Geldanlage Weitsicht mit Durchblick

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist blendend, doch die Aussichten beurteilten Manager zuletzt etwas schlechter. Zyklische Werte könnten in Zukunft leiden. Der kluge Investor stellt sich darauf ein, er blickt voraus. Da gibt es interessante Aktien von Unternehmen, deren Geschäft im wahrsten Wortsinn der Durchblick ist.
Sehschärfentest: Investoren sollten ihren Blick auf die Konjunkturentwicklung prüfen. Es könnte jetzt an der Zeit sein, verstärkt nach defensiven Titeln Ausschau zu halten

Sehschärfentest: Investoren sollten ihren Blick auf die Konjunkturentwicklung prüfen. Es könnte jetzt an der Zeit sein, verstärkt nach defensiven Titeln Ausschau zu halten

Foto: DDP

Die deutsche Wirtschaft brummt im Sommer 2011 auf allen Zylindern. Tendenzen der Abschwächung sind nirgends zu sehen. Dennoch wird der weitsichtige Investor darüber nachdenken, was im Fall einer leichten Abschwächung der Zuwachsraten im zweiten Halbjahr 2011 und ins Jahr 2012 hinein geschieht.

Eine Abschwächung der Wirtschaftsleistung selbst ist nicht zu erwarten, es kann jedoch sein, dass die sehr schönen Wachstumsraten der vergangenen zwei Jahre in der Zukunft geringer ausfallen. Dies könnte dann auch auf den Kursen der zyklischen Aktienwerte lasten. Dem aufmerksamen Beobachter wird es auffallen, dass sich die Aktien der großen Autohersteller und Maschinenbauer trotz blendender Geschäftslage nur noch schleppend aufwärts entwickeln.

Daher könnte bald die Stunde defensiver Werte schlagen, die von der konjunkturellen Entwicklung weniger abhängig sind als Autos und Maschinen. Zu den besten europäischen, in Deutschland aber weitgehend unbekannten Werten gehört Essilor, der französische Hersteller von Brillengläsern. Das Unternehmen hat schon vor Jahrzehnten die ersten der heute so populären dünnen und leichten Kunststoffgläser entwickelt. Freunde alter französischer Filme werden sich an die ersten randlosen Brillen der 50-er und 60-er Jahre erinnern.

Brillengläserhersteller Essilor: Beste Wachstumsraten seit 15 Jahren

Vor kurzem hat Essilor über die besten Wachstumsraten seit 15 Jahren berichtet. Auch in immer mehr Ländern der neuen Welt können sich Privatleute die nicht ganz billigen Brillengläser von Essilor leisten. Damit hängt das Unternehmen weniger an der schwankungsanfälligen Industriekonjunktur, sondern mehr an der relativ konstanten Nachfrage von Verbrauchern. Damit dürften die Chancen des Unternehmens nach unserer Meinung auch bei einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten sehr gut sein.

Essilor hat eine sehr gleichmäßige Entwicklung aufzuweisen. Die Aktie ist in den vergangenen 15 Jahren um das Siebenfache gestiegen. Der Vergleichsindex Cac 40 hat sich in dieser Zeit lediglich verdoppelt. Noch interessanter ist die wirklich langfristige Entwicklung: Seit 25 Jahren hat die Aktie einen jährlichen Gesamtertrag von etwa 15 Prozent erzielt. Dies einschließlich zweier schwerer Rezessionsphasen im Jahr 2002 und 2008/2009.

Seit Jahresbeginn ist die Aktie von Essilor um 12 Prozent geklettert, während der Cac40 ein Plus von lediglich 0,5 Prozent aufzuweisen hat. Hier könnte sich schon der kommende Umschwung von zyklischen auf nicht-zyklische Werte abzeichnen.

Das Unternehmen ist sehr solide finanziert: Eigenmittel von drei Milliarden Euro stehen zum 31.12.2010 lediglich Nettoschulden von knapp 300 Millionen Euro gegenüber.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,7 für den erwarteten Gewinn des Jahres 2012 ist optisch hoch, wird jedoch aus unserer Sicht von den guten langfristigen Perspektiven und dem defensiven Charakter des Papiers mehr als gerechtfertigt.

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