Börse Anleger hoffen auf Neustart in Kairo

Seit mehr als einem Monat ist in Ägypten die Börse geschlossen, auch die heute geplante Öffnung wurde kurzfristig abgesagt. Anleger müssen weiter warten, wie die Kurse das Geschehene verarbeiten, inklusive des Abgangs von Husni Mubarak. Auch hierzulande dürfte das viele interessieren.
Handelssaal in Kairo: Wie wird die Börse in die Ära nach Mubarak starten?

Handelssaal in Kairo: Wie wird die Börse in die Ära nach Mubarak starten?

Foto: REUTERS

Hamburg - Die für den heutigen Dienstag geplante Wiederöffnung der Börse in Ägypten ist erneut verschoben worden. Seit mehr als einem Monat ist der Handel in Kairo ausgesetzt. Wiederholt wurde in den vergangenen Wochen die Wiederaufnahme avisiert. Als nächster Termin dafür wurde nun der 6. März festgelegt. Was passiert, sollte das Geschehen dann tatsächlich wieder starten, darauf darf man gespannt sein. Denn seit dem Stopp Ende Januar ist viel passiert.

Das wichtigste: Husni Mubarak, mehr als 30 Jahre lang Staatspräsident Ägyptens, dankte ab, als Anfang Februar der Druck der protestierenden Bevölkerung zu groß wurde. Seitdem befindet sich das Land, so scheint es, in der Selbstfindung. Noch ist nicht klar, wie die Zukunft Ägyptens aussehen wird. Der Blick auf die Börse ist daher umso spannender.

Wohin also wird es die Aktienkurse treiben? Gewinnen die Optimisten die Oberhand, die an die Chancen glauben, die aus dem gerade erfolgten Umsturz resultieren? Immerhin gingen Schätzungen vor den Unruhen noch von einem Wirtschaftswachstum von 6 Prozent im laufenden Jahr aus. Und der neue Finanzminister Samir Radwan sagte unmittelbar nach dem Aus Mubaraks, nach dem Volksaufstand müsse die Prognose wohl auf immerhin noch 4 Prozent gesenkt werden.

Fonds und Zertifikate investieren in Ägypten

Oder ist die Skepsis ob der unklaren Lage noch nicht vollends eingepreist? Schließlich wurde der Handel nicht ohne Grund ausgesetzt. Am 26. und 27. Januar, bei Ausbruch der Revolution, raste der EGX 30, Ägyptens Standardindex, um beinahe 20 Prozent in den Keller. Dann kam der Handelsstopp. Gut möglich also, dass noch nicht alle aus dem Markt aussteigen konnten, die dies Ende Januar eigentlich wollten. Gibt es noch Verkaufsdruck?

Die Antwort dürfte auch hierzulande viele Anleger interessieren. Zahlreiche Zertifikate etwa konzentrieren sich auf die Region Nordafrika oder die arabische Welt. Einige haben sogar explizit die ägyptische Börse als Benchmark. Die Deutsche Bank  etwa, Goldman Sachs  oder Morgan Stanley  gehören zu den Anbietern solcher Papiere. Deren Kunden können dem Geschehen seit Wochen nur tatenlos zusehen, denn für die Dauer der Schließung in Kairo sind auch die Ägypten-Zertifikate vom Handel ausgesetzt. Lediglich die Royal Bank of Scotland  macht eine Ausnahme. Sie begann vergangene Woche, für ihr Papier wieder Kurse zu stellen.

Hinzu kommen reihenweise Investmentfonds mit Fokus auf Afrika, Arabien oder die Emerging Markets. Auch sie haben Ägypten stets im Blick und zum Teil auch im Portfolio. Ein Beispiel: Der Deka MiddleEast and Africa. "Wir haben unsere Engagements in den politisch gefährdeten Märkten Anfang des Jahres systematisch heruntergefahren", sagt Patryk Jablonowski aus dem Fondsmanagement. "Auch Ägypten konnten wir rechtzeitig reduzieren."

Die Folge: Der Fonds verfügt nun über ein vergleichweise komfortables Cash-Polster. Und ein Teil davon soll künftig in Kairo investiert werden. "Wir erwarten zunächst noch weitere Kursrückgänge", sagt Jablonowski. "Denn nach unserer Information gibt es aus der Zeit vor der Schließung noch überhängende Verkaufsorders im Volumen von bis zu 250 Millionen Dollar, was ungefähr dem doppelten Umfang eines normalen Handelstages in Kairo entspricht."

Kaufchancen in Kairo

Fundamental jedoch, so der Experte, sei Ägypten ein reizvoller Markt. "Die Volkswirtschaft ist gesund", sagt er. "Viele Unternehmen im Bereich Industrials und Banken verfügen über sehr solide Bilanzen." Sobald der politische Ausverkauf abgeschlossen ist, rechnet Jablonowski daher wieder mit Kaufchancen.

Ähnlich klingen die Statements anderer Investmentfachleute. "Die Entwicklung mit der Bildung einer Übergangsregierung werten wir als positives Signal", sagt etwa Uwe Zimmer, Chef der Meridio Vermögensverwaltung in Köln. "Wir warten zunächst ab, welche Richtung die Börse an den ersten Tagen nach einer Öffnung einschlägt. Nach dem starken Einbruch rechnen wir jedoch langfristig mit einem Rebound und werden sicher wieder einsteigen."

Gleiches gilt für die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust (FT). "Wir hören von Brokern, dass noch viele Fonds und internationale Investoren den ägyptischen Aktienmarkt verlassen wollen", sagt Udo Schäberle, Repräsentant der FT-Mutter BHF Bank in der arabischen Region und Mitglied im Anlageaussschuss des Fonds FT Emerging Arabia. "Der Verkaufsdruck dürfte die Kurse zunächst noch einmal ins Minus drücken." Innerhalb von zwei bis drei Monaten nach der Öffnung, so Schäberle, dürfte sich die Lage jedoch geklärt haben. Dann erwartet auch er wieder Kaufchancen.

Investoren favorisieren Ölländer

Erfreuliche Aussichten also. Ungeachtet der aktuell reizvollen Bewertung des ägyptischen Marktes dürfte sich der Schwerpunkt der Investoren in der arabischen Welt jedoch auch künftig an anderer Stelle befinden. Nämlich vor allem dort, wo die großen Ölvorkommen sind.

Der Grund liegt auf der Hand: Ölförderregionen wie Saudi-Arabien oder Abu-Dhabi verfügen per se über umfangreichere Mittel, mit denen sie die Entwicklung der Wirtschaft und der Infrastruktur abseits des Öls finanzieren können. Kein Wunder also, dass solche Länder die Portfolios der Arabien-Fonds dominieren. Im FT-Produkt etwa machen die Staaten des Golf-Kooperationsrates GCC, darunter Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Kuwait, mehr als 80 Prozent aus. Das Deka-Management setzt stark auf die Vereinigten Arabischen Emirate sowie auf Katar. Und Meridio-Chef Zimmer äußert sich positiv über die wirtschaftliche Situation in Saudi-Arabien.

Selbst aus den aktuellen Wirren in der arabischen Welt könnten diese Ölförderländer noch als Gewinner hervorgehen, so der Tenor. Denn jeder Dollar , um den der Ölpreis aufgrund der allgemeinen Unsicherheit in die Höhe getrieben wird, lässt bei diesen Ländern die Staatskasse klingeln.

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