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Milliarden im Feuer: Was deutsche Banken in Griechenland investiert haben

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Dax-Geflüster Banken-Blues

Die drohende Beteiligung der Banken im Zuge der Griechenland-Krise belastet die Aktien der europäischen Institute. Doch der griechische Wahnsinn ist nicht einmal das Hauptproblem der Banken - es scheint eben nur so.
Von Arne Gottschalck

Ein Stresstest macht einmal mehr von sich reden. Er soll ergeben, welche Folgen es für die Kreditinstitute hätte, wenn Griechenland Insolvenz anmelden müsste. Genauer, der Test soll den Ausfall griechischer Staatsanleihen und dessen Auswirkungen auf die Bankenwelt simulieren.

Überlegungen, wie sie der Bankenbranche so gar nicht ins Konzept passen. Denn ihre Abteilungen für die Investor Relations, jene Frauen und Männer also, die zur Beziehungspflege mit den Großinvestoren abgestellt sind, haben auch so schon genug zu tun. Warum zum Beispiel haben europäische Banken im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten eine so geringe Eigenkapitaldecke? Das macht krisenanfällig. Und welche Konsequenzen haben sie aus der Finanzkrise gezogen - zum Beispiel mit Blick auf das Risikomanagement?

Wäre es beispielsweise schon wieder möglich, die Bücher der Banken mit Papieren zu füllen, die abseits der Verkäufer kaum einer versteht? Und wie es in Deutschland mit dem Privatkundengeschäft weitergehen soll, wo doch das Interesse der Menschen, sich zum Beispiel mit der eigenen privaten Altersvorsorge zu befassen, stetig sinkt, wie eine Erhebung der Fondsgesellschaft Union Investment belegt. Fragen, wie sie die Investor-Relations-Experten beantworten müssen. Und nun noch der Stresstest.

Dabei hinken die Bankenwerte den marktbreiten Indizes seit geraumer Zeit sowieso schon hinterher. Während der Stoxx 600, der ein breites Abbild der europäischen Wirtschaft zeichnet, seit einem Jahr um 12 Prozent zugelegt hat, verzeichnet der spezialisierte Stoxx Banken nur ein knappes 0,5-Prozent-Plus.

Die Suche nach Kapital

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank , wurde in der "FAZ" mit der folgenden Begründung zitiert: "Wenn und sobald ein Staat wegen seiner Schulden ins Gerede kommt, reagiert die Börse mit Bewertungsabschlägen für die Gläubiger, auch wenn noch keinerlei Verluste angefallen sind oder unmittelbar bevorstehen."

Viele dürften sich wegen solcher Einschätzungen und der Zahlen in ihrer Ablehnung von Bankaktien bestätigt fühlen. Carsten Mumm zum Beispiel, Leiter des Assetmanagement bei der Privatbank Donner & Reuschel: "Vor diesem Hintergrund halten wir den Bankensektor daher derzeit für nicht attraktiv." Oder auch Christoph Bruns, der für Loys zwei globale Fonds verwaltet. Eine US-Investmentbank sei "vor allem für deren Angestellte interessant, nicht so sehr für Aktionäre. Gut die Hälfte des Ertrags wird ja als Bonus an die Angestellten ausgekehrt", sagte er bereits vor geraumer Zeit gegenüber manager magazin. "Vergleichen Sie das mal mit Industrieunternehmen, da gibt es so eine Selbstbedienung nicht. Das ist ein grundsätzliches Problem bei Banken. Schon allein deswegen halte ich Abstand von solchen Aktien."

Die griechische Tragödie

Wenn jetzt noch eine finanzielle Beteiligung der Finanzinstitute an der Griechenland-Misere dazu käme und der Stresstest Beunruhigendes zutage förderte - die Investor-Relations-Experten hätten noch mehr zu tun. "Obwohl vereinzelte Institute für die kommenden Jahre Rekordgewinne in Aussicht stellen, sind die Anleger offensichtlich noch skeptisch", sagt Mumm. "Dazu trägt sicherlich auch bei, dass gerade auf europäischen Instituten die ungewissen Auswirkungen eines Zahlungsausfalls Griechenlands lasten. Solange diese nicht endgültig bezifferbar sind, dürfte sich an der Schwächephase der Banknotierungen nichts ändern." Dabei ist Griechenland nur ein Kapitel der ganzen Geschichte.

"Griechenland ist ein vergleichsweise kleines Problem für die europäischen Banken", sagt Roger Doig, Analyst bei der Fondsgesellschaft Schroders. "Denn die Mehrheit der griechischen Staatsanleihen wird jetzt von Institutionen wie der EZB gehalten. Und die Anleihen der Privatunternehmen sind gut zwischen Banken und Versicherern verteilt", sagt er auf Nachfrage gegenüber manager magazin. "Sollte Griechenland also pleitegehen, wären die Auswirkungen auf den Sektor der privaten Banken limitiert." Und benennt die wahren Probleme.

Ganz andere Probleme

"Das Problem, dem sich die Banken gegenüber sehen, sind vielmehr die kumulierten Effekte aus aktuellen und künftigen staatlichen Problemen, Zeichen der Schwäche im globalen Wachstumsausblick und Regulatoren, die verlangen, dass auch jene Banken, die es nicht benötigen, noch mehr Eigenkapital vorhalten, aber versagen, eben dieses Zusatzkapital von jenen Banken einzufordern, die es nötig hätten."

Bankaktien zu mögen, fällt da schwer. Und zahlt sich zumindest aktuell nicht aus. Das musste auch Bruce Berkowitz erleben - eigentlich ein erfolgreicher Fahrensmann an der Börse. Immerhin hat er es mit seinem Fairholme Funds geschafft, zehn von elf Jahren mehr zu erwirtschaften als der Index. Doch jetzt steckt er in Finanzaktien fest, mit gut 74 Prozent seines Fonds. Und die Anleger winken ab. Über zwei Milliarden Dollar zogen sie bereits aus dem in der Summe über 14 Milliarden schweren Fonds ab. Auch einem auf europäische Bankentitel spezialisierten Exchange Traded Fund, dem iShares Stoxx Europe 600 Banks, kehrten die Investoren in der vergangenen Woche den Rücken und gaben rund 45 Millionen Dollar zurück.

Berkowitz selbst versucht es mit Humor: "Ein schwerer Fall von frühzeitiger Akkumulation von Finanzunternehmen", sagte er auf einer Konferenz. Und schiebt, ernst geworden, hinterher: "Das ist eine schmerzhafte Phase, durch die wir gehen. Schauen wir einmal, wie es in einem Jahr aussieht." Berkowitz ist übrigens auch Verteidiger der Bank of America . Weil die den Hypthekendienstleister Countrywide  gekauft hatte, wurde sie "jeden Tag getreten, weil sie das böse Imperium sei". Henning von Issendorff von Tungsten Capital Management zumindest konstatiert: "Der Bankensektor, als extrem zyklischer Sektor, hat das Potenzial überproportional zuzulegen. Natürlich spricht rein analytisch wenig dafür, an einen euphorischen Gesamtmarkt zu glauben, aber in der Realität halten wir es für möglich, dass Politik und Zentralbanken in weiteren Wellen die Finanzmärkte mit der 'Droge' artifizieller Liquidität überschwemmen, um Ruhe zu haben und die aktuellen Probleme auf zukünftige Generationen überzuwälzen." Doch die meisten professionellen Investoren winken ab.

Standardurteil: In Banken untergewichtet

"Wir bleiben untergewichtet in europäischen Banken wegen der wohldokumentierten (...) Aspekte", sagt William Davis, Threadneedles Chef für europäische Aktien. "Bis wir mehr Klarheit über die Beteiligungen der Banken und künftige Treiber der Profitabilität haben, wird es schwierig für den Sektor, oberhalb des Buchwertes zu handeln - wenn überhaupt gehandelt wird." Alle fünf bis zehn Jahre, sagt zumindest Berkowitz, säßen Finanzwerte halt in der Patsche. "Das scheint die Natur des Kapitalismus zu sein." Helfen könnte der Branche in Europa, sagt Davis, "der erfolgreiche Börsengang der spanischen Sparkassen, der "cajas". "Das würde bestätigen, dass sich Spanien von den anderen Peripheriestaaten abkoppeln kann und würde einen positiven Effekt auf den Kreditmarkt haben."

Solange geht der Bankenverfall an der Börse weiter, auch wegen der griechischen Schuldenlast. Während der Dax über drei Monaten gerechnet knapp 4 Prozent im Plus steht, verbucht der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank ein knappes Minus. Bei der Commerzbank  ist das Bild noch deutlicher. Viel Arbeit also für deren Investor-Relations-Experten - auch wegen, aber nicht nur wegen Griechenland.

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