Versprechen gebrochen Neues System der Schattenbanken

Ein Grund für die Finanzkrise war das System der Schattenbanken. Regierungen, Notenbanken und Bankenaufseher haben während der Bankenrettung versprochen, gegen ein solches System anzugehen. Doch aus dem Schattenbankensystem wird jetzt ein Schattenstaatensystem in Europa.
Bankentürme in Frankfurt am Main: Gefährliche neue Lage

Bankentürme in Frankfurt am Main: Gefährliche neue Lage

Foto: Arne Dedert/ dpa

Vor Beginn der Finanzkrise hatten viele Banken in Europa und USA gegen jede traditionelle Bankregel und gegen ökonomischen Sachverstand neben ihren Bilanzen Zweckgesellschaften gegründet. In diesen Zweckgesellschaften wurden hochriskante Kredite und Wertpapiere gebündelt. Dies geschah mit Kenntnis und Duldung fast aller internationaler Aufsichtsbehörden. In Europa haben lediglich die Regierungen in Spanien und Italien verboten, derartige Geschäfte zu machen.

Als Ergebnis mussten allein die staatlichen oder teilstaatlichen Banken in Deutschland mit Beträgen, die nach unseren Berechnungen über 40 Milliarden Euro aus Steuergeldern lagen, gestützt werden. Dabei sollte man von diesen Instituten, die ja als Agenten das Geld ihrer Eigentümer verwalten, eine besondere Vorsicht im Umgang mit anvertrauten Geldern erwarten können.

Der Grund der Krise ist einfach: Es wurde zu viel Kredit vergeben - auch an Menschen, die sich diese Kredite nicht leisten konnten. Statt sich auf eine Kreditvergabe bis zum maximal ungefähr 12 bis 15-Fachen des Eigenkapitals zu beschränken, haben einige Institute bis zum 35-Fachen des Eigenkapitals verliehen oder angelegt.

Um die Krise zu überwinden und nie wieder eine ähnliche Krise aufkommen zu lassen, haben sämtliche Beteiligten, also Geschäftsführungen, Regierungen, Bankenaufseher, Notenbanken und Wirtschaftsforschungsinstitute heilige Eide geschworen nie wieder Schattenbanken zuzulassen und bei deren Auftauchen sofort dagegen anzugehen.

Eine neue Zweckgesellschaft namens ESM

Dies war alles schon vor zwei Jahren, ist also schon sehr lange her. Die Schwüre von gestern gelten schon lange nicht mehr. Aus dem Schattenbankensystem wird jetzt ein Schattenstaatssystem in Europa. Zur Unterstützung der klammen südeuropäischen Länder wird wie ehedem bei den Banken eine Art Zweckgesellschaft gegründet. Diese heißt ESM (European Stability Mechanism).

Zusätzlich zur allgemeinen Haushaltsfinanzierung mit dem Aufbau neuer Staatsschulden für eigene Zwecke dürfen dabei die Staaten der Euro-Zone ordentlich Kapital aufbringen und für Kredite zur Unterstützung der klammen Euroländer haften. Vulgo heißt dieses Verfahren Bürgschaft. Mancher wird sich an die Volksweisheit "wer bürgt, wird gewürgt" erinnert.

Die Bundesrepublik Deutschland allein durfte bereits 20 Milliarden Euro im letzten Jahr an Griechenland überweisen sowie verbürgen. Zusätzlich darf sie noch in den nächsten Jahren weitere 22 Milliarden Euro an Eigenkapital für ESM überweisen.

Außerdem bürgt sie noch für etwas über 160 Milliarden Euro. Allein die verschiedenen Eigenkapitalanteile und Eigenkapitalhilfen betragen über 40 Tausend Millionen Euro. Dies ist ungefähr der Gegenwert von 40.000 besseren Einfamilienhäusern im Vordertaunus oder am Starnberger See, falls es in beiden Gegenden überhaupt so viele Einfamilienhäuser im Wert von einer Million Euro gibt.

Der Wert des Euro wird weiterhin unterminiert

Die verschiedenen Eigenkapitalhilfen und die Bürgschaft liegt im Betrag über der Hälfte eines normalen Bundeshaushaltes von etwas über 300 Milliarden Euro. Aus Sicht des deutschen Steuerzahlers wird hier also noch einmal ungefähr eine halbe Bundesrepublik mit Eigenkapital oder Garantien finanziert. Da die Bundesrepublik insgesamt selbst zur Zeit ungefähr 2.000 Milliarden Euro Schulden hat, woraus sich bei einem normalisierten Zinsniveau von 5 Prozent ungefähr 100 Milliarden Euro im Jahr allein an Zinslasten ergeben, kann sie sich das nach unserer Meinung eigentlich nicht leisten. Durch das zusätzliche Geldschöpfen wird der Wert des Euro weiterhin unterminiert.

Die Europäische Zentralbank hat im letzten Jahr nach unseren Erkenntnissen nicht ganz freiwillig in großem Umfang europäische Staatsanleihen aufgekauft, nach dem den Bürgern Europas vor zwölf Jahren versprochen wurde, dass die Europäische Zentralbank unabhängig sei und in keinem Fall Staatsfinanzierungen betreiben würde. Die Europäische Zentralbank möchte verständlicherweise diese Papiere gerne loswerden.

Also werden diese im Laufe der Zeit und vermutlich unter Einhaltung einer gewissen Schamfrist in den ESFS/ESM übertragen. Damit ist die Inanspruchnahme der Bundesrepublik aus den Bürgschaften nahezu zwangsläufig. Natürlich wird nicht über Nacht der ganze Betrag in Anspruch genommen werden, aber das Tor ist weit aufgestoßen.

Von dem was eigentlich notwendig wäre, um die europäischen Staatsschuldenkrise zu überwinden, nämlich rigoroses Sparen der Regierungen denen es noch relativ gut geht, ist so gut wie nichts zu hören.

Diese neue Kreditschöpfung wird zu weiterer Unterminierung des Geldwertes führen. Damit sind nach unserer Meinung ein weiteres Anziehen der Inflation und wesentlich höhere langfristige Zinsen vorgezeichnet. Anleger, die sich dem Risiko des damit eingehenden Kursverfalls von langlaufenden Anleihen nicht aussetzen wollen, sind nach unserer Meinung gut beraten, die Laufzeiten ihrer Anleiheportfolios stark zu verkürzen. Das Schattenstaatensystem bringt zusätzlich die Gefahr, dass sich die Schuldenkrise auch von der Peripherie bis ins Zentrum, also bis nach Deutschland und Frankreich vorfrisst.

Für diesen Fall bietet sich ein Ausstieg aus Staatsanleihen an. Als Alternative gibt es verschiedene Anleihen erstklassiger, großer europäischer Emittenten, die große Teile ihres Gewinns in wachstumsstarken Ländern der Neuen Welt verdienen. Diese Geschäfte außerhalb der Eurozone liegen zum Großen Teil in Asien und Lateinamerika. Die Schulden der dortigen Staaten wie Brasilien und China sind überschaubar. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass diesen Ländern auf Dauer bessere Wachstumschancen als den Ländern der Eurozone attestiert werden.