Insider-Skandal US-Milliardär Rajaratnam soll ins Gefängnis

Der größte Insider-Skandal an der Wall Street endet für den Hauptangeklagten wohl im Gefängnis. Ein Gericht in New York hat Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam in allen Punkten schuldig gesprochen. Dem Milliardär drohen nun bis zu 20 Jahre Haft.
Raj Rajaratnam nach dem Gerichtstermin: Überführt mit Tonbandaufnahmen

Raj Rajaratnam nach dem Gerichtstermin: Überführt mit Tonbandaufnahmen

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

New York - Bundesstaatsanwalt Preet Bharara hat sich zum Ziel gesetzt, Verbrecher in Nadelstreifen zur Strecke zu bringen. Und so endet der größte Fall von Insiderhandel an der Wall Street für den Hauptangeklagten wohl im Gefängnis. Ein Gericht in New York hat den Hedgefonds-Gründer und Milliardär Raj Rajaratnam in allen Punkten für schuldig befunden.

Der 53-Jährige Rajaratnam bleibe bis zur Bekanntgabe des Strafmaßes am 29. Juli auf freiem Fuß, teilte das zuständige Gericht mit. Er werde jedoch elektronisch überwacht. Ihm drohen bis zu neunzehneinhalb Jahre Freiheitsentzug - die Maximalstrafe für Anlagebetrug.

Rajaratnam, der in Sri Lanka geboren wurde, nahm den Schuldspruch ohne erkennbare Gemütsregung auf. Der Gründer des Hedgefonds Galleon hatte der Wall Street einen der spektakulärsten Skandale beschert: Etliche ehemalige Börsenhändler, hochrangige Manager und Anwälte sollen untereinander börsenrelevante Informationen ausgetauscht haben.

Rajaratnam hatte nach Ansicht der Jury in der Finanzmetropole und darüber hinaus ein dichtes Netz an Informanten aufgezogen; seine Kontakte reichten bis ins Management großer US-Konzerne. Die Beteiligten wussten immer den entscheidenden Moment früher als der restliche Markt über Quartalsberichte oder interessante Fusionspläne von Schwergewichten wie IBM, Google oder Intel Bescheid. Damit war gutes Geld zu machen: Nach Berechnung der New Yorker Staatsanwaltschaft hat Rajaratnam insgesamt 63,8 Millionen Dollar erschwindelt.

"Wir werden diejenigen bestrafen, die glauben, nicht erwischt zu werden"

46 Männer und Frauen stehen unter Verdacht, Komplizen gewesen zu sein; 34 davon sind mittlerweile verurteilt. Rajaratnam selbst leugnete seine Schuld bis zuletzt. Er sagte, er habe sich die Informationen auf legalem Wege beschafft. Die Ermittlungen zu dem Insiderhandel dauerten mindestens sechs Jahre. Bislang tat sich die Justiz bei komplizierten Finanzdelikten schwer, den Verantwortlichen ihre Taten nachzuweisen. Von den Bankchefs, die die Finanzkrise mitverschuldeten, laufen alle noch frei herum. Im Fall Rajaratnam setzte die Staatsanwaltschaft nun Methoden ein, die sie sonst eher für die organisierte Kriminalität benutzt: Tonbandaufnahmen.

Ermittler hatten Verdacht geschöpft und Rajaratnams Telefon angezapft. Vor Gericht spielten diese Mitschnitte eine zentrale Rolle. Auf den Bändern war zu hören, wie Rajaratnam mit seinen Kontaktleuten spricht und sich streng vertrauliche Firmeninterna beschafft, etwa die neuesten Geschäftszahlen oder Übernahmepläne. Ende 2009 ließen die Ermittler Rajaratnam dann hochgehen, seit März stand er vor Gericht.

"Die Botschaft des heutigen Tages ist klar: Es gibt Regeln und Gesetze, und die gelten für jedermann", triumphierte Staatsanwalt Bharara am Mittwoch in Downtown Manhattan, nur wenige Schritte vom legendären Finanzbezirk entfernt. Insidergeschäfte schadeten dem ehrlichen Anleger, sagte Bharara und drohte: "Wir werden diejenigen verfolgen und bestrafen, die glauben, über dem Gesetz zu stehen und zu schlau zu sein, um erwischt zu werden."

lg/dpa/rtr
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