BMW Milberg darf entlastet weiter machen

Konzern-Chef Joachim Milberg kann aufatmen. Trotz harscher Kritik entlasteten die Aktionäre die Führungsspitze. Damit ist der Weg frei für einen Neuanfang. Milberg bestätigte, dass der Milliarden-Kredit vom Rover-Käufer Phoenix zurückgezahlt werden soll.

München - Nach gut fünfstündiger, ruhiger Debatte votierten trotz der harschen Aktionärs-Kritik 96,5 Prozent des stimmberechtigten Kapitals für die Entlastung des Vorstands. Auch der Aufsichtsrat wurde mit großer Mehrheit entlastet.

Der BMW-Aufsichtsrat und die Familie Quandt als BMW-Großaktionär stärkten Vorstandschef Milberg den Rücken, über dessen baldigen Abritt wegen des Rover-Debakels zunächst spekuliert worden war. Die Familie Quandt habe im Kontrollgremium noch einmal ausdrücklich versichert, dass sie keine Anteile verkaufen wolle. Die Familie hält rund 46 Prozent der Anteile an dem weiß-blauen Autobauer.

Das Abenteuer auf der britischen Insel habe den Konzern neun Milliarden Mark gekostetet, erklärte Milberg den Aktionären. "Die Zahl ist ehrlich und richtig", beteuerte der Vorstandschef. Davon müsse aber der Erlös für Land Rover noch abgezogen werden, der rund sechs Milliarden Mark einbringen soll. Der Verkauf an Ford solle bald abgeschlossen werden.

Für die Trennung von Rover stellte der Konzern 3,15 Milliarden Euro (rund 6,16 Milliarden Mark) zurück. Damit seien alle Aufwendungen abgedeckt, betonte Milberg. Dies gelte auch für den Kredit in Höhe von 500 Millionen Pfund (rund 1,7 Milliarden Mark), den BMW dem britischen Investor Phoenix für die Anschubfinanzierung gewährt. Der Kredit sei zinslos und solle aus späteren Gewinnen zurückgezahlt werden, sagte Milberg erstmals.

Zuvor hatten BMW-Aktionäre die Konzernführung scharf kritisiert. "BMW hat neun Milliarden Mark auf der britischen Insel versenkt, die heute bei Forschung und Entwicklung fehlen", entrüstete sich Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag vor mehr als 4000 Aktionären. Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) nannte den Rover-Verkauf die "größte Fehlinvestition der deutschen Wirtschaftsgeschichte".

Die Aktionäre kritisierten vor allem die Öffentlichkeitsarbeit der Führung Milberg. BMW habe sich zudem zu spät von der verlustreichen britischen Tochter getrennt. Dennoch wurde Milberg nicht offen zum Rücktritt aufgerufen.

Milberg betonte, das Unternehmen sei "von einer schweren Last befreit" und können nun selbstständig bleiben. In diesem Jahr rechnet BMW ohne die Rover-Last mit einem deutlichen Anstieg der Gewinne. Auch beim Absatz von BMW-Autos fahre man derzeit auf Rekordkurs. Der Kurs der BMW-Aktie legte am Dienstag um knapp ein Prozent auf zwischenzeitlich gut 33 Euro zu.

BMW hatte eine Woche vor der Hauptversammlung die verlustreiche Rover-Tochter für den symbolischen Kaufpreis von zehn Pfund an das Phoenix-Konsortium um den früheren Rover-Chef John Towers verkauft. Milberg kritisierte indirekt die frühere BMW-Führungsspitze. Im Nachhinein müsse man sich fragen, ob der Kauf der britischen Traditionsmarke nicht ein Fehler gewesen sei. Auch nach der Übernahme seien Fehler gemacht worden, sagte Milberg. So sei die anfängliche Strategie "Rover führt Rover" falsch gewesen. Auch habe man die Stärke der Marke Rover überschätzt.