Ölpreisanstieg "Eher ein Problem des Westens"

Die Unruhen in der arabischen Welt treiben den Ölpreis weiter auf mehr als 120 Dollar je Barrel. Der Preissprung befeuert die Angst vor der Inflation. Doch was passiert in den Emerging Markets? Ein Gespräch mit Roy Scheepe von ING Investment Management.
Von Arne Gottschalck
Ölförderung: Was geschieht, wenn Libyen den Ölhahn weiter zudreht?

Ölförderung: Was geschieht, wenn Libyen den Ölhahn weiter zudreht?

Foto: BEAWIHARTA/ REUTERS

mm: Herr Scheepe, Öl wird teurer und teurer. Der Europäischen Zentralbank liefert das eine willkommene Argumentationshilfe, die Zinsen anzuheben - schließlich wird so die Inflation bekämpft. Aber wie sieht es in den asiatischen Emerging Markets aus?

Scheepe: Dort ist der Ölpreis nicht das größte Problem für die Volkswirtschaften.

mm: Aber wenn der Ölpreis kräftig steigt, belastet das doch auch die Unternehmen in eben jenen Märkten.

Scheepe: Das stimmt schon. Aber höhere Ölpreise treffen den Westen, die entwickelten Länder, deutlich härter als die Emerging Markets. Denn in den etablierten Volkswirtschaften schlagen Energiepreisänderungen deutlich stärker auf die Inflationsraten durch.

mm: Inflation ist also ein Thema, dass die asiatische Region nicht berührt?

Scheepe: Oh, doch. Aber die Inflation der Nahrungsmittelsmittelpreise ist von erheblich größere Bedeutung dort. Höhere Preise für Reis beispielsweise, der in Asien noch immer Nahrungsmittel Nummer eins ist. Denn die Ausgaben dafür beanspruchen in den größten der asiatischen Regionen, Hongkong und Japan einmal ausgenommen, rund 30 bis 40 Prozent der dort verfügbaren Einkommen.

mm: Aber es heißt doch immer, die Emerging Markts seien wirtschaftlich stabiler geworden.

Scheepe: Das sind sie auf jeden Fall. Schauen Sie einfach die Verschuldung der asiatischen Länder an, am besten im Vergleich zu Portugal oder Irland. Da stehen die erstgenannten besser da. Allerdings - in einigen Ländern wie China ist die Inflation hoch, zum Beispiel auch durch Zweitrundeneffekte.

mm: Ziehen Sie daraus Konsequenzen für Ihre Anlagestrategie?

Scheepe: Wir sind aktuell etwas vorsichtig, Anleihen der Region in lokaler Währung zu kaufen, da der Kampf gegen die Inflation auch über die lokalen Währungen erfolgen kann. Doch wir sind sicher, dass die Regierungen Erfolg haben im Kampf dagegen. Bereits jetzt verlangsamt sich das Tempo der Geldentwertung.

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