Vector Enterprises Vorsicht, Aktien-Falle

Die US-Firma versucht, mit windigen Aktienkauf-Offerten Anleger auszutricksen. Sie bietet weniger Geld, als ein Titel aktuell an der Börse wert ist. Wer darauf hereinfällt, darf nicht auf Justitias Hilfe hoffen.

Frankfurt am Main - Einen 50-Mark-Schein gegen 46 Mark zu tauschen, wird niemand einfallen. Genau dies blüht aber Aktionären, die auf das so genannte "Abfindungsangebot" von Vector Enterprises eingehen: Anfang Mai verschickte die Volksbank in Dransfeld, Nürnberg und in Frankfurt den Besitzern von Aktien des Internetanbieters America Online eine "Depotinformation". Bis zum 18. Mai bietet das Unternehmen 53 Dollar je AOL-Aktie. Die AOL-Aktien wurden am Dienstagabend in New York mit 57,81 Dollar gehandelt. Wahrscheinlich ist das Angebot noch durch wesentlich mehr Niederlassungen der Gruppe verteilt worden, denn die Weitergabe laufe zentral und "ritualisiert" ab, wie Bankmitarbeiter berichteten.

Windige Angebote dieser Art sind keine Seltenheit: Im Februar hatte Vector angeboten, Aktien des US-Telekommunikations-Unternehmens QWest für 32 Dollar zu kaufen. Damals war die Aktie schon 50 US-Dollar wert. "Das Angebot richtet sich an arg lose Aktionäre, die mit dem Kurs von QWest nicht tagesaktuell vertraut sind", schimpfte damals Drake Tempest, Vizepräsident der US-Telefongesellschaft QWest Communications. Er hoffe, die Börsenaufsicht und die New Yorker Börse unternehme etwas gegen Vector Enterprises.

Für Bauernfängerei hält Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), derartige Angebote. Auf den ersten Blick wirkten sie seriös, weil sie als Abfindungsangebot von der eigenen Hausbank übermittelt würden. "Für den einen oder anderen unbedarften Anleger könnte das schon eine Gefahrenquelle sein", sagte er. Firmen wie Vector oder der Odd Lot Liquidity Fund seien in den USA entstanden. "Diese Firmen fangen jetzt verstärkt in Deutschland an, nach wirklich großen Werten wie America Online, Cisco Systems oder Intel zu fragen." Als Besitzer von Dell-Aktien habe er selbst bereits ein solches Angebot bekommen.

Wer eine solche Offerte erhalte oder sogar seine Aktien verkauft habe, könne nicht auf die Hilfe der Justiz hoffen, sagte Kurz. Jeder dürfe einem Aktionär ein Angebot für dessen Wertpapierbesitz machen. Die Unternehmen machten sich erst strafbar, wenn das Angebot Falschinformationen enthalte. Rückgängig machen könne ein Käufer die Transaktion kaum: "Außer, wenn der Besitzer nicht in der Lage ist, den Preis zu ermessen." Die Chance dafür sei aber gering, da der aktuelle Kurs einer Aktie für einen Anleger leicht zu ermitteln sei.

Die Banken sollten solche Angebote gar nicht erst an ihre Kunden weiterleiten, fordert der Aktionärsschützer, schließlich sei das so genannte Abfindungsangebot nicht kursrelevant. Jedoch ließen sich die Banken vor den Karren der Aktienjäger spannen, weil sie Angst hätten, sonst verklagt zu werden, vermutet er.

Udo Fenchel, Sprecher Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, erläuterte, die Banken seien verpflichtet, ihre Kunden über Angebote zu informieren. Rechtlich gebe es keinen Ansatzpunkt, Meldungen zurückzuhalten. Er könne den Anlegern nur raten, die Offerten sorgfältig zu überprüfen.

"Abfindungsangebote kommen inzwischen verhältnismäßig häufig vor", räumte Günter Schmidt ein, Volksbank-Vorstand im niedersächsischen Dransfeld. Jedoch sei seine Bank nur als Vermittler tätig und liefere die Meldungen weiter.

Seine Bank wisse, dass darunter auch unseriöse Angebote seien, ergänzte Frank Steinmeyer, Sprecher der Frankfurter DG Bank, der Dachbank der Volksbanken. Die DG Bank arbeite deshalb freiwillig mit einer sogenannten 10-Prozent-Hürde, sagte Steinmeyer: Liege das Übernahmeangebot um ein Zehntel unter dem aktuellen Kurs, werde es nicht an die Partnerinstitute weiter geleitet.