Freitag, 29. Mai 2020

Nahrungsmittel Gute Zocker, böse Zocker?

Weizen, Zucker, Kaffee: Welche Agrarrohstoffe teurer werden
[M] mm.de; DPA

3. Teil: Steigender Wohlstand in den Schwellenländern

Doch was lässt sich aus dieser Zahlenauswahl lesen? Eine Lesart bietet Banker Hansen an. "Auf dieser Basis müssen wir schlussfolgern, dass der dramatische Anstieg bei den Agrarrohstoffen im vergangenen Jahr in erster Linie auf der Knappheit wegen des schlechten Wetters in den wichtigen Anbauregionen fußt." Und Wissenschaftler Leschus bestätigt: "Es gab bei bestimmten Rohstoffen Angebotsverknappungen, weil Teile der Ernten durch Unwetter zerstört wurden." Baumwolle habe zum Beispiel unter der Überflutung in Pakistan gelitten, Weizen unter der Trockenheit in Russland und Kakao unter den politischen Unruhen in der Elfenbeinküste.

"Neben den Angebotsverknappungen zog aber auch die weltweite Konjunktur an; wodurch sich auch die Nachfrage nach Agrarrohstoffen erhöhte. So wird beispielsweise für die zunehmende Zahl an Autos in China mehr Kautschuk für die Autoreifen benötigt.

Zudem führt der steigende Wohlstand in den Schwellenländern dazu, dass die Menschen dort sich mehrere warme Mahlzeiten am Tag leisten können und der Fleischkonsum zunimmt. Aber auch die steigende Biokraftstoffproduktion erhöhte die Nachfrage nach Agrarrohstoffen wie Mais und Palmöl." Und Spekulation?

"Spekulation ist ein weiterer Faktor, der zu den steigenden Preisen bei den Agrarrohstoffen beigetragen hat. Jedoch bin ich der Meinung, dass sie nicht der Auslöser für die Preissteigerungen war, sondern dafür sind die oben genannten fundamentalen Gründe verantwortlich."

Insofern lassen sich die genannten Zahlen auch als Warnung lesen. Indem man sie mit der Entwicklung beim Gold vergleicht. Noch vor wenigen Jahren hieß es, der Goldhandel werde nicht durch das so genannte Papiergold, zum Beispiel entsprechende ETF, beeinflusst. Inzwischen weiß man es besser. Folgt man dieser Lesart, könnten die Investoren tatsächlich die Preise zunehmend beeinflussen. Und dann dürften früher oder später Politiker mit einer Regulierung bei der Hand sein, die beispielsweise den Handel limitiert. Oder Handelsrechte für Agrarrohstoffe wie im Fall der CO2-Zertifikate ersinnen, wer weiß.

Eines dürfte aber bereits jetzt klar sein, eine einfache Lösung gibt es nicht. Irgendwo zwischen den Blickwinkeln von Ilse Aigner, den Armen der Welt und den Finanzhäusern liegt sie.

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