Boo.com Boo.com "Wird viele gute Geschäfte nach unten ziehen"

Der Online-Shop ist nur sechs Monate nach seinem spektakulären Start pleite. Experten bewerten dieses erste große Aus einer Dot.com-Firma in Europa als Fanal für weitere Internet-Crashs - mit negativen Folgen für die hochbewerteten Aktienkurse.

London - Eine Studie der Berater Pricewaterhouse-Coopers sagt voraus, dass innerhalb der nächsten sechs Monate jeder vierten Internetgesellschaft in Großbritannien das Geld ausgehen wird.

Nach wochenlangen Diskussionen im Aktionärskreis der britischen Boo.com, zu dem neben dem französischen Geschäftsmann Bernard Arnauld auch die italienische Benetton-Familie gehört, wurden alle Rettungsversuche als gescheitert erklärt. Ein Zwangsverwalter wurde eingesetzt. Zuvor war versucht worden, einen Käufer für Boo.com zu finden oder die Aktionäre zum Nachschießen von weiteren 30 Millionen Dollar zu bewegen.

Neben dem geringen Interesse von Anlegern an Business-to-Consumer-Geschäften sehen Beobachter darüber hinaus selbstverschuldete Ursachen bei Boo.com wie überzogene Marketingausgaben und den sehr aufwendigen Reisestil der Manager.

Das Problem des mit einer großen PR-Kampagne gestarteten E-Commerce-Neulings war laut Mitgründer Ernst Malmsten die fehlende Kostenkontrolle. Die Firma habe es nicht geschafft, schnell genug Kunden zu gewinnen, um die hohen Anfangskosten zu decken. Etwa 300 Beschäftigte werden nun ihre Stellen verlieren.

Die Pleite zieht Zweifel über die Gesundheit junger Start-Up-Firmen im Internet-Sektor nach sich. In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Beraters PricewaterhouseCoopers (PwC) hieß es, eine von vier britischen Internet-Firmen könne innerhalb der nächsten sechs Monate pleite gehen.

Boo.com werde "viele gute Geschäfte nach unten ziehen", kommentierte Peter Misek, Analyst bei Chase H&Q. "Es war der größte Internet-Start-up im Bereich Einzelhandel in Europa und es hat die Leute ein paar sehr harte Lektionen über die Wichtigkeit eines stimmigen Geschäftskonzepts gelehrt", fügte er hinzu.

Das auf den Verkauf von Designermode spezialisierte Online-Unternehmen war im vergangenen Jahr mit Finanzmitteln von 120 Millionen Dollar bekannter Investoren - darunter Bernard Arnault, Chef des Luxusgüter-Herstellers LVMH, und das italienische Modehaus Benetton - gegründet worden.