Deutsche Börse/NYSE Transatlantische Fusion geplant

Die Deutsche Börse und NYSE Euronext planen eine Fusion zur größten Aktienbörse der Welt. Es gebe "fortgeschrittene Verhandlungen", aber keine Einigung, so die Institute. Mehrheitspartner würde mit einem rund 60-prozentigen Anteil die Deutsche Börse.
Händler an der Wall Street: Durch eine Fusion der NYSE Euronext und der Deutschen Börse entstünde die größte Aktienbörse der Welt

Händler an der Wall Street: Durch eine Fusion der NYSE Euronext und der Deutschen Börse entstünde die größte Aktienbörse der Welt

Foto: MARIO TAMA/ AFP

New York / Frankfurt am Main - Derzeit sei noch nicht sicher, "ob es zum Abschluss einer Vereinbarung kommt oder - im Falle einer solchen Vereinbarung - zu einer Transaktion", heißt es weiter, erklärten Deutsche Börse und NYSE Euronext am Mittwoch Abend.

Die Pläne für die weltgrößte Aktienbörse sind derweil schon sehr konkret. Beide Konzerne sollen demnach ihr Geschäft im Rahmen eines Aktientauschs und mit Hilfe einer neu gegründeten Gesellschaft bündeln. Diese Gesellschaft solle ihren Sitz in den Niederlanden haben.

Die Chefs hätten ihre Büros jedoch in Frankfurt am Main und New York. Die Aufgaben des Verwaltungschefs sollen dabei dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Reto Francioni, zufallen. Die Geschäftsführung übernehme NYSE-Euronext-Chef Duncan Niederauer.

Die NYSE Euronext war 2007 aus dem Zusammenschluss der New York Stock Exchange (NYSE) mit dem europäischen Börsenbetreiber Euronext entstanden, der die Börsenplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon betreibt.

Kostenersparnis von 300 Millionen Euro pro Jahr angestrebt

Durch die Fusion ließen sich Kosten von bis zu 300 Millionen Euro jährlich einsparen, teilten die Unternehmen mit. Die Aktionäre der Deutschen Börse  hielten mit knapp 60 Prozent den größten Anteil an dem Konzern.

Die Deutsche Börse war am Mittwoch am Börsenplatz in Frankfurt 11,4 Milliarden Euro wert. NYSE Euronext hatte in New York eine Marktkapitalisierung von 10,43 Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro). Am Nachmittag hatte die Frankfurter Börse den Handel mit Aktien des Instituts ausgesetzt. Gleichzeitig wurde in New York und Paris der Handel mit NYSE-Euronext-Aktien ausgesetzt. Das hatte bereits Spekulationen um eine bevorstehende Fusion der beiden Börenbetreiber genährt.

Fusion von London und Toronto setzt Interessenten unter Druck

Zuvor am Tag hatten bereits die Börsen in London und Toronto ihre Fusion bekannt gegeben. Diese schließt sich nun ihrerseits mit dem Aktienmarkt in Toronto zu einem transatlantischen Börsenunternehmenzusammen - was den Druck auf andere Börsenplätze, ähnliche Bündnisse zu schmieden, erhöht.

Die Deutsche Börse hatte in den vergangenen Jahren drei Mal vergebens versucht, die Londoner Börse (LSE) zu übernehmen.

Zur NYSE Euronext gehört unter anderem die New York Stock Exchange (NYSE). Der auch als Wall Street bekannte Handelsplatz ist die größte Wertpapierbörse der Welt.

Aktien beider Fusionspartner legen am Abend deutlich zu

In New York wurde am Abend der Handel mit den Aktien der Nyse Euronext wieder aufgenommen. Die Titel sprangen zeitweise um mehr als 18 Prozent in die Höhe.

In Deutschland blieben den Anlegern nur alternative Plattformen, um sich mit den Aktien der Frankfurter Börsenbetreiber einzudecken. Bei Lang & Schwarz stiegen die Aktien bis zum Abend auf 61,50 Euro an: ein Plus von gut 5 Prozent zum Kurs vor der Aussetzung.

Wie positiv die Anleger die Konsolidierung der Börsen-Branche sehen, zeigt auch der Anstieg der Kurse der in Fusionsgesprächen stehenden Londoner Börse, die um 3Prozent zulegten. Die Aktien der Börse von Toronto stiegen um 5,7 Prozent an.

la/afp/dpa!reuters
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