Infineon Trotz Dax-Kandidatur kräftig ins Minus gerutscht

Der Siemens-Ableger hat es fast geschafft. Er soll Mitte Juni für Viag in den Dax aufrücken. Analysten erwarten nun einen weiteren Kursschub. Die Anleger sahen das anders und nahmen Gewinne mit.

Frankfurt am Main - Die Aktien des Halbleiter-Herstellers (623 100) profitierten am Mittwoch entgegen Händlererwartungen nicht dauerhaft von der bevorstehenden Aufnahme in den Dax. Nach einem Plus von rund 2,5 Prozent im frühen Handel verlor der Titel bis gegen 16 Uhr knapp fünf Prozent auf 70,40 Euro.

Der Aufstieg von Infineon in die erste Börsenliga war von Analysten bereits erwartet worden. Deshalb sei die anfängliche positive Reaktion der Anleger auf die Bekanntgabe der Deutschen Börse schnell in Gewinnmitnahmen umgeschlagen, hieß es. Dennoch könne der Kurs noch weitere Impulse erhalten, weil vor allem die Aktienfonds, die sich mit ihrem Portfolio an der Dax-Zusammensetzung orientierten, Infineon-Aktien zukaufen müssten. Für den Titel sehen Branchenkenner daher ein Kurspotenzial zwischen 80 und 100 Euro.

Zuvor hatte die Deutsche Börse bekanntgegeben, dass Infineon den Platz im Dax ausfüllen soll, der durch die Fusion zwischen Veba und Viag frei werden wird. Dieser Beschluss steht allerdings unter der Vorausseztung, dass as geplante Zusammengehen der beiden Energiekonzerne von der EU-Kommission genehmigt wird.

Damit würde der Siemens-Ableger bereits wenige Wochen nach seinem Börsengang in das wichtigste deutsche Kursbarometer vorrücken. Vorläufige Entwarnung gibt es damit für KarstadtQuelle, die im Vorfeld als Platzmacher für Infineon diskutiert wurden.

Die Deutsche Börse fällte den Infineon-Entschluss im Rahmen ihrer Sitzung mit dem "Arbeitskreis Aktienindizes", der eigentlich nur den Kleinwerte-Index S-Dax überprüfen sollte. Aufgrund des wahrscheinlichen Abschlusses der Fusion von Veba und Viag im Juni wurde nun jedoch wie üblich per Vorratsbeschluss ein Nachrücker für den absehbar frei werdenen Platz im Dax benannt.

Der Austausch von Veba/Viag gegen Infineon werde zum Verfallstag und Verkettungstermin am 16. Juni wirksam. Allerdings müsse die Kommission der Europäischen Union (EU) das Zusammengehen der beiden Energie- und Industriekonzerne am 7. Juni noch genehmigen.

Grundlage für eine Teilnahme am Dax sind der Börsenumsatz und die Marktkapitalisierung einer Firma. Wenn eine Gesellschaft in diesen beiden Punkten jeweils zu den 25 größten ("25/25-Regel") Unternehmen gehört, kann sie den Börsenbestimmungen zufolge in die erste deutsche Börsenliga aufsteigen. Weitere Bedingung für eine Aufnahme in den Dax ist, dass die Firma zu mindestens 15 Prozent im Streubesitz liegen muss und zu nicht mehr als 75 Prozent einer anderen Dax-Gesellschaft gehört.

Infineon erfüllt diese Kriterien. Auf der per Ende April gültigen und damit entscheidenen Börsen-Rangliste liegt der Chip-Produzent mit einem Börsenumsatz von knapp 25,7 Milliarden Euro und einer Marktkapitalisierung von rund 46,9 Milliarden Euro jeweils auf Platz sieben. Siemens hält an Infineon noch 71 Prozent, womit auch die Eigentumskriterien erfüllt sind.

Ganz am Ende der Auflistung liegen Degussa-Hüls und KarstadtQuelle mit den Plätzen 31/33 beziehungsweise 30/47. Somit hätte Infineon auch für einen dieser beiden Werte in den Dax gewählt werden, ohne dass ein Nachrücker für Veba-Viag ernannt worden wäre.