Montag, 20. Mai 2019

Dax-Geflüster Die Blase im Netz

Börsengang des Internetradios Pandora: Gründer Tim Westergren (unten Mitte links) und Präsident Joe Kennedy (unten Mitte rechts) verfolgen den Kurssprung zum Börsenstart

Das defizitäre Internetradio Pandora legt einen fulminanten Börsengang hin - und stürzt Tags darauf ab. Die Sorgen vor einer Blasenbildung in der IT-Branche wachsen: Beobachter sehen eine Zweiteilung der Branche. Was bedeutet das für deutsche Aktien?

Hamburg - Das steile Auf und Ab der Pandora-Aktie ist ein warnendes Beispiel: Auf 16 Dollar pro Aktie hatten die Pandora-Gründer den Ausgabepreis festsetzen lassen - was dem jungen Internet-Radio, das Verluste in Millionenhöhe schreibt, eine Bewertung von 2,6 Milliarden Dollar bescherte. Am ersten Handelstag am Donnerstag schnellte die Aktie zeitweise auf mehr als 26 Dollar hoch - doch schon am zweiten Tag folgte der Absturz, der deutlich unter den Ausgabepreis führte.

Kasse machen mit jungen Internetunternehmen - der Hype um Pandora ist kein Einzelfall. Solange der Börsengang des Netzwerkgiganten Facebook auf sich warten lässt, werden auch kleinere Unternehmen kurz vor dem Börsengang extrem hoch gehandelt - und wieder fallen gelassen, sobald sich die Stimmung eintrübt.

Ohne Zweifel: Die Branche ist im Umbruch, Chancen gibt es zuhauf. Anleger brauchen jedoch einen kühlen Kopf und eine schlüssige Stratgie, um von der Revolution im Internet zu profitieren.

Rovio zum Beispiel, Erfinder des Handy-Spiels "angry birds", konnte Private-Equity-Investoren mehrere Millionen Euro entlocken. Das Netzwerk Linkedin bescherte Zeichnern zum Börsengang Traumgewinne, bevor die Kurse wieder deutlich zurückkamen. Auch die Aktien des chinesischen Facebook-Konkurrenten Renren sowie der russischen Suchmaschine Yandex legten glänzende Marktauftritte hin, verzeichneten in der Folgezeit aber starke Schwankungen.

Oder eben Facebook, das 2012 an die Börse will und derzeit mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet wird. Es herrscht eine Stimmung wie im Jahr 2000, als die Technologieaktien gen Himmel schossen - allein weil sie der Jubel-Branche Internet zugerechnet wurden.

Warum LinkedIn mehr wert sein soll als Google

"Einige Bewertungen sind sehr hoch gelaufen", bestätigt Jeroen Brand, Fondsmanager bei ING Investment Management. Auch Yves Gallati, Analyst bei Syz & Co sagt: "Die Bewertungen sind sehr hoch, selbst für Unternehmen, die hunderte Millionen Nutzer und vielversprechende Geschäftsmodelle haben."

LinkedIn Börsen-Chart zeigen zum Beispiel hat derzeit einen Marktwert von 7,3 Milliarden US-Dollar. "Das entspricht dem 30-fachen seines Umsatzes im Jahr 2010 und dem 487-fachen seines Ertrags von 2010", sagt Gallati. "Vergleichen Sie das einmal mit Google Börsen-Chart zeigen - deren Aktie wird mit dem 7,6-fachen seiner 2010-Umsätze und dem 17,5-fachen seines Ertrags von 2010 gehandelt."

Die Frage sei, wie damit langfristig Geld verdient werden könne, ergänzt Brand. "Und da frage ich mich, wie viel Werbung zum Beispiel ein Online-Netzwerk wie Facebook verträgt. Wie viel Pop-ups zum Beispiel wären die Nutzer bereit zu akzeptieren, bevor sie aussteigen?" Die Frage ist unbeantwortet, nicht nur im Fall Facebook. Solange nur Konzepte, nicht aber Umsätze und Gewinne zu hohen Bewertungen führen, wird eine Blase aufgepumpt - wie im Jahr 2000.

Vor allem Investmentbanken verdienen an dem Hype. Da passt es ins Bild, dass die US-Bank JP Morgan in einer Studie beteuerte, dass im Geschäft mit dem Netz diesmal alles anders sei. Dies dürfte einer der häufigsten und für Anleger teuersten Sätze an der Börse sein. Dennoch: Grundsätzlich verwerfen wollen viele Experten die These nicht.

"Immerhin verdienen die Unternehmen jetzt ja etwas Geld. Im Jahr 2000 haben sie gar nichts verdient", sagt Brand.

Hauptsache Wolke - die Übertreibung im IT-Sektor hat Methode

Die Übertreibung im IT-Sektor hat offenbar Methode. "Wir haben gesehen, wie Microsoft Börsen-Chart zeigen den Telefondienst Skype für mehr als das Zehnfache seiner Einnahmen übernommen hat", sagt Rory Bateman, der bei Schroders die europäischen Aktien verantwortet. "Und wir hören, dass Facebook-Anteile für das 36-fache der Einnahmen ihren Besitzer wechseln. Dabei wird kaum eine der großen Aktien in Europa oberhalb des Vierfachen gehandelt."

Eine Teil-Blase also, eine Blase, die nur ein bestimmtes Subsegement der Technologieaktien aufbläht?

"Der Markt zahlt eine hohe Prämie für Aktien, die mit dem Thema 'cloud' zu tun haben oder mit 'internetbasiertem computing'", sagt Bateman. Das sieht man auch bei den Wettbewerbern so. "Die Blase bleibt auf 'social networking'- und 'cloud-computing'-Unternehmen konzentriert", sagt Gallati. Abseits des Modethemas bleiben die Märkte jedoch nüchtern.

"Die Großen der Branche sind nicht von der Euphorie angesteckt worden", beobachtet Brand mit Blick auf Apple Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen und Co. Dieser Effekt dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass Online-Netzwerke eben der neueste Trend sind und es in diesem Segment noch wenig Anbieter gibt. Das macht ein Unternehmen sexy, wie Brand es nennt. Doch dieser Startvorteil schwindet schnell, schon weil die Eintrittsbarrieren niedrig sind. "Um eine App zu schreiben, brauchen Sie kein großes Unternehmen", so Brand.

Zweiteilung: Die etablierten Riesen der Branche sind vergleichsweise billig

IT-Unternehmen mit anderen Schwerpunkten haben es nicht ganz so leicht. Mit kurzen Produktzyklen, im Schnitt sinkenden Verkaufspreisen und einer großen Auswahl an Konkurrenten sind in ein hartes Umfeld eingebettet, wie James Swanson von MFS Investment Management sagt.

Das wirkt sich auch auf den Börsenkurs aus. "Wir haben heute Technologieunternehmen, die so konservativ bewertet werden wie irgendwelche Versorger-Unternehmen in Ohio", sagt Swanson.

Die Aktie von Microsoft Börsen-Chart zeigen zum Beispiel hat nach der Übernahme von Skype den tiefsten Stand seit Herbst 2009 erreicht - obwohl das Unternehmen immer noch glänzend verdient. Die Zweiteilung zwischen blasengefährdeten Glitzerunternehmen und vermeintlichen faden IT-Riesen gilt nicht nur für Amerika.

Auch in Deutschland wird fasziniert auf die Netzzauberer geschaut. "Ähnlich wie bei LinkedIn war das Investoreninteresse an Xing sehr hoch", sagt Gallati. "Und auch wenn die Bewertungen nicht so stratosphärisch sind, handelt Xing Börsen-Chart zeigen doch mit einem deutlichen Aufschlag im Vergleich zu Google."

Die andere Seite markieren Unternehmen wie die Software AG Börsen-Chart zeigen. Deren Kursaufschwung hat sich in den vergangenen Monaten in Grenzen gehalten - obwohl viele Unternehmen ihre Hard- und Software auf den aktuellen Stand bringen müssen, sobald sich mobile Internet-Technologien durchsetzen. Der Nachholbedarf von Unternehmen, die in der Finanzkrise gespart haben und nun ihr Equipment auf den Stand der Technik bringen müssen, sei die Treiber hinter solchen Aktien, erklärt Frances Hudson von Standard Life Investments erklärt.

Doch so sexy wie Linkedin, Renren oder Pandora ist das in den Augen vieler Anleger offenbar nicht.

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