Steigende Preise Vervierfachung der Inflation befürchtet

Führende Bankvolkswirte rechnen mit deutlich steigenden Preisen in Deutschland. Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank, hält einen Anstieg der Inflationsrate bis auf 4 Prozent bis 2014 für möglich. Die Einfuhrpreise für Energie und Nahrung sind bereits stark gestiegen.
Teures Benzin, teures Heizöl: Energie war im Dezember rund 35 Prozent teurer als im Vorjahr. Der Inflationsschub bei Importgütern treibt auch die Preise hierzulande

Teures Benzin, teures Heizöl: Energie war im Dezember rund 35 Prozent teurer als im Vorjahr. Der Inflationsschub bei Importgütern treibt auch die Preise hierzulande

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Frankfurt am Main - "Ein Anstieg der Inflationsrate in den nächsten zwei bis drei Jahren bis auf vier Prozent ist durchaus möglich", sagte der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der "Bild"-Zeitung. Deutschland wachse schneller als andere Euro-Staaten. Ein Grund für die höhere Inflation sei, dass die Europäische Zentralbank zu einer "lockeren Geldpolitik ohne große Zinserhöhungen gezwungen sein könnte".

Im vergangenen Jahr hatte die Inflationsrate in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 1,1 Prozent gelegen.

Auch der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel, rechnet dem Bericht zufolge mit einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland. Ein Anstieg der Inflationsrate auf 4 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren sei "durchaus realistisch". Eine Inflationsrate in dieser Höhe könne es dann sogar "für mehrere Jahre" geben, sagte Bargel.

Auch Unicredit-Analyst Andreas Rees ist überzeugt, dass der Inflationsdruck in Deutschland steigt. Zum einen seien die Rohstoffpreise zuletzt kräftig gestiegen. "Das trifft nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Nahrung und Energie, auch die Preise von Rohstoffen, die die Industrie braucht, stiegen entscheidend an."

Zum anderen habe die Entwicklung des Eurokurses eine wichtige Rolle gespielt, da Rohstoffe üblicherweise in Dollar gehandelt würden: "Im Dezember 2009 kostet ein Euro 1,45 US-Dollar; ein Jahr später kostete er nur noch 1,32 Dollar und damit 9 Prozent weniger."

Einfuhrpreise für Energie und Nahrung auf 30-Jahres-Hoch

Ein weiteres Indiz für anziehende Inflation: Die Einfuhrpreise für Energie und Nahrung sind zum Jahresende 2010 stark gestiegen und haben die Jahresteuerung bei importierten Gütern auf den höchsten Stand seit 1981 getrieben.

Die Einfuhrpreise lagen im Dezember 2010 um 12 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Gegenüber November 2010 stiegen die Einfuhrpreise um 2,3 Prozent.

Energie war im Dezember um mehr als ein Drittel (34,2 Prozent) teurer als ein Jahr zuvor. Zu den Preistreibern zählte unter den übrigen Rohstoffen auch Eisenerz, das 98,4 Prozent mehr kostete als im Dezember 2009.

Im Nahrungsmittelsektor kletterten die Importpreise vor allem bei Rohkaffee (65,1 Prozent), Getreide (56,7 Prozent) und Rindfleisch (12,1 Prozent).

Importpreise durchschnittlich um knapp 8 Prozent gestiegen

Im Jahresdurchschnitt erhöhten sich die Importpreise gegenüber 2009 um 7,8 Prozent und damit so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Steigende Einfuhrpreise könnten auch beim Endverbraucher für höhere Ausgaben sorgen: Unternehmen und Handel geben höhere Rohstoffpreise zumindest teilweise an die Verbraucher weiter.

Auch bei den Exportgütern nahm der Preisauftrieb zu. Hier stiegen die Preise im Dezember im Jahresvergleich um 5,2 Prozent und im Monatsvergleich um 0,8 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2010 erhöhte sich das Preisniveau um 7,8 Prozent. Auch dies ist der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2000.

la/rtr
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