Sonntag, 25. August 2019

Betrugsvorwurf Anklage gegen Dubai-Fonds-Initiatoren

Unter strahlendem Himmel: Deutsche Anleger erlebten mit ihren Investments in Dubai nicht viele schöne Tage

Vor Monaten bekam der Gütersloher Fondsemittent ACI, deutscher Marktführer für Dubai-Immobilienfonds, Besuch von der Staatsanwaltschaft. Offenbar wurden die Beamten fündig: Jetzt erheben sie Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs gegen die beiden Köpfe des Unternehmens.

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt Anklage gegen die beiden Köpfe des Gütersloher Fondsemissionshauses Alternative Capital Invest (ACI), Uwe und Robin L.. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann der Onlineausgabe des manager magazins. Nach Angaben Pollmanns wird Vater und Sohn L. Kapitalanlagebetrug in drei Fällen vorgeworfen.

Die Vorwürfe hängen zusammen mit der Erstellung der Verkaufsprospekte für die die Immobilienfonds III, IV und V aus dem Hause ACI, die allesamt in Objekte im Emirat Dubai investiert haben. Laut Oberstaatsanwalt Pollmann wurden bei der Prospektierung der Fonds Tatsachen verschwiegen, die für die Anleger von großer Bedeutung gewesen wären. Dabei gehe es um Informationen über Vertriebsprovisionen, Werbekosten und Gebühren für Markenrechte, so der Oberstaatsanwalt. Die Beschuldigten waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Zum Hintergrund: ACI gilt hierzulande als größter Anbieter von Kapitalanlagen mit Investitionsziel Dubai. Mehr als 8000 Anleger haben bislang mehr als 200 Millionen Euro in Fonds des Unternehmens investiert. Projekte mit einem Volumen von mehr als 600 Millionen Euro sollten mit dem Geld realisiert werden. Allein in den Fonds ACI III zahlten Anleger etwa 19,2 Millionen Euro Eigenkapital ein. Beim Fonds IV waren es 18,4 Millionen und beim Fonds V 18,5 Millionen.

Besonderes Markenzeichen von ACI war während der aktiven Vertriebsphase vor einigen Jahren das sogenannte Tower-Branding, bei dem Prominente wie Michael Schumacher, Boris Becker und Niki Lauda den Projekten des Unternehmens ihren Namen liehen.

Seit die Finanzkrise den Boom in Dubai vorerst beendet hat, lief aber auch bei ACI nicht mehr viel rund. 2009 platzte der Verkauf mehrerer Immobilien aus vier Fonds des Unternehmens. Der Deal sollte den Anlegern Rückflüsse in Höhe von mehr als 120 Millionen Euro bringen.

Einen Verdacht gegen ACI gibt es zudem schon länger. Mitte 2010 wurde bei einer Razzia der Bielefelder Staatsanwaltschaft in Geschäfts- und Privaträumen des Unternehmens und der Verantwortlichen umfangreiches Material sichergestellt.

Angesichts der jetzt erhobenen Betrugsvorwürfe drohen den beiden Köpfen des Emissionshauses Freiheitsstrafen von mehr als drei Jahren oder Geldbußen. Laut Oberstaatsanwalt Pollmann ist es dabei unerheblich, ob den Anlegern durch den vorgeworfenen Betrug tatsächlich ein Schaden entstanden ist.

Der ist allerdings ohnehin bereits entstanden: Die Fonds ACI III, IV und V sind bereits seit September 2010 insolvent, ebenso wie auch der Fonds ACI II.

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