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Aufstand in Ägypten: Plünderungen und Bürgerwehr

Foto: YANNIS BEHRAKIS/ Reuters

Wegen Unruhen Kurssturz an Nahost-Börsen

Die Unruhen in Ägypten schlagen Investoren in die Flucht. An den Börsen in Dubai, Katar und Abu Dhabi kam es am Sonntag zu weiteren Kurseinbrüchen. In Europa und USA droht ein Ende der Börsenparty: Die Wall Street erlebte am Freitag bereits den stärksten Kursrutsch seit 6 Monaten.

Frankfurt am Main/New York/Dubai - Um rund 20 Prozent haben der Dax , der Dow Jones  und der S&P 500 seit Anfang September zugelegt. An der Wall Street war die Börsenparty vielen Beobachtern bereits unheimlich geworden: Acht Wochen in Folge war der Dow Jones zuletzt im Klettermodus, von Konsolidierung oder Gewinnmitnahmen keine Spur.

Bis zum vergangenen Freitag. Da rutschte der US-Leitindex Dow Jones  im späten Handel um 1,4 Prozent ab, der Technologieindex Nasdaq Composite  gab sogar um 2,5 Prozent nach. Es war der stärkste Kursrutsch seit sechs Monaten - erstmals seit neun Wochen hat der US-Leitindex eine Handelswoche im Minus (0,4 Prozent) abgeschlossen.

Auslöser für den Kursrutsch war die eskalierende Gewalt in Ägypten. Doch dieser Kursrutsch dürfte nur ein Vorgeschmack sein auf das, was Anlegern in Europa und Übersee in der kommenden Woche blühen kann.

Tunesien, Ägypten, Jordanien - und dann?

Ägypten hat wirtschaftlich nicht die Bedeutung von China oder den USA. Doch die Unruhen in der gesamten Region könnten für viele Investoren der Anlass sein, um nach den monatelangen Kurssteigerungen an den Weltbörsen erst einmal Geld in Sicherheit zu bringen.

Die Lage in Ägypten ist seit Freitag eskaliert. Die Aussicht auf länger anhaltende Unruhen bei einem der wichtigsten US-Partner im Nahen Osten vertreiben vor allem ausländische Investoren.

Anleger wollten das Risiko nicht eingehen, dass nach Tunesien, Ägypten und Jordanien auch in anderen arabischen Ländern Proteste ausbrechen könnten, vermutete Robert McKinnon, Chefanalyst von ASAS Capital. Sollten sich die Unruhen auf ölreiche Staaten wie Saudi-Arabien ausbreiten, gerät eine ganze Region ins Wanken.

Börsen in Dubai, Katar und Abu Dhabi brechen ein

Dies ließ sich am Sonntag bereits an den Handelsplätzen der Region beobachten, wo die Kurse auf breiter Front ins Rutschen kamen. An der Spitze der Talfahrt der arabischen Börsen lag der Index in Dubai mit einem Fall von 4,3 Prozent. Er erreichte damit den tiefsten Stand des vergangenen halben Jahres. Auch in Katar gab der Leitindex um 3 Prozent nach. In Oman und Abu Dhabi verloren die Kurse bis zum Handelsschluss 3,0 beziehungsweise 3,7 Prozent.

"Die Unsicherheit veranlasst ausländische Investoren, ihre Präsenz auf unseren Märkten in Frage zu stellen", sagte Madsched Assam, Analyst von AlembicHC in Dubai. Die Investoren würden wahllos verkaufen - ungeachtet dessen, ob die Unternehmen Geschäfte in Ägypten machten oder nicht.

Saudi-Arabiens Börse erholte sich dagegen im Laufe des Sonntags wieder ein wenig nach dem 6,4-prozentigen Absturz vom Vortag. "Es gibt gute Möglichkeiten zu kaufen, deswegen sollte der Markt heute seinen Tiefpunkt überstanden haben", hofft der saudi-arabische Finanzmarktanalyst Jussef Kassantini. In Ägypten selbst blieb die Börse am Sonntag geschlossen.

Dax steht vor turbulenter Woche

In Deutschland war der Dax  angesichts der Eskalation in Ägypten am Freitag kurz vor Handelsschluss ins Minus gerutscht. Der deutsche Leitindex, der erst zwei Tage zuvor das höchste Niveau seit 32 Monaten erreicht hatte, schloss 0,7 Prozent schwächer bei 7102 Punkten.

Händler rechnen für Montag mit weiteren Gewinnmitnahmen. "Der Markt hasst Unsicherheit, vor allem geopolitische", sagte Thomas Nyheim, Portfolio-Manager bei Christiana Bank & Trust. Ein kurzfristiger Rücksetzer sei jederzeit möglich, da die Schuldenkrise noch keineswegs gelöst sei und die Aktienmärkte seit September eine beeindruckende Rally vollzogen haben", warnten die Analysten der Landesbank Berlin. In den vergangenen vier Monaten hat der deutsche Leitindex gut 20 Prozent zugelegt.

Thema Inflation und höhere Zinsen

Angesichts des anziehenden Wachstums in Deutschland und der unverändert lockeren Geldpolitik rückt außerdem das Thema Inflation wieder stärker in den Vordergrund. Dieses Thema wird voraussichtlich auch bei der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Hauptrolle spielen.

Börsianer werden dabei alle Äußerungen von Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet auf mögliche Hinweise für eine Straffung der Geldpolitik abklopfen. Denn sie gehen davon aus, dass die Inflation in der Euro-Zone (Veröffentlichung am Montag), im Januar auf 2,4 von 2,2 Prozent im Vormonat gestiegen ist.

Unternehmensseitig konzentriert sich in der neuen Woche alles auf den Donnerstag. An diesem Tag wollen sowohl Deutsche Bank als auch Münchener Rück vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr 2010 veröffentlichen.

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la/reuters/afp

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