Donnerstag, 9. April 2020

Aufstand in Libyen Goldman Sachs warnt vor Ölrationierung

Gewalt in Libyen: Ölkonzerne auf der Flucht
DPA

Auf dem Ölmarkt breitet sich Panik aus. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent schoss angesichts der Aufstände in der arabischen Welt auf fast 120 Dollar. An deutschen Tankstellen stiegen die Benzinpreise durchschnittlich um drei Cent. Die US-Bank Goldman Sachs warnt bereits vor einem dramatischen Engpass.

Frankfurt am Main - Der Preis für Rohöl hat am Donnerstag den höchsten Stand seit August 2008 erreicht. Der Preis für die Nordseeölsorte Brent kletterte um bis zu 7,7 Prozent auf ein Zweieinhalbjahreshoch von 119,79 Dollar je Barrel. Er war damit nur noch eine Handbreit von der psychologisch wichtigen Marke von 120 Dollar entfernt. Ein Fass des US-Leichtöls WTI kostete mit 103,41 Dollar zeitweise 5,4 Prozent mehr als am Vortag.

In Deutschland kostete Superbenzin in vielen Regionen am Donnerstag bereits 1,53 Euro, Diesel kam auf 1,43 Euro pro Liter, jeweils drei Cent mehr als am Vortag. Der letzte verfügbare Durchschnittspreis der Mineralölindustrie vom Mittwochabend lag bei 1,51 Euro für Super und 1,41 für Diesel.

Verantwortlich für die hohen Ölpreise sind die Aufstände in Libyen. Die Produktion in dem Land ist bereits größtenteils gestoppt. Bei weiteren politischen Unruhen in Ölregionen drohen nach Einschätzung der US-Bank Goldman Sachs dramatische Engpässe auf den Rohölmärkten. Die Proteste in Libyen könnten sich auf andere Ölexportländer ausbreiten und zu weiteren Lieferproblemen führen, erklärte Jeffrey Currie von Goldman Sachs.

Anders als die Ausfälle in Libyen könnten diese dann nicht mehr ausgeglichen werden, sodass Rationierungen notwendig würden. Diese Sorge treibe derzeit die Ölmärkte an. Allerdings werde die Gefahr, dass sich die politischen Unruhen auf große Ölexporteure wie Saudi-Arabien ausbreiteten, als vergleichsweise gering eingeschätzt. Das Land versucht, den sozialen Druck hoher Jugendarbeitslosigkeit mit Finanzhilfen zu entschärfen.

Händler befürchten Ausweitung auf Saudi-Arabien

Händlern zufolge nehmen die Sorgen dennoch zu, dass die Unruhen in dem ölreichen nordafrikanischen Land auf andere Ölförderstaaten in der Region Nordafrika/Naher Osten übergreifen. Dies schließe auch Saudi-Arabien ein, mit einer Förderung von 10 Prozent des weltweit verbrauchten Erdöls der wichtigste Ölproduzenten im Nahen Osten. Saudi-Arabien verfügt zudem als einziges Land über nennenswerte Produktionsreserven, mit dem Ausfälle in anderen Staaten ausgeglichen werden können.

Es herrsche zur Zeit "Panik am Ölmarkt", dass in Libyen noch größere Fördermengen als bislang schon wegfallen könnten, sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Die aktuelle Ausfallquote bezifferte er auf derzeit 400.000 bis zu einer Million Barrel pro Tag.

Nach Reuters-Berechnungen ist die libysche Ölförderung als Folge der Proteste gegen die Regierung von Muammar al-Gaddafi um rund ein Viertel eingebrochen. Das nordafrikanische Land ist das ölreichste des Kontinents und weltweit der zwölftgrößte Exporteur.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stieg unterdessen den dritten Tag in Folge deutlich. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Donnerstag kostete ein Barrel am Mittwoch im Durchschnitt 105,88 Dollar. Das waren 1,87 Dollar mehr als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

mg/rtr/dpa-afx/dapd

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