Nach Abstufung Portugals Zinslast steigt weiter

Das hoch verschuldete Euro-Land Portugal hat sich am Kapitalmarkt eine Milliarde Euro beschafft, muss dafür aber deutlich höhere Zinsen zahlen. Kurz zuvor hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals um zwei Noten gesenkt und eine weitere Rückstufung nicht ausgeschlossen.
Wütende Bürger: In dem hoch verschuldeten Portugal herrscht hohe Arbeitslosigkeit

Wütende Bürger: In dem hoch verschuldeten Portugal herrscht hohe Arbeitslosigkeit

Foto: Reuters

Sydney/Lissabon - Moody's senkte die Bonität Portugals am Dienstagabend um zwei Stufen auf die Note A3 und bezeichnete den Ausblick als negativ. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit den erwarteten Auswirkungen der hohen Kreditkosten für das Land. Zudem werde Portugal wohl Probleme bekommen, seine scharfen Haushaltsziele zu erreichen.

An den Finanzmärkten war die Rückstufung weitgehend erwartet worden. Dennoch kam sie für Portugal höchst ungelegen. Für Mittwoch hatte das hoch verschuldete Land geplant, Staatsanleihen im Volumen von einer Milliarde Euro am Markt zu platzieren. Nun musste das Euro-Land höhere Zinsen zahlen als zuletzt. Die Durchschnittsrendite lag bei 4,331 Prozent nach zuvor 4,057 Prozent.

Die portugiesische Regierung hält die aktuellen Refinanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt für langfristig nicht tragbar. "Die derzeitigen Marktbedingungen sind auf mittlere und lange Sicht nicht auszuhalten", sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos vor einem Parlamentsausschuss in Lissabon.

Socrates wirft Opposition Blockade vor

Portugal gilt in der Schuldenkrise der Euro-Zone als Wackelkandidat. Die Finanzmärkte spekulieren, dass das Land als nächster Staat unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen muss.

Die Regierung in Lissabon hat erst am Freitag mit einer Verschärfung ihres Sparkurses um das Vertrauen der Finanzmärkte geworben. Die Opposition will dabei aber nicht mitziehen. Ministerpräsident Jose Socrates warf der Opposition vor, ihre Blockade des neuen Sparpakets könnte dafür sorgen, dass Portugal letztlich unter den Rettungsschirm schlüpfen müsse.

Die Staats- und Regierungschef der Euro-Zone haben am Wochenende vereinbart, den Euro-Rettungschirm EFSF zu vergrößern. Spanien, das an den Finanzmärkten ebenfalls als Wackelkandidat gilt, hatte davon am Dienstag profitiert und musste Anlegern für Staatspapiere weniger Zinsen zahlen als zuletzt.

mg/rtr
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