SAP Im Aufwind trotz teurer Mitarbeiterbeteiligung

Der weltgrößte Hersteller von Betriebssoftware hat die Börse mit besser als erwarteten Geschäftszahlen überzeugt. Die zuletzt arg gebeutelte Aktie war am Mittwoch größter Gewinner im Dax.

Walldorf - Die SAP-Vorzugsaktie beendete den Handel am Mittwoch als größter Dax-Gewinner. Der Kurs des Titels kletterte um 6,8 Prozent auf 663 Euro.

Nach Spekulationen von Analysten über einen Verlust im ersten Quartal dieses Jahres präsentierte das Walldorfer Unternehmen am Mittwoch einen Gewinn in Höhe von 56 Millionen Euro. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ist das ein Minus von 43 Prozent.

Grund dafür sind Kosten von 239 Millionen Euro für das Star-Programm, mit denen SAP Leistung und Treue der Mitarbeiter belohnt. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro (2,3 Milliarden Mark), teilte das Unternehmen mit.

"Das erste Quartal war für die SAP wie erwartet kein leichtes", kommentierte Vorstandssprecher Henning Kagermann. Ohne die Belastungen des Star-Programms wäre der Vorsteuergewinn um 114 Prozent auf 334 Millionen Euro gestiegen. Er sei mit dem Ergebnis "durchaus zufrieden". In den nächsten beiden Quartalen rechne die SAP mit einem "stärkeren Softwaregeschäft".

Unverändert erwartet der Konzern, dass sich der Umsatz von 4,3 Milliarden Euro 1998 bis zum Jahr 2001 verdoppelt. Die Hoffnungen ruhen auf dem Internet.

Zwar konnte die SAP im ersten Quartal nicht an das rasante Umsatzwachstum von 30 Prozent im Schlussquartal 1999 anschließen. Ein Dämpfer war auch der Umsatzrückgang von drei Prozent in der Geschäftsregion Amerika. Mit der Internet-Initiative mySAP.com erzielte der Konzern aber im ersten Quartal bereits 22 Prozent des Umsatzes mit neuen Softwarelizenzen, der insgesamt 369 Millionen Euro betrug. Zu den mySAP.com Neukunden zählten US-Präsident Bill Clintons Heimatstaat Arkansas und das Internet-Auktionshaus e-Bay.

Zwei neue Töchter sollen das Internet-Geschäft vorantreiben: SAPMarkets soll im Rahmen von mySAP.com das Geschäft mit Internet- Marktplätzen ausbauen. Die zweite neue Tochter SAPHosting soll sich vor allem in Europa dem «Application Service Providing» widmen. Dabei mietet die Kundschaft die SAP-Software auf einem zentralen Netzwerk- Server.

Weiter unklar ist allerdings, ob DaimlerChrysler der SAP den Zuschlag als Technologiepartner beim geplanten gemeinsamen Internet- Unternehmen mit den US-Autokonzernen General Motors (GM) und Ford erteilt. Das Projekt soll der größte elektronische Marktplatz der Welt werden. "Wir stehen dem offen gegenüber", sagte Heitmann. "Wir haben aber noch vergleichbare Marktplatzprojekte in der Pipeline."

Eine weitere unangenehme "Star"-Überraschung will der Konzern in diesem Jahr vermeiden. "Star" wird die SAP 1999 früheren Angaben zufolge insgesamt 1,3 Milliarden Mark kosten. Grund ist, dass sich die Bonuszahlungen nach dem Börsenkurs der SAP-Aktie richten. Ausgangskurs im Frühjahr 1999 waren 337 Euro, Schlusskurs im März diesen Jahres 822 Euro. Daher werden beim diesjährigen "Star" die Kosten gedeckelt. "Ein Kursgewinn ab 100 Euro wird noch zur Hälfte angerechnet, ab 200 Euro noch zu einem Viertel", sagte Konzernsprecher Herbert Heitmann.

Mit "Star" und Aktienoptionen für 1100 Führungskräfte will die SAP den Managerschwund in den USA stoppen, wo im vergangenen Jahr zahlreiche Mitarbeiter zur Konkurrenz wechselten. Nun profitiert die SAP vom Abwärtstrend der Technologie-Aktien, unter denen auch die SAP-Aktie in den vergangenen Wochen litt. Nach einem zwischenzeitlichen Höchststand von über 1000 Euro verloren die Papiere in den vergangenen Wochen über 300 Euro. Die Schwäche der Technologiewerte entwertet aber auch die Aktienoptionsprogramme der Wettbewerber. "Die Fluktuation in den USA ist längst nicht mehr so dramatisch wie im vergangenen Jahr", sagte Heitmann.

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