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Gold: Goldbugs, Nixon und der "Freak Peak"

Foto: Heraeus/ dpa

Goldhausse Goldfans blicken auf Minenaktien

Der Goldpreis notiert wieder auf Rekordniveau. Eine Hausse, die langsam unheimlich wird. Experten streiten darüber, wie lange sie noch andauert. Viele Goldinvestoren blicken derzeit auf Goldminenaktien.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - In den Bergen im Hinterland der Küstenstadt Marsa Alam liegt ein Gebiet voller Schluchten und Felsen. In diesem unwirtlichen Teil Ägyptens wird deutlich, warum Gold  derzeit immer weiter an Wert gewinnt. Denn dort sucht Centamin Egypt Limited nach Gold. In den vier Sektoren Amun, Ra, Gazelle und Pharaoh will man 1,4 Gramm Gold pro Tonne Gestein finden. Eigentlich kein schlechtes Verhältnis, doch früher gaben die Minen mehr her.

"Früher wurden im weltweiten Schnitt 1,6 Gramm pro Tonne gefunden, heute sind es 0,6", erklärt Martin Siegel, Goldexperte und Verwalter des Fonds Stabilitas Gold & Ressourcen. Das bedeutet, dass die Kosten der Goldproduktion gestiegen sind und weiter steigen werden. Denn je geringer der Goldanteil je Tonne Gestein, um so mehr Stahl zum Beispiel muss zur Sicherung der Mine verbaut werden, um so mehr Energie muss genutzt werden, um die Gesteinsmühlen zu betreiben.

Dazu kommen die steigenden Auflagen des Umweltschutzes. Die Produktion von Gold wird also immer teurer. Doch da der Weltmarktpreis stetig steigt, lohnen sich auch Vorhaben wie das bei Marsa Alam. Vor einem Überangebot, dass die Preise wieder senken könnte, haben die Investoren keine Angst. Denn der Prozess von der ersten Exploration bis hin zur Förderung dauert lange. Und "die Minen mit hohen Goldanteil im Gestein sind bereits alle entdeckt", sagt Siegel.

Trotz hoher Preise ist "das Goldangebot aus der Minenproduktion stagnierend bis leicht rückläufig", beobachtet Eckart Keil, Geschäftsführer von Premium Investments. Es bleibt als zusätzliche Quelle des Edelmetalls noch das "Scrapgold", das Brauchgold, zum Beispiel aus eingeschmolzenem Schmuck. Der Anteil dieser Goldquelle hat sich von 2009 auf 2010 um 1 Prozent auf 40 Prozent reduziert, vermeldet das World Gold Council, einer Art Weltverband der Goldproduzenten.

Doch schwerer als alle vermeintlich nüchternen Fakten dürfte die Psychologie wiegen, die Angst vor der Inflation, die Angst vor einem erneuten Einbruch der Weltwirtschaft. Gold gilt traditionell als sicherer Hafen. Wo stünde das Edelmetall ohne diese Angst? Für hartgesottene Goldaficionados vermutlich eine hypothetische Frage. Ohne die Inflationsangst würde aktuell "eher eine Deflationsangst vorhanden sein", sagt Werner Ullmann von Placer Gold International Corporation. "Damit wäre der Goldpreis unter Umständen etwas niedriger. Aber mit der akuten Bedrohung des weltweiten Finanzsystems durch eine Deflation wäre Gold auch in dieser Situation 'der' sichere Hafen", glaubt Ullmann.

Anlass zur Sorge gibt es in der Tat. Die überschuldeten Länder der Welt, die USA zum Beispiel oder einige EU-Länder auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Unruhen in Nordafrika, die sich wiederum in der Sorge um die stete Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl niederschlagen - all das lässt die Furcht vor einem wirtschaftlichen Rücksetzer steigen. Eine goldene Mauer ums Depot zu ziehen, liegt nach Ansicht vieler Investoren in solch einer Situation nahe - trotz der aktuell extrem hohen Preise.

Die vergessenen Großen

Denn der Goldmarkt ist liquide, anders als zum Beispiel der für Platin oder Palladium. "Bei fallenden Kursen der Edelmetalle kann die Differenz aus Ankauf- und Verkaufskurs, insbesondere bei weniger liquiden Edelmetallen wie Platin und Palladium, zu einer entscheidenden Größe werden und sollte bei Wahl des Investments vorab eine Rolle spielen", mahnt Sebastian Hasenack, Fondsmanager bei Rhein Asset Management. Und Gold sei vergleichsweise einfach zu verstehen, meint Siegel. "Anders als zum Beispiel Diamanten, wo ich mich mit deren Qualität auskennen muss, ist eine Unze Gold stets eine Unze Gold", so Siegel. Goldene Zeiten also dank einer düsterer Gegenwart?

So einfach ist es dann doch nicht, räumen auch die Goldexperten ein. Aktuell sei die "Gold-Rallye" überhitzt, meint zum Beispiel Hasenak, doch mittelfristig und langfristig stabil. Denn "Edelmetalle sind im Vergleich zur Papierwährung nicht beliebig reproduzierbar und bilden somit wortwörtlich als Hartwährung ein Fundament im Depot." Andere sind da noch optimistischer. Martin Mack von der Vermögensverwaltung Mack & Weise zum Beispiel: "Solange Ben Bernanke Geld druckt, sehe ich keine Gefahr für Gold", sagt er.

Vielleicht sind die Aktien jener Goldproduzenten daher eine Anlagealternative. Denn grundsätzlich verfolgen deren Kurse den des Goldes nach - doch eben nicht immer. So wunderte sich jüngst dass auch Aaron Regent gegenüber manager magazin, dass der Kurs seines Unternehmens Barrick Gold  dem des reinen Goldes so hinterherhinkt. Und vermutet, dass Exchance Traded Funds (ETF) einen Teil der Nachfrage nach Gold von Aktien wie denen seines Hauses abgesogen haben. Fondsmanager Siegel hält dann auch die großen fünf Produzenten, darunter Barrick Gold, für unterbewertet. "Die Aufmerksamkeit hatte sich lange auf die mittelgroßen Unternehmen konzentriert." Und die Großen gerieten in Vergessenheit.

Diese These wird auch durch den Vergleich des Goldpreises mit einem ganz groben Durchschnitt der Gold- und Silberproduzenten, dem XAU-Index, gestützt. Verharrt diese Gold/XAU-Ratio unter 4, dann wäre dem physischen Gold der Vorzug zu geben, so die gängige Einschätzung. Denn es wäre in diesem Zusammenhang gesehen vergleichsweise günstig. Steigt die Ratio dagegen über 5, dann war das - zumindest historisch gesehen, ein guter Zeitpunkt, die Aktien der großen Minengesellschaften zu kaufen. Derzeit liegt die Ratio bei etwas über 6.

Dennoch warnen auch die Goldexperten vor zu großer Euphorie. "Investoren, die jetzt neu in das Thema Gold investieren, sollten sich dem Thema annähern, am besten durch stufenweise Käufe. Bei entsprechenden Rückschlägen, die wahrscheinlich sehr heftig sein können, sollte man zukaufen, nicht überhastet aussteigen. Derartige heftige Rückschläge sind ein trendbestätigendes Zeichen." Vermögensverwalter Mack winkt an: "In unserem Gesamtportfolio halten wir physisch über 25 Prozent Gold und Silber." 25 Prozent - normalerweise werden 5 Prozent Beimischung empfohlen.

Die Massachusetts Mutual Life Insurance Company Group wird diese Einschätzung vermutlich gern lesen. Sie besitzt bereits jetzt über 7 Prozent der Anteile von Centamin.

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