Börsenmantel Helikos wird endlich fündig

An die Börse gehen, ohne ein eigenes operatives Geschäft zu haben: In Deutschland sind Börsengänge von "Spacs" selten. Der Spac "Germany One" zum Beispiel bereitete bislang den Anlegern wenig Freude. Der Börsenmantel Helikos will es nun besser machen und hat mit dem Unternehmen Exceet ein Übernahmeziel gefunden.
Von Thomas Katzensteiner
Börsenhändler: Helikos war mit seinem Börsenstart gewissermaßen ein Blankoscheck - Anleger vertrauten darauf, dass der Spac bald ein geeignetes Übernahmeziel findet

Börsenhändler: Helikos war mit seinem Börsenstart gewissermaßen ein Blankoscheck - Anleger vertrauten darauf, dass der Spac bald ein geeignetes Übernahmeziel findet

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Die Suche nach dem "Hidden Champion", die der ehemalige Deutsche-Bank-Topmanger Roland Lienau und der Unternehmensberater Hermann Simon bereits im Februar vergangenen Jahres begonnen hatten, gestaltete sich schwieriger als erwartet. Eine dreistellige Zahl von Unternehmen wurde gescannt, in die engere Auswahl schafften es schließlich 29.

Jetzt ist der von Lienau und Simon ins Leben gerufene Börsenmantel Helikos auf der Suche nach einem Übernahmeziel fündig geworden. Das Anfang 2010 als SPAC ("Special Purpose Acquisition Vehicle") an die Börse gegangene Unternehmen will die Schweizer Firmengruppe Exceet kaufen.

Mit dem Management und dem Mehrheitseigner Ventizz Capital hat sich Helikos bereits geeinigt. Am 1. Juli müssen noch die rund 70 Helikos-Großaktionäre, darunter der französische Investor Wendel und die Deutsche-Bank-Tochter DWS, den Plänen zustimmen.

Exceet ist ein Firmenkonglomerat, das Technologie für verschiedene Bereiche herstellt - dazu gehören medizinische Produkte wie Ultraschallgeräte genauso wie Chipkarten und spezielle Kartenlesegeräte. Für die Übernahme der Firmengruppe mit Sitz in St. Gallen zahlt Helikos aus den beim Börsengang eingesammelten Geldern 110,5 Millionen Euro in bar. Dazu kommen 3,1 Millionen neu zu begebende Helikos-Aktien, zudem erhalten die Exceet-Eigentümer später bis zu neun Millionen weitere neue Helikos-Aktien in drei Tranchen. Diese Titel werden erst in Publikumsaktien umgewandelt, wenn der Börsenkurs von Helikos über 12, 13 und 15 Euro steigt.

Helikos-Macher wagen sich auf recht neues Terrain

Die Helikos-Macher wagen sich mit der Transaktion in Deutschland noch auf vergleichsweise neues Terrain. Bisher waren die Spac genannten Börsenmäntel hierzulande nicht besonders bekannt und wurden von manchen Investoren skeptisch gesehen.

Der Spac "Germany One" etwa, mit dem Ex-Arcandor-Chef Roland Middelhoff, der Unternehmensberater Roland Berger und der Ex-Investmenbanker Florian Lahnstein im vergangenen Jahr den Elektronikspezialisten AEG Power Solutions übernommen hatten, war für die Investoren bisher keine Erfolgsgeschichte, während die Iniatioren mit ihren Aktienpaketen selbst zum aktuellen Kurs noch ein sattes Plus machen würden.

Um Kritikern keine Angriffsfläche zu bieten, haben sich die Helikos-Initiatoren deshalb vom Start weg für ein anderes Modell entschieden. "Wir verdienen überhaupt erst etwas, wenn der Aktienkurs über 12 Euro steigt", betont Lienau. Am Mittwoch Nachmittag lag der Kurs bei 10,09 Euro.

Aus Helikos könnte ab Juli Exceet werden

Wichtiger für die Kursentwicklung dürfte aber sein, was jetzt mit Exceet passieren soll. In die Kassen von Exceet fließen rund 60 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung, zudem schießt Helikos rund elf Millionen für die Ablösung von Aktionärsdarlehen zu. Mit dem Geld will die dann schulkdenfreie Unternehmensgruppe ihre Forschung und Entwicklung ausbauen und auch selbst auf Einkaufstour gehen.

2010 verbuchte Exceet einen Umsatz von umgerechnet rund 120 Millionen Euro, über die Hälfte davon im Bereich Medizintechnik. Das operative Ergebnis (EBITDA) betrug 17,7 Millionen und ist damit - auch durch Zukäufe - seit 2008 um rund 52 Prozent pro Jahr gestiegen,

Sollten die Pläne des Managements jetzt noch bei den Helikos-Aktionären auf Zustimmung stoßen, dann könnte Exceet schon Anfang Juli auf dem Kurszettel landen.

mit Material von reuters
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