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Immobilien, Aktien, Gold: Was bei Inflation ins Depot gehört

Foto: Angelika Warmuth/ picture-alliance/ dpa

Steigende Preise Wenn Inflation das Vermögen bedroht

Weltweit steigende Lebensmittelpreise deuten den Beginn einer viel beschworenen Phase hoher Inflation an. Anleger flüchten gerne in Sachwerte wie Immobilien, Aktien oder Gold, um sich vor Geldentwertung zu schützen. Doch auch diese Strategie birgt Risiken.

Hamburg - Was Experten seit langem voraussagen, könnte jetzt eintreten: Die Inflation zieht offenbar wieder an. In Deutschland hält sich die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent im Dezember zwar noch innerhalb des von der Europäischen Zentralbank (EZB) überwachten Rahmens von 2 Prozent. Europaweit, das gab kürzlich Eurostat bekannt, ist sie mit 2,2 Prozent jedoch bereits wieder darüber hinausgeschossen.

Und nicht wenige Fachleute sagen eine weitere Verschärfung voraus. Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, fürchtet mittelfristig sogar einen Anstieg der Inflationsrate bis auf 4 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Die ersten Vorboten sind da. Die Nahrungsmittelpreise etwa stiegen im Dezember bereits um 3,6 Prozent - und just zur Grünen Woche in Berlin kündigten die Lebensmittelhersteller an, künftig weiter an der Preisschraube drehen zu wollen.

Notenbankgeld treibt die Preise

Dass sich die Teuerung derzeit vor allem im Lebensmittelbereich zeigt, hat Gründe. Zum einen ist ein Großteil der massiven Liquidität, die die Notenbanken weltweit in den vergangenen Jahren freigesetzt haben, nicht in die reale Wirtschaft gelangt, sondern in Investmentprodukte. Davon wiederum legen viele im Rohstoffsektor an - und sorgen so für steigende Preise bei Reis, Weizen und anderen Agrargütern.

Zum anderen steigt seit langem schon in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China oder Indien der Lebensstandard. Die Folge: Weltweit verlangen immer mehr Menschen nach immer größeren Mengen von Fleisch, Gemüse und ähnlichem - die Flächen, auf denen das alles produziert werden kann, sind aber begrenzt. Es ist kein Zufall, dass die Lebensmittelpreise in den Schwellenländern deutlich schneller steigen als beispielsweise hierzulande.

Dramatische Folgen für Sparer

Doch nicht nur Verbraucher leiden unter höheren Preisen. Auch Anleger mögen die Entwicklung gar nicht. Denn ein anderes Wort für "Preissteigerung" ist "Geldentwertung", sprich Vermögensverlust - genau das Gegenteil also von dem, was sie sich für ihr Erspartes wünschen.

Für einen hoch verschuldeten Staat ist Inflation willkommen, denn mit der Geldentwertung sinkt die Schuldenlast. Für einen Sparer ist hohe Inflation jedoch dramatisch, denn sie frisst die Ersparnisse auf.

Was aber tun? "Investieren in Sachwerte" lautet der Standardratschlag. In Immobilien also, in Aktien, in Rohstoffe wiederum oder in Gold und Silber. Die Idee dahinter ist, dass der Substanzwert solcher Anlagen selbst irrationale Inflationsraten oder gar drastische Maßnahmen wie etwa eine Währungsreform überdauert. Bargeld dagegen oder beispielsweise Spareinlagen sind dem Geldwertverlust fast schutzlos ausgeliefert.

Eine einfache Lösung, so scheint es. Und wie so oft bei einfachen Lösungen, gilt auch in diesem Fall: Der Ansatz ist richtig, aber ...

Aber: Immobilien zum Beispiel bieten nicht in jedem Fall gleichermaßen Inflationsschutz. Unterschieden werden muss zunächst die Art des Investments, also direkt oder indirekt, beispielsweise über Fonds. "Im Schnitt investieren deutsche Bürger etwa die Hälfte ihres Vermögens in die eigengenutzte Immobilie", sagt Wolfgang Köbler, Vorstand beim Vermögensverwalter KSW in Nürnberg. "Als Standbein für den persönlichen Vermögensaufbau."

Grundsätzlich gilt: Bei anziehender Inflation steigt der Charme des Eigenheims, je stärker dies per Kredit finanziert wurde. Denn die Hypothek wird real von der Geldentwertung aufgefressen. Ein weiterer Pluspunkt: Steigende Mieten als Belastungsfaktor fallen aus. Allerdings geht zunehmende Inflation in der Regel mit einem steigenden Zinsniveau einher, was wiederum während der Finanzierungszeit die laufenden Zahlungen an die Bank erhöht.

Wie die Immobilie zur Inflationsfalle wird

Wer dagegen in eine vermietete Wohnung investiert, kann seine Einnahmen über steigende Mieten nach oben schrauben. Auch dies hat allerdings einen Haken: Ufert die Inflation zu sehr aus, so ist es möglich, dass der Staat Mietsteigerungen zum Schutz der Bürger deckelt. In dem Fall kann das Immobilieninvestment für den Anleger sogar zur Inflationsfalle werden.

Neben der Miet- spielt die Preisentwicklung bei der Kalkulation eines Immobilienkaufs eine wichtige Rolle. Und da wachsen die Bäume in Deutschland vielerorts nicht in den Himmel. "Preissteigerungen kann sich der Besitzer von seinem Objekt in Deutschland nur erhoffen, wenn die Lage stimmt", sagt Vermögensverwalter Köbler. "Großstädte, die wachsen, sind besser als das Häuschen irgendwo auf dem flachen Land."

Bleibt der Griff zum indirekten Investment, dem Immobilienfonds also zum Beispiel. "Banken empfehlen gerne geschlossene Fonds", sagt Köbler. "Wir warnen jedoch nachdrücklich davor." Der Grund: Die weichen Kosten, etwa Vertriebsprovisionen und Konstruktionsgebühren, seien zu hoch - ebenso wie die Abhängigkeit vom Geschick des Managements. "Darüberhinaus sind solche Beteiligungen im Regelfall illiquide", so Köbler. Auch bei offenen Immobilienfonds ist ein Engagement nach Ansicht des Experten ausschließlich Profis zu empfehlen. Der Grund: Die jüngsten massiven Abwertungen vieler Fonds sowie die in den kommenden Monaten drohenden gesetzlichen Regulierungen dieses Anlagetyps.

Auch Aktien schützen nicht per se vor Geldentwertung

Zweites aber: Auch Aktien schützen nicht per se vor Geldentwertung. "Unternehmen, die erfolgreich durch eine Phase hoher Inflation kommen wollen, müssen einige Voraussetzungen mitbringen", sagt Gerd Häcker, Leiter des Portfoliomanagements beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen in München. "Beispielsweise sollten sie in der Lage sein, Preissteigerungen problemlos an ihre Kundschaft weiterzureichen, was längst nicht für alle Branchen gilt."

Zudem, so Häcker, sei eine niedrige Verschuldung von Vorteil. Denn auch für die Unternehmen gilt: Zwar senkt die Geldentwertung den realen Schuldenstand. Steigende Zinsen führen jedoch zu höherer laufender Belastung.

Hersteller von Konsumgütern wie etwa der Schweizer Nestlé-Konzern  sind nach Ansicht Häckers für Inflationsphasen gut gerüstet. Viele Autobauer dagegen weniger. Das A und O ist nach Ansicht des Fachmanns jedoch eine breite Streuung der Anlagen. "Wir empfehlen eine weltweite Allokation", sagt Häcker.

Auch Edelmetalle wie vor allem Gold haben sich in der Vergangenheit als Instrumente für den Kapitalerhalt bewährt. Viele Experten raten zudem gerade im aktuellen Aufschwung zu Investments in den Agrar- und Rohstoffsektor, beispielsweise über Indizes wie den RICI (Rogers Commodity Index) oder Aktien des US-Konzerns Archer Daniels Midland (ADM). ADM ist einer der weltweit größten Verarbeiter landwirtschaftlicher Produkte und erzielt mit 27.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 70 Milliarden Dollar pro Jahr.

Die Überlegung hinter dieser Investmentstrategie: Welche, wenn nicht die Agrar- und Rohstoffbranche sollte von der demografischen Entwicklung weltweit sowie der steigenden Nahrungsmittelnachfrage profitieren?

An dieser Stelle - drittes "aber" - endet allerdings der reine Inflationsschutz. Denn erstens treiben Anleger, die in den Rohstoffsektor investieren, die Teuerung, vor der sie ihr Vermögen schützen wollen, mitunter selbst mit an. Und zweitens: Angesichts von hungernden Menschen, die für eine handvoll Reis Schlange stehen, und deren Verzweiflung sie bereits an die Grenze zur Gewalttätigkeit treibt, sollten Anleger sich wohl fragen, ob sie daraus noch Profit schlagen wollen.

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