Inflation Preisauftrieb beschleunigt sich

Die Inflationsrate ist im Januar auf 1,9 Prozent geklettert. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2008. Preistreiber waren vor allem Benzin, Heizöl, Obst und Gemüse. Aus Sicht von Experten zeigt der Trend weiter klar nach oben.
Preisschub: Teurerer Sprit heizt die Inflation an

Preisschub: Teurerer Sprit heizt die Inflation an

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Wiesbaden - Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Januar wie erwartet beschleunigt. Vor allem für Sprit, Heizöl, Obst und Gemüse mussten die Verbraucher im Januar tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr.

Die Jahresteuerung erhöhte sich auf 1,9 Prozent - nach 1,7 Prozent im Dezember - und erreichte damit den höchsten Stand seit Oktober 2008, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Zudem hätten die seit längerem angekündigten Preiserhöhungen für Strom die Inflation angeheizt. Im Vergleich zum Dezember gingen die Preise saisonbedingt um 0,5 Prozent zurück.

Experten und Notenbanker sehen in den nächsten Monaten keine Entspannung. Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte am Donnerstag in einer Rede in Bologna vor einer zu hohen Inflation. In diesem Fall müsse die EZB die Zinsen erhöhen, sagte er.

Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte im Januar bereits mehrfach vor weiter steigenden Preisen in der gesamten Euro-Zone gewarnt. Dort war die Inflationsrate mit einem Wert von 2,2 Prozent im Dezember erstmals seit zwei Jahren wieder über die Marke von 2 Prozent geklettert und damit laut Trichet "höher ausgefallen als erwartet". Ziel der EZB ist es stets, die Inflationsrate nahe bei 2 Prozent zu halten.

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"Während die Energiepreise erneut deutlich anzogen, gab es bei den Nahrungsmitteln - dem zweiten Preistreiber der vergangenen Monate - eine Korrektur nach unten", stellte die Commerzbank fest. "Der von manchem befürchtete kräftige Anstieg der Teuerungsrate ist wohl ausgeblieben, aber der Trend zeigt weiterhin klar nach oben", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

In den kommenden Monaten dürften die Verbraucherpreise insbesondere aufgrund der weltweit steigenden Rohstoffpreise weiter anziehen. Ein Ausufern der Inflation erwarten Volkswirte derzeit aber nicht.

"Die Inflationsrisiken haben sich zwar aufgrund steigender Rohstoffpreise erhöht, auf mittlere Sicht rechnen wir aber weiterhin mit einem Preisanstieg unterhalb der Marke von 2 Prozent", sagte Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) laut Mitteilung.

Bankenverband warnt vor überzogener Sorge

Die Postbank hatte ihre Inflationsprognose jüngst auf 2,0 Prozent angehoben, Unicredit-Experten erwarten eine durchschnittliche Jahresteuerung von 2,2 Prozent im laufenden Jahr. Der Bundesverband deutscher Banken warnte vor überzogener Sorge: "Zunächst einmal darf nicht übersehen werden, dass der Teuerungsschub von einem sehr niedrigen Niveau ausgeht." Von einem breit angelegten Preisschub könne gegenwärtig keine Rede sein.

Risiken sehen die Volkswirte nicht nur in der über Rohstoffeinfuhren "importierten Inflation". Sie warnen auch vor überzogenen Lohnforderungen, die eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnten.

"Lohnabschlüsse, die deutlich über den durch den Produktivitätsfortschritt und die längerfristige Preisentwicklung abgegrenzten Verteilungsspielraum hinausgehen, würden ... nicht nur die Preisentwicklung in Deutschland stark beschleunigen, sondern auch die erfreulichen Fortschritte am Arbeitsmarkt gefährden", betonte etwa der Bankenverband.

Zudem könnte die Schuldenkrise in einigen Euroländern die deutsche Inflation beeinflussen, wie Unicredit-Experte Alexander Koch erklärt: "Die Schwäche in anderen Euroländern hält die EZB davon ab, die Zinsen anzuheben." Denn das rekordniedrige Zinsniveau werde die ohnehin äußerst wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft unterstützen und den privaten Konsum weiter anheizen.

nis/dpa/afp
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