Dienstag, 25. Juni 2019

Rekord Goldpreis erstmals über 1500 Dollar

Begehrtes Edelmetall: Auch Termingeschäfte treiben den Preis hoch, daher besteht die Gefahr, dass der Preis schnell wieder fällt

Nach der Warnung von S&P an die USA und den Spekulationen über einen Schuldenschnitt in Griechenland ist die Verunsicherung an den Märkten groß. Anleger flüchten mehr denn je in das als sicher geltende Edelmetall Gold und treiben den Preis erstmals über die Marke von 1500 Dollar je Feinunze.

London - In der Nacht zum Mittwoch erreichte der Preis für die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold zeitweise ein Rekordhoch von 1500,16 Dollar. Umgerechnet sind das rund 33,50 Euro pro Gramm. Seit Beginn des Jahres ist der Goldpreis damit um mehr als 6 Prozent gestiegen. Zeitgleich sprang auch der Preis für Silber massiv nach oben und erreichte am Morgen in der Spitze 44,34 Dollar, das ist immerhin der höchste Wert seit 1980.

Die Zweifel der Ratingagentur Standard & Poor's an der Bonität der USA sind aber nur das letzte Glied einer ganzen Kette von Ereignissen, die den Grad der Verunsicherung bei den Anlegern immer weiter erhöht haben und sie im Rekordtempo in die als sicher geltenden Edelmetalle trieben. Bereits seit Wochen sorgt die Schuldenkrise in der Euro-Zone für immer neue Negativschlagzeilen. Zumindest bei den Investoren hat sich mittlerweile die Einsicht verfestigt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es zu einem Schuldenschnitt in Griechenland kommt. Daneben kämpfen auch die Regierungen von Portugal und Irland mit immer neuen Sparprogrammen gegen die drohende Staatspleite.

Darüber hinaus ist auch die Inflationsgefahr zurückgekehrt. Die Sorge vor einer schleichenden Geldentwertung lässt Gold und Silber in den Augen vieler Investoren als einen "sicheren Hafen" erscheinen. Während die deutschen Verbraucher bereits über Teuerungsraten von derzeit knapp über 2 Prozent klagen, sehen sich die Menschen in den Boomregionen Asiens schon mit Inflationsraten von 5,4 Prozent in China oder 8,9 Prozent in Indien konfrontiert.

Goldpreis bleibt trotz Spekulanten hoch

Keine Frage: Derzeit sorgt die Furcht der Anleger vor den Folgen der Schuldenkrise, einer schleichenden Geldentwertung und der schwache Dollar für immer neue Rekordpreise bei Gold und Silber. Allerdings sei zu beobachten, dass der jüngste Höhenflug der Preise vor allem durch Termingeschäfte angetrieben werde, sagte der Experte Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg. Dagegen hätten Käufe von Goldzertifikaten und Goldfonds oder auch die Nachfrage nach Goldmünzen sowie Goldbarren zuletzt kaum zugenommen. Daher bestehe die Gefahr, dass spekulative Anleger aus den Edelmetallen auch schnell wieder aussteigen und so die Preise zeitweise auch wieder kräftig nach unten drücken könnten.

Längerfristig aber gibt es nach wie vor genug Gründe, die für hohe Edelmetallpreise sprechen. Laut dem kürzlich veröffentlichten und stark beachteten Bericht "World Gold Survey" ist beispielsweise die weltweite Nachfrage nach Gold zuletzt drei Jahre in Folge gestiegen. Zudem dürften nach Einschätzung der Commerzbank auch die führenden Notenbanken künftig wieder verstärkt als Käufer an den Goldmärkten in Erscheinung treten.

Und schließlich ist mit dem Anziehen der Weltwirtschaft auch die Schmuckindustrie wieder in Schwung gekommen und sorgt für ordentlich Nachfrage. Nach Einschätzung der allermeisten Experten dürfte daher bei den Preisen für Gold und Silber eines klar zu sein: Sie werden auf absehbare Zeit hoch bleiben.

Rohstoffexperte Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg sieht den Goldpreis bei knapp über 1500 Dollar zum Jahresende. Die Kollegen von der Commerzbank sind aktuell etwas optimistischer gestimmt. Sie sehen den Goldpreis zum Jahresende bei 1600 Dollar. Damit nähern sie sich der Einschätzung der Experten von Goldman Sachs an. Die hatten bereits zu Beginn des Jahres Goldpreise bei der Marke von knapp unter 1700 Dollar in Aussicht gestellt.

Jürgen Krämer, dpa-AFX

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