Samstag, 25. Mai 2019

Immobilienfonds Milliarden hinter Mauern

Potsdamer Platz Arkaden in Berlin: Der Fonds "SEB Immoinvest", dem dieses Objekt gehört, steckt wie viele andere offene Immobilienfonds in Schwierigkeiten
SEB Asset Management
Potsdamer Platz Arkaden in Berlin: Der Fonds "SEB Immoinvest", dem dieses Objekt gehört, steckt wie viele andere offene Immobilienfonds in Schwierigkeiten

In offenen Immobilienfonds, die krisenbedingt geschlossen wurden, stecken noch immer Milliardenbeträge von Anlegern fest. Wer sein Geld unbedingt braucht, kann auf dem Zweitmarkt verkaufen oder vor Gericht ziehen. Vernünftiger könnte allerdings eine dritte Variante sein.  

Hamburg - Die Krise der offenen Immobilienfonds ist noch längst nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Jüngst gab es neue Hiobsbotschaften. So meldete die Münchener Gesellschaft Pramerica, ihr Fonds "TMW Immobilien Weltfonds", eingefroren seit Februar 2010, werde nicht wieder geöffnet, sondern endgültig abgewickelt.

Die Gesellschaft hätte zwar erst Anfang kommenden Jahres über eine mögliche Wiedereröffnung entscheiden müssen. Das Volumen der Rückgabewünsche seitens der Anleger sei aber schon jetzt so groß, dass der Schritt nicht zu vermeiden sei, so der Anbieter.

Damit steigt die Zahl der Fonds, die demnächst vollständig von der Bildfläche verschwinden, auf vier. Neben dem Pramerica-Fonds hat auch den "P2 Value" von Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, den "Degi Europa" von Aberdeen und den "US-Grundinvest" von Kanam aus München bereits dieses Schicksal ereilt.

Inzwischen hat das Problem zudem die Ebene der Dachfonds erreicht. Auch dort, bei den Investmentgesellschaften also, die ihr Geld auf mehrere offene Immobilienfonds sowie andere Anlagen in diesem Sektor verteilen, kam es bereits zu - zunächst vorübergehenden - Schließungen. Zuletzt kündigte Mitte Mai die Deutsche-Bank-Tochter DWS an, ihren "db immoflex" vorübergehend dicht zu machen. Der Fonds solle umstrukturiert werden und künftig stärker in andere immobiliennahe Papiere investieren, war zu lesen.

30 Milliarden Euro eingefroren

Auf fast 30 Milliarden Euro summieren sich damit die Gelder, an die Anleger offener Immobilienfonds derzeit nicht herankommen, weil ihre Investmentvehikel die Rückgabe der Anteilsscheine verweigern. Und in vielen Fällen ist nicht absehbar, wann sich die Tore wieder öffnen werden. Schließlich lässt das Gesetz eine Schließung für die Dauer von bis zu zwei Jahren zu. Erst dann muss endgültig entschieden werden, ob eine Rückkehr zum normalen Geschäftsbetrieb möglich ist, oder ob die Fondsgesellschaft gänzlich liquidiert werden soll. Letzteres kann sich dann noch einmal mehrere Jahre hinziehen.

Anleger, denen das zu lange dauert, oder die sich schlicht in Liquiditätsnot befinden, können allerdings schon vorher Wege beschreiten, um an ihr Geld zu kommen. Eine Möglichkeit ist der Verkauf der Anteile auf dem Zweitmarkt.

An der Hamburger Börse beispielsweise wechseln Anteile offener Immobilienfonds von einem Anleger zum nächsten - ohne dass die Fondsgesellschaft dazwischen geschaltet wäre. Und der Handel läuft bereits seit geraumer Zeit schwunghaft. Die neun Investmentfonds mit den höchsten Umsätzen waren im Mai eingefrorene offene Immobilienfonds oder Immobiliendachfonds, so die Börse.

Das Problem für die Verkäufer ist allerdings, dass die Gegenseite die Problemlage sowie die aktuellen Risiken in diesem Markt genau kennt. Für Fonds, deren Anteilsrücknahme zurzeit ausgesetzt ist, sind am Zweitmarkt daher nur Preise zu erzielen, die weit unter dem offiziellen Anteilswert liegen.

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