Dienstag, 2. Juni 2020

Nahrungsmittel Gute Zocker, böse Zocker?

Weizen, Zucker, Kaffee: Welche Agrarrohstoffe teurer werden
[M] mm.de; DPA

2. Teil: Spielball der Spekulanten?

"Eine ganz heiße Kiste", nennt es ein Experte, der namentlich nicht genannt werden will. Mit Rohstoffen handelten nur wenige Investoren, die aber sehr aktiv. Auch bei anderen Finanzhäusern heißt es auf Nachfrage nach dem Ausmaß des Angebots, es sei gar nicht so groß. In der Tat veröffentlicht zum Beispiel der Deutsche Derivate Verband Zahlen darüber, welche Produkte im Dezember 2010 am häufigsten verkauft wurden. Am Gesamtvolumen des Monats hatten Hebelprodukte auf Rohstoffe mit rund 15 Prozent einen nicht unerheblichen Anteil. Doch der Zahl unterfallen auch Produkte zum Beispiel auf andere Rohstoffe, wie zum Beispiel der Anlegerliebling Gold. Werden Finanzhäuser also zu Unrecht gescholten?

Vorsicht, viele Zahle bilden nur die deutsche Seite ab. Das Geschäft mit den Agrarrohstoffen ist aber international. Aussagestärker sind daher die Zahlen der CFTC, der Commodity Futures Trading Commission. Sie kümmert sich um den Futures- und Optionsmarkt in den USA. Deren Zahlen zeigen, erläutert Hansen, dass "der Umfang der Spekulation während der zweiten Hälfte des Jahres 2010 gestiegen ist, aber derzeit niedriger ist als vor einem Jahr. Und der Trend über die vergangenen Jahre zeigt nur eine leicht steigende Tendenz."

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Blick auf das Geschäft mit den Exchange Traded Funds (ETF). Nach einer aktuellen Studie von ETF Securities hat der weltweite Handel mit börsengehandelten Rohstoffen in den vergangenen fünf Jahren zwar deutlich zugenommen. Kumuliert sei das verwaltete Vermögen um jährlich 103 Prozent gestiegen. Doch der Anteil von Produkten, die in Agrarrohstoffe investieren, ist vergleichsweise gering. 2010 verwalten diese Produkte rund 6,5 Milliarden Dollar. Auch wenn es im Vorjahr noch ein knappe Milliarde weniger waren, im Vergleich zu Gold ist das gar nichts. Edelmetall-ETF verwalteten Ende 2010 fast 125 Milliarden Dollar. Eine Entwicklung, von der übrigens nicht nur Banken profitieren. Auch Privatanleger mischen kräftig bei Zertifikaten wie ETF mit. Der Bauer, der gute Zocker - die Bank, der böse Zocker, das Bild passt also nicht.

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