Deutsche Börse Fusion mit London droht zu scheitern

Ein Scheitern der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange wird immer wahrscheinlicher. An beiden Finanzplätzen wird die gegenseitige Kritik immer lauter. Dahinter steht die Angst, vom Partner übervorteilt zu werden.

London/Frankfurt am Main - Knackpunkt aus Frankfurter Sicht ist, dass der Sitz von iX London sein soll. Dadurch werde eine Sogwirkung zu Gunsten der britischen Metropole entstehen, der Finanzplatz am Main dagegen ausbluten, erklärte Hans Reckers, Präsident der Landeszentralbank in Hessen, im Einklang mit vielen weiteren Kritiker.

In London dagegen will man die Wachstumswerte am liebsten doch nicht nach Frankfurt abgeben und hat Vorbehalte gegen das elektronische Xetra-Handelssystem der Deutschen Börse. Presseberichten zufolge ist die London Stock Exchange (LSE) bereits von ihrem ursprünglichen Ziel abgerückt, den Handel langfristig in Euro statt in Pfund abzuwickeln.

Alle Kurse sollten in jedem Fall in Pfund angegeben werden, sagte LSE-Vormann Don Cruickshank im britischen Unterhaus. Den Fusionspartnern in Frankfurt dürfte solche Töne das kaum gefallen.

Cruickshank, der Chef der neuen Europabörse iX werden soll, beugte sich damit erstmals den britischen Euro-Skeptikern, die seit Wochen die Angst vor einer "deutschen Invasion" in London schüren. Auch Investmentbanker übten zunehmende Kritik an der geplanten Verlegung des Handels mit Wachstumstiteln nach Frankfurt und an der Übernahme der deutschen Handelsplattform Xetra.

Viele Banker wollen nicht glauben, dass die Wachstumswerte auch tatsächlich in Frankfurt gehandelt werden. Uwe Flach, DG Bank-Vorstand und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Börse, will in der Sitzung des Kontrollgremiums am kommenden Dienstag nur grünes Licht geben, wenn die "Wachstumsbörse samt Vorstand auch juristisch in Frankfurt sitzt". Ein Scheitern des Projektes schließt Flach nicht mehr aus: "Vorstellen kann man sich alles. Man muss die Einzelheiten sehen und dann prüfen."

Damit hat bereits der zweite Kontrolleur der Deutschen Börse öffentlich starke Bedenken gegen die geplante Fusion geltend gemacht. Bereits am Mittwoch hatte Aufsichtsrats-Vizechef Manfred Zaß gedroht seine Zustimmung zu verweigern. "Einer Fusion, die im Sinne des Kleingedruckten eine Übernahme Frankfurts durch London ist, werde ich nicht zustimmen", sagte er.