Sonntag, 25. August 2019

Geldpolitik EZB-Chef überrumpelt mit Zinssignal

Der Weg bleibt derselbe: Die EZB und ihr Chef Jean-Claude Trichet belassen den Leitzins nun seit fast zwei Jahren bei 1,0 Prozent

Die Europäische Zentralbank läutet die Zinswende ein. Schon im April könne der Leitzins steigen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Seit Mai 2009 verharrt er auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Nun treibt die steigende Inflation die EZB womöglich zur Kursänderung.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) steht ganz nah vor ihrer ersten Zinserhöhung seit 2008. "Ein Zinserhöhung bei unserer nächsten Sitzung ist möglich, aber nicht sicher", sagte EZB-Präsident Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main. Volkwirte werteten diese Aussage als klares Signal für steigende Zinsen.

Mit seiner Andeutung hat Trichet dem Euro kräftig Auftrieb gegeben. Die Gemeinschaftswährung stieg auf bis zu 1,3970 Dollar und war damit so teuer wie seit vier Monaten nicht mehr. "Wir tun, was wir tun müssen, um Preisniveaustabilität zu garantieren", betonte Trichet. Eine Serie von Zinserhöhungen stehe aber nicht bevor.

Zuvor hatte der EZB-Rat den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent belassen. Auf diesem Niveau verharrt der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld bereits seit Mai 2009.

Die Währungshüter waren zuletzt aber von den rasch ansteigenden Energie- und Rohstoffpreisen überrascht worden. Im Februar betrug die jährliche Teuerungsrate im Euroraum 2,4 Prozent - und lag damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

EZB sagt steigende Inflation voraus

Nach neuesten Prognosen der EZB werden die Preise in diesem Jahr deutlich stärker steigen als bisher angenommen. Getrieben von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen steige die Inflation im laufenden Jahr auf 2,3 Prozent (Spanne: 2,0 bis 2,6), sagte Trichet. Bei den Vorhersagen sei der jüngste Ölpreisschub noch nicht berücksichtigt. Der Wert läge damit über der Warnschwelle der EZB von 2,0 Prozent.

2012 werden die Preise nach den Berechnungen der Experten um 1,7 Prozent (1,0 bis 2,4) anziehen. Bei ihrer letzten Prognose im Dezember 2010 hatten die EZB-Experten für 2011 noch eine Teuerung von 1,8 Prozent und damit Preisstabilität vorhergesagt. Für 2012 waren damals 1,5 Prozent genannt worden. Oberstes Ziel der EZB ist die Preisstabilität, die sie bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2 Prozent gewährleistet sieht.

Die Wachstumsprognosen erhöhte die Notenbank leicht. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte demnach 2011 im Durchschnitt um 1,7 Prozent (1,3 bis 2,1 Prozent) wachsen. Im Dezember war die Notenbank noch von einem Zuwachs von 1,4 Prozent ausgegangen. Für 2012 rechnet die EZB mit einem Wachstum um 1,8 (bisher: 1,7) Prozent.

Höhere Zinsen können den Preisauftrieb bremsen, sie verteuern aber auch Kredite. Daher könnten sie Gift für die Erholung der Konjunktur sein. Dreht die EZB an der Zinsschraube, wird ein Aufschwung insbesondere in hoch verschuldeten Staaten wie Irland, Griechenland oder Portugal noch unwahrscheinlicher: Deren Wirtschaftsentwicklung wird bereits durch die öffentlichen Einsparungen schwer belastet.

Lebensmittelpreise bereiten der Uno Sorgen

Ein wesentlicher Inflationstreiber sind die steigenden Lebensmittelpreise. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) erklärte am Donnerstag in Rom, die Preise für Nahrungsmittel seien im Februar weltweit auf neue Rekordhöhen gestiegen. Demnach kletterten die Preise für Lebensmittel (außer für Zucker) im achten Monat hintereinander. Bereits zuvor hatten sie auf dem höchsten Stand seit Einführung des Preisvergleichs 1990 gelegen. Die FAO geht davon aus, dass dieser Trend bei den Lebensmittelpreisen nicht nachlässt.

Auch die Ölpreise haben seit Jahresbeginn um etwa 20 Prozent angezogen - nicht zuletzt wegen der politischen Unruhen im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere in Libyen. Befürchtet wird, dass das Chaos auf andere Öl produzierende Länder der Region überschwappen und könnten. Damit würde die Versorgung weiter erschwert.

nis/dpa/rtr

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