutzen sie deren Ertragskraft, von Anleihen die relative Sicherheit und die regelmäßige Zinszahlung. Insofern sind sie für Anleger, die keine weiteren Anleihen kaufen wollen, aber auch dem Aktienmarkt keine weiteren Kursgewinne zutrauen, ein möglicher Kompromiss: Allerdings nur, wenn auch die anderen Parameter stimmen.

Zumindest nach Ansicht Manzis ist das der Fall. "Nach einer Periode, in der hohe Zuflüsse die Bewertungen der Wandelanleihen recht hoch erschienen ließen, wurde die Asset-Klasse wieder deutlich billiger und sie sehen jetzt fair bewertet aus", meint Manzi. Es sei an der Zeit, wieder auf diese Anlageklasse zu schauen.

Geringer Zins - aber Chance auf Aktientausch bei steigenden Kursen

Wandelanleihen sind Anleihen, die dem Anleger einen vergleichweise geringen Zins bieten, dafür aber die Möglichkeit einräumen, die Anleihe gegen die Aktie zu einer von vornherein festgelegten Relation umzutauschen. Bei unruhigen Märkten kann der Anleger sich daher seine Anleihe auszahlen lassen - und wenn die Börsenkurse steigen, in Aktien wandeln und damit von dem steigenden Aktienmarkt profitieren.

Nicht zu verwechseln mit Wandelanleihen sind Aktienanleihen, die einen umgekehrten Mechanismus bieten: Eine Aktienanleihe verspricht dem Anleger einen Kupon, der in der Regel weit über dem üblichen Marktzins liegt. Dafür kann aber der Emittent des Papiers dem Investor statt des Kapitals eine vorab fixierte Anzahl Aktien auszahlen, sofern der Kurs unter eine bestimmte Schwelle fällt. Damit ist die Aktienanleihe deutlich riskanter.

Eine Wandelanleihe dagegen nehme "dem Investor die Kauf- und Verkaufsentscheidungen ab, die in den seitwärts tendierenden Märkten besonders schwierig sind", meint Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management. Das Unternehmen konzentriert sich gleichfalls auf Wandelanleihen. Und Hart Woodson, Manager des Oyster Global Convertibles Fund, fügt hinzu. "Einer der großen Vorteile (...) ist ihre positive Asymetrie. Es ist wie ein automatisches System in dem Sinne, dass sie im Aufschwung eher wie Aktien reagieren und im Abschwung wie Anleihen."

Aber auch Finanzexperten, die ihr Geld viel breiter anlegen als allein in "convertibles", so der Finanzjargon, schauen genauer hin. Bill Gross beispielsweise.

Der vermutlich bekannteste Anleiheninvestor der Welt hatte sich erst im Dezember 2010 die Freiheit verschafft, mehr in Wandelanleihen zu investieren. Bis zu 10 Prozent dürfen es künftig sein, so die entsprechende Anzeige gegenüber der SEC. Und der Vermögensverwalter und Dachfondsmanager Markus Zschaber sagt: "Das aktuelle Umfeld niedriger Renditen, gepaart mit schwankender Börsenaussicht, spricht für ein Investment in Wandelanleihen."

Fondsmanager Zschaber sieht zwar auch bei Wandelanleihen ein Ausfallrisiko - sofern das emittierende Unternehmen pleite geht. Dieses Risiko hält er derzeit jedoch für gering: "Im gegenwärtigen Umfeld erachten wir bei Investmentgrade-Unternehmen das Ausfallrisiko als eher unrealistisch", sagt Zschaber.

Schwierige Auswahl

Wen Investments in Wandelanleihen locken, der stößt allerdings oft auf Hindernisse. Zum Beispiel hohe Mindestanlagesummen, die zum Teil bei 50.000 Euro liegen. Oder die arbeitsintensive Suche nach dem passenden Angebot: Die Frage, wie hoch das Wandelverhältnis ist, also wie viel Aktien der Anleger für eine Anleihe erhält. "Sie müssten sich durch Prospekte durcharbeiten, die oft so dick sind wie ein Telefonbuch", sagte Marc-Alexander Knieß, der bei der DWS einen Wandelanleihenfonds verwaltet, in einem Interview.

Vieles spricht also für das indirekte Investment über einen Wandelanleihen-Fonds. Aber auch die Profis haben mit dem Markt zu kämpfen. Wandelanleihen als defensives Investment - "in der Theorie ist das richtig. Nur in der Praxis findet man selten Fonds, die das wirklich gut machen", sagt Jens Kummer von SEB Asset Management. "Folgt man den Marketing-Unterlagen, dann steigt ein Portfolio aus Wandelanleihen bei Kursbewegungen nach oben stärker, als es nach unten verliert. Die Realität der vergangenen zehn Jahre hat jedoch gezeigt, dass die Risiken auch bei dieser Anlagestrategie nicht zu unterschätzen sind", sagt Kummer.

Lee Manzi zumindest dürfte die Kritik egal sein. Sein Fonds hat seit Beginn des Jahres 2,3 Prozent an Wert gewonnen, mehr als die Konkurenz.

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