Freitag, 28. Februar 2020

Schiffsbeteiligungen Beluga-Pleite bringt Fondsanleger in Not

Gegenwind für Anleger: Die Pleite der Bremer Beluga-Reederei wirkt sich auch auf die Ergebnisse zahlreicher Schiffsfonds aus (im Bild: die "Beluga Nomination", die Anfang Januar von Piraten entführt worden war und inzwischen wieder freigegeben wurde)

2. Teil: Optimismus klingt anders

"Die aktuellen Charterraten der neu vercharterten Mehrzweck- und Schwergutschiffe entsprechen zwar nicht der ursprünglichen Charter, bewegen sich aber auf Marktniveau und sind auskömmlich", lautet dazu das Statement des Unternehmens. Um Kosten- und Beschäftigungsrisiken zu mindern und die Einnahmen der Schiffe zu verstetigen, sei zudem ein Poolkonzept geplant, über das die Anleger gerade abstimmten. "Zu den zukünftigen Ausschüttungen der Schiffsfonds können wir derzeit noch keine Aussage treffen", stellt der HCI-Sprecher fest.

Echter Optimismus klingt wohl anders. Den verströmt auch nicht Rechtsanwalt Peter Hahn, der sich auf Anlegerecht spezialisiert hat und bereits einige Investoren aus Beluga-Fonds vertritt. ""Die betroffenen Anleger müssen mit deutlichen Verlusten rechnen", glaubt er. Die Ausschüttungen für die restliche Laufzeit der Fonds seien in der Regel ernsthaft in Gefahr.

Die Krux: Auch wer die Notbremse ziehen und seine Einbußen auf juristischem Wege wettmachen will, hat laut Hahn wenig Aussichten auf Erfolg. "Die Ansprüche wegen etwaiger Prospektfehler sind meist verjährt, weil viele Schiffsfondsemittenten die entsprechende Frist systematisch umgehen", sagt er. "Sie halten den fertigen Verkaufsprospekt vor dem Vertriebsstart einfach die entscheidenden sechs Monate zurück."

Aussichtsreich ist es nach Ansicht des Juristen lediglich, wenn eine Bank den Fonds vermittelt hat, denn dann könne vor Gericht meist auf die so genannte Kick-Back-Rechtssprechung abgestellt werden. Der Hintergrund: Anders als freie Finanzberater sind Banken laut BGH-Rechtssprechung verpflichtet, ihre Kunden über die Vergütung zu informieren, die sie für den Verkauf von Fondsanteilen erhalten - und zwar unaufgefordert. Bei vielen Instituten gehörte das in der Vergangenheit jedoch nicht zu den obligatorischen Bestandteilen eines Beratungsgesprächs. Unabhängige Anlageberater trifft diese strenge Regelung nicht. Sie dürfen auf Nachfrage lediglich nicht die Unwahrheit sagen.

Ansonsten bleibt nach Einschätzung Hahns vor allem die Hoffnung auf einen Vergleich mit dem Berater. "Manche Banken und Sparkassen sind bei Fällen eindeutiger Falschberatung bereit, sich außergerichtlich zu einigen". sagt er. Für freie Finanzberater trifft das allerdings wohl deutlich seltener zu.

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