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Besteck, Barren, Schmuck, Zertifikate: Wieviel Silber besitzen die Deutschen?

Foto: Jürgen Pander

Edelmetallhausse Silberrausch an der Börse

Silber hat in den vergangenen Monate deutlich an Wert gewonnen, sogar mehr als Gold. Die hohe Nachfrage nach Handys, PCs oder Laptops dürfte den Bedarf  hoch halten, schätzen Experten. Das wäre gut für die Deutschen - denn sie besitzen mehr Silber als sie ahnen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Silber gilt als der kleine Bruder von Gold. Wenn das so ist, dann hat der kleine den großen Bruder im vergangenen Jahr nachdrücklich aus der Sandkiste verdrängt. Denn seit Anfang 2010 hat Silber  rund 83 Prozent an Wert gewonnen, Gold dagegen "nur" 30 Prozent. Und Silber könnte seinen Vorsprung halten, meinen Experten.

"Während die Bundesregierung theoretisch die Möglichkeit hat, den privaten Goldbesitz zu untersagen, um einen sehr starken Preisanstieg zu mildern, ist ein Silberverbot in Deutschland unmöglich", sagt zum Beispiel Holger Schmitz von der Vermögensverwaltung Schmitz & Partner. "Denn das silberne Industriemetall wird als elektrischer Leiter in nahezu jedem Auto, Kühlschrank oder Computer verbaut. Und der Besitz von diesen Gegenständen kann keinesfalls verboten werden."

In der Tat benötigt schon ein einziges Handy 250 Milligramm Silber, schreibt das Analysehaus GFMS in seiner Silberstudie. Bei einem PC oder Laptop ist es schon ein Gramm. Und unter anderem die Nachfrage nach solchen Gütern würde auch den Silberpreis weiter vorantreiben.

Dazu, so das Institut, komme noch die steigende Investmentnachfrage. Allein 2009 flossen Silber-Exchange-Traded-Commodities (ETCs) Gelder im Wert von 3,2 Milliarden Dollar zu. Bei Gold waren es 15,3 Milliarden. Das beobachtet man auch bei ETFsecurities, einem Haus, das eben jene ETC anbietet: "Wenn die europäischen Schuldenkrisen virulent bleiben und die politischen Risiken - besonders im Nahen Osten - wachsen, dürften 'sichere-Hafen-Anlagen' wie Silber weiterhin stark nachgefragt werden", sagt Nicholas Brooks, Chefstratege des Hauses. Die Geldzuflüsse im ersten Quartal scheinen seine These zu belegen; sie stiegen nach Brooks Angaben auf 885 Millionen Dollar an.

Max Schott beurteilt die Aussichten ähnlich. "Der kleine Bruder des Goldes hat zu Unrecht oft den Ruf, der Goldersatz der Armen zu sein", sagt der Fondsmanager und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Sand/Schott. "Auch wenn Silber in physischer Form und als ETFs als Alternative zu einer Goldanlage jüngst beliebter wird, sind viele große Investmentgesellschaften und professionelle Anleger noch kaum aktiv." Sollten diese an den Markt kommen und als Käufer auftreten, dann sei aufgrund der begrenzten Silberreserven "signifikantes Kurspotential" vorhanden.

Silber ist recht teuer geworden - immense Schwankungen möglich

Dabei ist Silber inzwischen recht teuer geworden, erst recht im Verhältnis zu Gold. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt derweil bei 48 - der langfristige Schnitt pendelt um 70. Allerdings gab es Phasen, hebt die Commerzbank in einer aktuellen Studie hervor, in denen Silber im Vergleich zu Gold noch teurer war als zurzeit. Es bestünde also noch Luft nach oben. Luft, die eine andere Entwicklung noch dünner machen könnte.

"Die US-Aufsichtsbehörde für die Terminmärkte CFTC hat vor kurzem abermals Untersuchungen hinsichtlich möglicher Silberpreismanipulationen seitens einiger Großbanken angekündigt", schreibt die Commerzbank. "Es hat betrügerische Versuche gegeben, den Preis zu bewegen und auf unaufrichtige Weise zu kontrollieren", sagt Bart Chilton, Chef der CFTS. "Jeglicher Verstoß gegen die Gesetze in dieser Hinsicht sollte verfolgt werden."

Kein Wunder, wenn professionelle Investoren wie Schott zwar zu Silber raten, doch gleichzeitig zur Vorsicht. "Silber empfiehlt sich nur für risikobereite Anleger. Von dem letzten Höchststand 1980 ging es erst einmal um 84 Prozent abwärts und es dauerte bis 2010, also 21 Jahre, bis dieser Stand wieder erreicht wurde."

Doch noch überwiegt der Optimismus am Markt. Und das ist gut für die Deutschen - denn sie besitzen bereits 29.000 Tonnen Silber, wie eine aktuelle Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin belegt. Das entspricht aktuell einem Wert von 34 Milliarden Euro. Rein rechnerisch hat sich dieser Wert des deutschen Silberbesitzes damit 2010 um 15 Milliarden Euro erhöht - weil der Wert des Silbers in diesem Zeitraum um fast 100 Prozent gestiegen ist.

Die deutschen Profiteure

Damit besitzt jeder Deutsche, statistisch gesehen, für 494 Euro Silber. Davon entfallen 99 Euro auf physische Anlagen wie Barren oder Münzen. 93 Euro stecken in Tafelsilber, 82 Euro liegen in der Schmuckschatulle - und 220 Euro in Wertpapieren wie ETCs. Freilich, das sind nur statistische Werte, wie auch die Studie einräumt. Denn der "Anteil der Silberbesitzer in den verschiedenen Einkommens- beziehungsweise Vermögensklassen als auch der Wert dieser Anlagen wächst mit steigendem Vermögen signifikant" schreibt Studien-Initiator Jens Kleine, Professor am Researchcenter for Financial Services der Hochschule. Das gilt insbesondere für den Sektor Wertpapiere.

Darin können sich Aktien wie Fresnillo oder Silver Wheaton finden, aber auch Exchange Traded Commodities (ETCs), die einen bestimmten Rohstoffsektor abbilden - in diesem Fall eben Silber. "Während Personen mit einem Anlagevermögen von weniger als 25.000 Euro silberbezogene Wertpapieranlagen im Wert von nur durchschnittlich 50 Euro besitzen, haben diejenigen mit einem Vermögen von mehr als 150.000 Euro, mit durchschnittlich 1.800 Euro, 36-mal mehr in silberbezogene Wertpapiere investiert." Und stimmen die Vorhersagen der Experten, liegen goldene Zeiten vor jenen Silbereignern.

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