Inflation Bundesbank warnt vor Zweitrundeneffekten

Die Kritik an der Preispolitik der Tankstellenbetreiber schlägt weiter hohe Wellen. Die Branche weist den Vorwurf von Preisabsprachen zurück. Selbst die Bundesbank warnt indes bereits vor den Gefahren einer anziehenden Inflation.
In der Kritik: Steigende Benzinpreise tragen zum allgemeinen Anstieg der Inflationsraten bei

In der Kritik: Steigende Benzinpreise tragen zum allgemeinen Anstieg der Inflationsraten bei

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Mineralölwirtschaft hat den Vorwurf zurückgewiesen, die großen Tankstellenketten verlangten überhöhte Spritpreise von Autofahrern. Es werde versucht die Mineralölwirtschaft in die Schmuddelecke zu stellen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, am Montag im "ARD"-Morgenmagazin. Die Preise in Deutschland seien transparent, Tankstellenpächter müssten schnell reagieren, wenn der Wettbewerber seine Preise ändere. Dies sei ein übliches Wettbewerbsverhalten.

Eine am Wochenende bekannt gewordene Untersuchung des Bundeskartellamts stützt den Verdacht, dass es die Verbraucher im deutschen Tankstellengeschäft mit einem marktbeherrschenden Oligopol zu tun haben.

Das Preisklima in Deutschland und dem Euro-Raum trübt sich unterdessen auch nach Einschätzung von Bundesbank-Chef Jens Weidmann zusehends ein. Die jüngste Erhöhung der langfristigen Inflationserwartungen im April sei ernst zu nehmen, sagte Weidmann am Montag in Frankfurt. Zuletzt hatte die Inflationsrate im Euro-Raum bei 2,8 Prozent gelegen. Die entsprechende Rate (HVPI) für Deutschland lag im April bei 2,7 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB), in dessen geldpolitischem Rat Weidmann vertreten ist, strebt eine Rate von knapp 2 Prozent an.

Für sich genommen sei ein zeitweiser Anstieg der Inflationsrate auf über 2 Prozent noch kein Grund für eine geldpolitische Reaktion, sagte Weidmann. Er begründete seine Einschätzung mit dem Umstand, dass ein Großteil des jüngsten Preisanstiegs auf höhere Energie- und Rohstoffpreise zurückzuführen ist. "Genau beobachten müssen wir jedoch, ob hieraus möglicherweise Zweitrundeneffekte resultieren." Darunter versteht man Lohn- und Preiserhöhungen als Reaktion auf steigende Teuerungsraten. "Ebenso im Blick zu behalten sind die zunehmenden Aufwärtsrisiken im Zuge der konjunkturellen Aufhellung.

cr/dpa-afx
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