Vorsorgevollmacht Warum die Absicherung auch für Jüngere sinnvoll sein kann

Eine wachsende Zahl gesunder und berufstätiger Menschen erteilt einer Vertrauensperson eine Vorsorgevollmacht. Wer seine Finanzen wegen eines Unfalls nicht mehr regeln kann, vermeidet auf diese Weise, dass Fremde entscheiden.
Handlungsunfähig: Wer nach einem Unfall seine Privatgeschäfte nicht mehr regeln kann, profitiert unter Umständen von einer Vorsorgevollmacht

Handlungsunfähig: Wer nach einem Unfall seine Privatgeschäfte nicht mehr regeln kann, profitiert unter Umständen von einer Vorsorgevollmacht

Foto: Jens Meyer/ ASSOCIATED PRESS

Hamburg - Wer seine Finanzen und andere persönliche Angelegenheiten bei Krankheit oder im Alter nicht mehr selbst regeln kann, der ist auf zuverlässige Unterstützung angewiesen. Daher ist es empfehlenswert, einer Vertrauensperson frühzeitig eine sogenannte Vorsorgevollmacht zu erteilen. Der Inhaber kann dann im Namen des Ausstellers fast alle privaten Angelegenheiten von der Vermögensverwaltung bis zur Auswahl einer Pflegeeinrichtung für ihn regeln.

Wichtige Unterstützung bietet in diesem Zusammenhang das Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer. Hier kann jeder für eine Gebühr von 13 Euro online eine Vorsorgevollmacht registrieren lassen, wie es bereits 1,3 Millionen Bundesbürger getan haben. "Die Registrierung einer Vollmacht bringt Zeitgewinn und erleichtert die Arbeit der Betreuungsgerichte", sagt Sibel Aktekin von der Bundesnotarkammer.

So erkundigten sich die Gerichte beispielsweise nach einer Vollmacht, wenn jemand bewusstlos im Krankenhaus liegt. Immerhin gehen beim Vorsorgeregister monatlich 20.000 entsprechende Anfragen ein. "Auffallend ist, dass immer mehr jüngere Menschen unter 50 Jahren eine Vorsorgevollmacht registrieren lassen, um so für den Notfall vorzusorgen", sagt Aktekin.

Eine Registrierung bietet zudem den Vorteil, dass keine fremde Person das Sagen in persönlichen Angelegenheiten hat. Liegt dem Gericht nämlich keine Vollmacht vor, bestimmt es von sich aus einen gesetzlichen Betreuer. Das kann ein naher Angehöriger aber auch ein Berufsbetreuer sein. Im Vergleich zur Vorsorgevollmacht bietet diese gerichtliche Betreuung allerdings unter Umständen einen besseren Schutz. Denn während gesetzliche bestimmte Betreuer vom Gericht überwacht werden, geschieht dies bei Bevollmächtigten nicht.

Vorteil des gesetzlichen Betreuers: Er wird überwacht

Alternativ zur Vorsorgevollmacht können Interessenten auch allerdings auch eine sogenannte Betreuungsverfügung erlassen. Darin lässt sich festlegen, wer im Notfall zum gesetzlichen Betreuer bestimmt und vom Gericht überwacht werden soll. "Wer keine nahen Angehörigen hat oder ihnen nicht vertraut, der fährt mit einer Betreuungsverfügung besser", sagt Aktekin.

Den Inhalt einer Vorsorgevollmacht kann jeder frei bestimmen. "Damit sie brauchbar ist, sollte sie in allen Fällen gelten - zum Beispiel für die 'Vertretung in allen Angelegenheiten'", rät Jan Martin Schrader vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Schließlich sei nicht absehbar, wofür das Dokument einmal gebraucht werde.

Außerdem sollte sie nicht an Bedingungen geknüpft werden. "Gilt die Vollmacht zum Beispiel nur bei schwerer Krankheit des Vollmachtgebers, könnte es Streit über den Gesundheitszustand geben", sagt Schrader. Zudem sollte man überlegen, ob der Bevollmächtigte auch eine "Untervollmacht" an andere ausstellen darf, die ihn vertreten können. Alternativ kann man auch mehrere Personen bevollmächtigen und festhalten, wer bei Uneinigkeiten das Sagen hat.

Empfehlenswert ist es, eine Vorsorgevollmacht vom Notar oder beurkunden zu lassen. Damit wird bestätigt, dass das Dokument keine Fälschung ist und nicht angezweifelt werden kann. Die Beurkundung beim Notar kostet je nach Vermögen in der Regel zwischen 50 und 150 Euro. Problematisch sind Vollmacht-Formulare im Internet. "Hier gibt es oft missverständliche Formulierungen, und gerade im Geschäftsverkehr können sie Probleme bereiten", sagt Aktekin.

Bei den Banken werden Vorsorgevollmachten nicht immer anerkannt. Einige Institute bestehen darauf, dass dafür hauseigene Formulare verwendet werden. "Bei beurkundeten Vollmachten tritt dieses Problem allerdings nicht auf", sagt Aktekin.

nis/dapd
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