Abschwungangst Saudi-Arabien will Ölhahn aufdrehen

Eigentlich erhöht Saudi-Arabien nur ungern die Ölfördermenge. Jetzt aber erwägen die Scheichs den Hahn aufzudrehen, wie zuletzt vor drei Jahren während der Finanzkrise. Der Golf-Staat fürchtet einen zu hohen Ölpreis für die Weltkonjunktur, die mehr und mehr Schwächezeichen zeigt.  
Ölfeld in Saudi-Arabien: Erste signifikante Erhöhung der Ölfördermenge seit drei Jahren möglich

Ölfeld in Saudi-Arabien: Erste signifikante Erhöhung der Ölfördermenge seit drei Jahren möglich

Foto: ALI JAREKJI/ REUTERS

Hamburg - Saudi-Arabien könnte die Ölproduktion deutlich erhöhen. Bereits im laufenden Monat wolle das Land mehr als 500.000 Fass Öl am Tag mehr fördern als bislang, berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und die "Financial Times" übereinstimmend. einen entsprechenden Vorschlag zur Ausweitung der Opec-Förderquoten werde Saudi-Arabien auf dem jetzt anstehenden Opec-Treffen in Wien unterbreiten.

Sollten sich die Scheichs durchsetzen, wäre der höchste Ölausstoß seit Mitte 2008 perfekt, als das Fass Öl (159 Liter) zum Rekordpreis von 147 Dollar gehandelt wurde. Insgesamt würde sich die saudische Produktion damit auf 9,5 Millionen bis 9,7 Millionen Fass pro Tag erhöhen.

Die Saudis erwägen den Schritt offenbar, weil sie fürchten, die weltweite Konjunktur könne abflauen - und damit auch der Ölverbrauch, der ihre eigenen Kassen füllt. Denn weltweit mehren sich die Zeichen, dass die globale Wirtschaftserholung in eine kritischere Phase geraten ist. Und für diese Phase könnte der Ölpreis in den vergangenen Wochen zu stark gestiegen sein: Lag der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent im Dezember noch bei 90 Dollar, kostete es am Dienstag fast 115 Dollar. Am Abend verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent sich um 1,5 Prozent auf 116,14 Dollar.

Saudi-Arabien hat mit seiner Ankündigung zur Ölfördererhöhung offenbar auch auf eine entsprechende Aufforderung der Internationalen Energieagentur reagiert. Sie hatte sich vor wenigen Wochen mit einem dramatischen Appell an die Ölförderstaaten gewandt, um die weitere Verknappung des Ölangebots - etwa durch Förderausfälle infolge der Libyen-Krise - abzuwenden.

Allein in Deutschland verursacht ein Anstieg des Ölpreises um 30 Dollar pro Fass Mehrkosten von 75 Millionen Dollar - täglich. Zudem kann die Konjunktur unter einem Preisschub leiden: Die Deutsche Bank hält die Schwelle von mehr als 120 Dollar pro Fass für konjunkturell schädlich.

Doch das Land tut sich für gewöhnlich sehr schwer mit der Anhebung der Ölproduktion. Schließlich sorgt eine Verknappung des Öls bei steigender Nachfrage für höhere Preise auf dem Weltmarkt - und das wiederum bedeutet höhere Einnahmen für die Saudis.

Sollte die weltweite konjunkturelle Erholung nun allerdings durch den steigenden Ölpreis abgewürgt werden, würde auch die Nachfrage nach Öl erneut sinken und den ölfördernden Staaten ein Umsatzminus bescheren. Deshalb jetzt der Schritt.

Die Erhöhung der Fördermenge in Saudi-Arabien ist ein deutliches Zeichen an die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die sich am morgigen Mittwoch in Wien trifft. Auf dem Treffen beraten die Mitglieder über zukünftige Produktionsziele. Während die Golf-Staaten eine Ausweitung fordern, halten Iran und Venezuela das aktuelle Niveau für angemessen und sind gegen eine höhere Förderung. Zuletzt hatte die Opec ihr offizielles Produktionsziel im Jahr 2007 angehoben.

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