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Steuerjahr 2011: Wichtige Änderungen im Überblick

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Neue Regeln Das ändert sich im Steuerjahr 2011

Das heimische Arbeitszimmer ist wieder besser absetzbar, die Lohnsteuerkarte fällt weg, für Selbstanzeigen gibt es neue Regeln. Das kommende Jahr bringt Steuerzahlern viele Änderungen. manager magazin zeigt im Überblick, was Sie wissen müssen.

Hamburg - Viele Lehrer und Teilselbständige hierzulande haben am nahenden Abend des 31. Dezember besonderen Grund zum Feiern. Denn für sie bringt das Jahr 2011 eine steuerliche Neuregelung, die sich in Euro und Cent auszahlen wird: Sie können ihr häusliches Arbeitszimmer wieder geltend machen.

Im Juli hatte das Bundesverfassungsgericht die bisherige, seit 2007 gültige Regelung für verfassungswidrig erklärt. Derzufolge konnte das heimische Arbeítszimmer nur von der Steuer abgesetzt werden, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt. Das reichte den Verfassungsrichtern nicht aus.

Im Jahressteuergesetz beschlossen Bundestag und Bundesrat daher jüngst die Neuregelung. Derzufolge kann das Homeoffice auch abgesetzt werden, wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das gilt insbesondere für viele Lehrer, die im Lehrerzimmer in der Regel keine Möglichkeit zu ruhiger Schreibarbeit haben. Zudem kommen Teilselbständige beispielsweise aus der Medienbranche, die keinen gesonderten Arbeitsplatz haben, in den Genuss der Novelle.

Arbeitszimmerregel kostet Bund jährlich 250 Millionen Euro

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Die Absetzbarkeit gilt rückwirkend ab dem Jahr 2007. Alle Steuerbescheide, die seither noch offen sind oder vorläufig erteilt wurden, können geändert werden. Den Bund kostet das für die Jahre 2007 bis 2010 einer eigenen Schätzung zufolge Steuereinnahmen von rund 800 Millionen Euro. Künftig, so ein Sprecher des Finanzministeriums zu manager magazin, rechnet der Fiskus aufgrund der neuen Arbeitszimmerregelung mit Mindereinnahmen in Höhe von jährlich etwa 250 Millionen Euro.

Die schlechte Nachricht lautet allerdings: Die Novelle ist auf Beträge von 1250 Euro pro Jahr beschränkt. "Die Begrenzung ist nicht vertretbar", urteilt Harald Elster, Präsident des Steuerberaterverbandes Köln. "Die tatsächlich entstehenden Kosten werden in der Regel deutlich über dem gesetzlich zugelassenen Höchstbetrag liegen."

Aus Sicht Elsters wäre es richtig, alle Kosten die mit dem Arbeitszimmer im Zusammenhang stehen, auch steuerlich geltend machen zu können. Dabei müsse zuvor eine Überprüfung ergeben haben, dass ein Arbeitszimmer auch tatsächlich vorliegt. "Eine pauschale Lösung kann nur aus Vereinfachungsgründen in Frage kommen", so der Fachmann. "Wobei dem Steuerpflichtigen die Entscheidung überlassen bleiben muss, die tatsächlichen Kosten anzusetzen."

Neue Regeln für die Selbstanzeige

Die erweiterte Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers ist indes keineswegs die einzige steuerliche Neuerung, die das kommende Jahr mit sich bringt. Weitere Beispiele, die auch in einer Übersicht von manager magazin enthalten sind, sind die Behandlung von Zinsen, die bei Einkommensteuererstattungen anfallen, die Erweiterung der Steuerfreiheit für ehrenamtliche Tätigkeiten sowie die Einschränkung von Doppelförderungen bei haushaltsnahen Dienstleistungen, erbracht etwa von Handwerkern.

Der Kölner Steuerverbandspräsident Elster stört sich zudem noch an einer anderen Neuregelung, die das Thema Steuerhinterziehung betrifft. Laut Jahressteuergesetz ist eine strafbefreiende Selbstanzeige künftig nur noch möglich, wenn darin sämtliche hinterzogenen Steuern aller Zeiträume offenbart werden, die noch nicht verjährt sind. "Damit findet ein Paradigmenwechsel statt", so Elster zu manager magazin. "Bisher bestand die Möglichkeit einer Teilselbstanzeige."

Mit der Einbeziehung aller strafrechtlich noch nicht verjährten Zeiträume sowie Steuerarten dagegen steigt nach Angaben des Experten das Risiko einer fehlerhaften Selbstanzeige erheblich. Und zwar einer versehentlich fehlerhaften.

Zum Hintergrund: Die umfassende Selbstanzeige umfasst einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. "Es besteht somit die Möglichkeit, dass der Steuerpflichtige ein einzelnes kleines Guthabenkonto nicht meldet, weil er es einfach übersehen hat", sagt Elster. "Nach dem derzeitigen Gesetzestext hätte dies zur Folge, dass die Selbstanzeige nicht umfassend erfolgt wäre und der Steuerpflichtige im Kern keine Selbstanzeige vorgenommen hat."

Nach Ansicht des Experten sollte es auch künftig die Möglichkeit einer Teilselbstanzeige geben. Im Interesse der Steuererhebung sollte dem Steuerpflichtigen die Angst und Unsicherheit genommen werden, eine Selbstanzeige zu erstatten, sagt Elster. Schließlich könnten aufgrund der langen Zeitabläufe vollständige Informationen zu Kapitaleinkünften mitunter schlicht nicht mehr vorliegen.

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