US-Leitzinsen "Zinserhöhung nicht überbewerten"

Die Entscheidung kam wie erwartet. Die Washingtoner Notenbank hat die US-Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Wall Street quittierte das mit Gelassenheit.

New York/Berlin - Der Währungsexperte Peter Bofinger hat zu mehr Gelassenheit angesichts der Euroschwäche gemahnt. Die Wirkung der US-Zinserhöhung sollte man nicht überbewerten, sie verliere sich angesichts der großen Wechselkursspannungen bei einem kurzfristig orientierten Markt schnell wieder, sagte der Würzburger Geldexperte am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Die ökonomischen Faktoren seien im Euroland optimal. Es gelte nur, den Euro besser zu verkaufen und der Bevölkerung deutlich zu machen, dass der Außenwert einer Währung kein Indikator für die Wirtschaftspolitik darstelle.

Bofinger erwartet nicht, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche erneut eine Zinserhöhung beschließen wird. Bei einem weiteren Andauern der Euroschwäche halte er es allerdings für sinnvoll, zusammen mit den USA in den Markt einzugreifen und Devisen aufzukaufen.

US-Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte angehoben

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank erklärte am Mittwochabend hiesiger Zeit, dass der Leitzins für die kurzfristige Geldbeschaffung - die so genannte Fed-Funds-Rate - von sechs auf 6,50 Prozent erhöht werde. Mit dieser sechsten Anhebung seit Juni 1999 hat der Leitzins nun das höchste Niveau seit neun Jahren erreicht. Gleichzeitig erhöhte die Federal Reserve den Diskontsatz um 0,5 Punkte auf 6,0 Prozent.

Ziel der Währungshüter ist es, ein Überhitzen der schon lange auf hohen Touren laufenden US-Wirtschaft zu vermeiden und die Inflationsgefahr zu bannen. Die Zentralbankgouverneure begründeten ihre Entscheidung ausdrücklich mit der Sorge über den steigenden Inflationsdruck. Die Nachfrage wachse weiterhin schneller als selbst das vom technischen Fortschritt ermöglichte potenzielle Angebot. In den vergangenen drei Quartalen ist die US-Wirtschaft mit Raten über fünf Prozent gewachsen, während ein Wachstum über drei Prozent als preistreibend angesehen wird.

Die wenige Stunden vor der Zinsentscheidung veröffentlichten jüngsten Daten über die Preisentwicklung zeigten allerdings, dass die Inflation bisher weitgehend unter Kontrolle ist. Die US-Verbraucherpreise blieben im April im wesentlichen unverändert.