Siemens Töchter an die Börse

Der Elektronik-Konzern plant den Börsengang der Passiv-Bauelemente für 1999.

München - Im Rahmen seiner Umstrukturierung will der Siemens-Konzern das Geschäft mit passiven Elektronik-Bauelementen schon im zweiten Halbjahr 1999 an die Börse bringen. Der wesentliche Teil des Bereichs soll dazu ins bestehende Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Matsushita-Konzern eingebracht werden. Zukäufe seien möglich, sagte der zuständige Bereichsvorstand der Siemens AG, Klaus Ziegler, am Mittwoch auf der Fachmesse electronica in München. "Wenn mal ein Frachter vorbeifährt, und wir ihn entern können, dann werden wir das tun."

Für das laufende Geschäftsjahr 1998/99 (30. September) erwartet der Bereich Passive Bauelemente und Röhren (PR) einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf rund 2,9 Milliarden Mark. Der Ertrag vor Steuern werde aber um drei Prozent auf 280 Millionen Mark schmelzen, sagte Ziegler. Eine Trennung von einzelnen Aktivitäten - wie Vacuumschmelze (Hanau) und Röhrengeschäft - vor dem Börsengang sei noch offen. Das neue Unternehmen soll mit rund 2,8 Milliarden Mark Umsatzvolumen an den Start gehen. "Wir wollen wachsen und zwar überdurchschnittlich."

In diesem Jahr will der Bereich PR die Zahl seiner Mitarbeiter um fünf Prozent auf mehr als 10.000 steigern. Der Zuwachs entfalle vor allem auf das Ausland, sagte Ziegler. Zu möglichem Stellenabbau durch den Börsengang wollte er sich nicht konkret äußern: "Das eine hat mit dem anderen im Grunde nichts zu tun."

Sowohl Siemens als auch Matsushita blieben auch nach dem Börsengang große Anteilseigner, betonte Ziegler. "Mein Wunsch wäre, daß wir anfangs gemeinsam noch die Mehrheit von 50 Prozent plus haben." Später sei eine Reduzierung denkbar. Mit einer Kapitalerhöhung sei zu rechnen. Parallel zum Börsengang in Deutschland werde für das neue Unternehmen um eine Notierung in den USA am Nasdaq-Markt angestrebt.

Auf das heutige 50:50-Gemeinschaftsunternehmen Siemens Matsushita Components entfallen 65 Prozent des Umsatzes im Bereich PR. Ziegler äußerte sich zuversichtlich, daß Matsushita die Börsenpläne mittragen werde. Der gesamte PR-Bereich umfaßt über 50.000 Schlüsselkomponenten der Elektronik wie Kondensatoren, keramische Bauelemente und Röhren.

Für 1997/98 hatte der Bereich Rekordzahlen vorgelegt mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden Mark (plus 14 Prozent) und einem Ergebnis vor Steuern von 290 Millionen Mark (plus elf Prozent). Knapp zwei Drittel des Umsatzes wurden im Ausland erzielt. Der Auftragseingang wuchs um elf Prozent auf 2,7 Milliarden Mark, berichtete Ziegler. "Wir sind von der Asienkrise bis jetzt fast nicht betroffen."

Der Siemens-Konzern trennt sich beim geplanten Komplett-Ausstieg aus dem Bauelemente-Geschäft insgesamt von Unternehmensteilen mit 60.000 Mitarbeitern und 17 Milliarden Umsatz. An die Börse kommen soll auch der Halbleiter-Bereich, zuletzt Rekordverlustbringer. Der Siemens-Konzern hat derzeit weltweit noch rund 400.000 Mitarbeiter.

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