Windkraft Kapitalerhöhung belastet Nordex

Der Regierungswechsel in Baden-Württemberg hatte Anbietern von erneuerbaren Energien kurzfristig satte Gewinne beschert, nun kündigt der Windkraftanlagenbauer Nordex eine Kapitalerhöhung an. Der Kurs der Nordex-Aktie rutscht um knapp 8 Prozent ab.
Windkraftanlage von Nordex: Kapitalspritze für Forschung und Entwicklung - zum Ärger der kurzfristig orientierten Anleger

Windkraftanlage von Nordex: Kapitalspritze für Forschung und Entwicklung - zum Ärger der kurzfristig orientierten Anleger

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Frankfurt am Main - Gegen 11.05 Uhr büßten die Titel des Windkraftanlagenbauers Nordex  knapp 8 Prozent auf 8,628 Euro ein. Der Technologiewerte-Index sank zeitgleich um 0,64 Prozent auf 915,12 Punkte.

Nordex besorgt sich durch die Ausgabe von 6,68 Millionen neuen Inhaber-Aktien Geld für Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die neuen Aktien sollen institutionellen Anlegern auf dem Wege eines beschleunigten Platzierungsverfahrens angeboten werden, hieß es vom Unternehmen.

Der Platzierungspreis werde voraussichtlich an diesem Dienstag festgelegt, und die Einbeziehung der neuen Nordex-Papiere in die bestehende Notierung sei für den 31. März vorgesehen. Laut Händlern dürften die Papiere zu 8,40 Euro platziert worden sein.

Die Ankeraktionäre Ventus Venture Fund (SKion) und momentum-capital Vermögensverwaltungsgesellschaft (momentum) unterstützten laut Nordex die überraschend angekündigte Kapitalmaßnahme und wollen ihren Anteil durch Zeichnung stabil halten.

Nordex sind als Anbieter Erneuerbarer Energien nach der Nuklearkatastrophe in Japan und dem Wahlausgang in Baden-Württemberg derzeit besonders gefragt. Der Börsianer verwies zudem darauf, dass Kapitalerhöhungen bei anderen Unternehmen deren Aktien zuletzt enorm beflügelt haben. So hatten etwa vor dem Wochenende die Titel des Werkzeugmaschinenbauers Gildemeister Details zu einer Kapitalerhöhung mit einem Kurssprung honoriert.

Analyst: Ehrgeizige Bewertung der Aktie

Ein Analyst bewertet die Maßnahme positiv für Nordex, da das Unternehmen dadurch seine Finanzstruktur verbessere. Auch der Zeitpunkt sei angesichts der allgemeinen Euphorie für Erneuerbare Energien nach der Atomkatastrophe in Japan günstig gewählt. Die Investoren dürften allerdings kurzfristig keinen Nutzen aus der Kapitalerhöhung ziehen, da die Mittel in Forschung und Entwicklung investiert würden.

Zudem sei die Bewertung mit einem 20-prozentigen Aufschlag gegenüber dem Sektor und vor dem Hintergund globaler Überkapazitäten nicht günstig.

Die NordLB beließ ihre Einstufung für die Aktie auf "Verkaufen" mit einem Kursziel von 5,00 Euro. Die endgültigen Geschäftszahlen des Windkraftanlagenbauers für 2010 sowie der Ausblick hätten keine Überraschungen geboten, die angekündigte Kapitalerhöhung dagegen schon, schrieb Analyst Holger Fechner. Aufgrund der unveränderten Marktunsicherheiten, der Kapitalmaßnahme und der zuletzt "geradezu explosionsartigen Kursentwicklung" bleibe er bei seiner vorsichtigen Bewertung der Aktie. Es sei abzuwarten, ob es nach dem Atomunfall in Japan zu einer weltweiten Energiewende kommen werde. Zudem sei angesichts von Überkapazitäten weiter mit einem starken Wettbewerbs- und Preisdruck zu rechnen

la/dpa-afx
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