Ausschüttung Porsche hebt Dividende um 400 Prozent an

Im Zusammenhang mit der gescheiterten Volkswagen-Übernahme waren bei Porsche die Vorzugsaktionäre und die Stammaktionäre aneinandergeraten. Jetzt werden die Wogen geglättet: Die Vorzugsaktionäre erhalten eine stark gesteigerte Dividende - die großen Stammaktionäre verzichten darauf.
Boxster mit Elektromotor aus dem Hause Porsche: Der Autobauer hat seine Gewinnausschüttung stark angehoben

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Stuttgart - Porsche  hat ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Fusion mit Volkswagen  aus dem Weg geräumt. Die Milliardärsfamilien Porsche und Piech und das Emirat Katar als Stammaktionäre der Porsche Holding verzichten auf ihre Dividende für das Rumpfgeschäftsjahr 2010 - und beenden damit einen Streit mit einer Gruppe von Kleinaktionären, wie ein Sprecher am Freitag erläuterte. Die auf 80 Millionen Euro erhöhte Ausschüttung fließt ausschließlich den Vorzugsaktionären zu. Der im November 2009 mit mehreren Banken geschlossene Kreditvertrag für das verschuldete Stuttgarter Unternehmen hatte lediglich eine Ausschüttung von 33 Millionen Euro vorgesehen.

Zum Hintergrund: Der Schritt der Familien Porsche und Piëch ist ein Novum, da die Nachfahren des Autopioniers Ferdinand Porsche erstmals seit vielen Jahren auf eine Dividende verzichten. Auch langjährige Beobachter des Stuttgarter Unternehmens können sich nicht an einen vergleichbaren Fall erinnern.

Porsche hatte auf dem Weg zur Integration in den VW-Konzern von August bis Dezember 2010 eine Rumpfgeschäftsjahr eingelegt, um zum gleichen Bilanzstichtag wie die Wolfsburger zu kommen. Die Vorzugsaktionäre sollen für dieses Rumpfgeschäftsjahr pro Aktie nun 0,50 Euro erhalten. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 waren es 0,10 Euro pro Aktie.

Stolpersteine bleiben

Für die höhere Dividende hätten die Banken angesichts der Fortschritte bei der Entschuldung durch die jüngst abgeschlossene Kapitalerhöhung und der guten Geschäftsaussichten von Porsche grünes Licht gegeben, sagte der Sprecher. Im Gegenzug hätten der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger, die DekaBank sowie der norwegische Pensionsfonds Norges Bank ihre Anträge auf Prüfung der millionenschweren Abfindungen an den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter zurückgenommen.

Die beiden Manager hatten das Unternehmen nach dem gescheiterten Übernahmeversuch bei VW verlassen müssen. Beide Manager waren Mitte 2009 nach dem verlorenen VW-Übernahmepoker mit zusammen 62,5 Millionen Euro abgefunden worden.

Porsche hatte versucht, Volkswagen mit riskanten Finanztransaktionen zu übernehmen, sich dabei aber verspekuliert. Der Sportwagenbauer drohte unter der aufgetürmten Schuldenlast zusammenzubrechen und VW konnte den Spieß umdrehen. Mit dem Wolfsburger Konzern - dem Familienmitglied Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef vorsteht - einigten sich die Porsche-Eigentümerfamilien auf eine Verschmelzung der Porsche Holding mit dem Wolfsburger Konzern möglichst bis Ende 2011. Als Alternative dazu wurde eine komplexe Optionsstruktur beschlossen, um ab Ende 2012 die restlichen Anteile am Porsche Fahrzeuggeschäft auf VW übertragen zu können.

Mögliche Stolpersteine für eine Fusion sind mehrere Klagen von Fondsinvestoren in den USA wegen angeblicher Marktspekulationen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Übernahmeversuch von VW. Auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang gegen das ehemalige Porsche-Management.

Die Einigung mit den Kleinaktionären erhöht zwar nicht die Wahrscheinlichkeit einer Fusion, Porsche ist aber eine weitere Belastung los, die Managementkapazitäten bindet. VW-Chef Martin Winterkorn und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch führen in Personalunion auch die Porsche Holding. Volkswagen will in den nächsten Jahren Weltmarktführer Toyota vom Thron stoßen und hat derzeit alle Hände voll damit zu tun, die Produktion hochzufahren und neue Modelle auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig zimmert der Konzern an einem Bündnis aus seiner schwedischen Lkw-Tochter Scania  und dem Münchener MAN-Konzern .

cr/rtr/dpa-afx
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