Banken Überraschendes Aus

Die 1950 gegründete Berliner Bank AG wird zum Jahreswechsel geschlossen und nur noch als Markenname fortgeführt.

Berlin - Die Bankgesellschaft Berlin teilte am Montag abend mit, sie werde ihre bereits jetzt durch einen Beherrschungsvertrag verbundene Tochter im Rahmen der Konzernrestrukturierung zum 1. Januar 1999 im Wege der Fusion übernehmen.

Mit der Entscheidung zieht der Vorstandschef der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, die Konsequenzen aus der anhaltenden Ertragsschwäche des Bankkonzerns, zu der die Teilbank durch hohe Immobilienrisiken maßgeblich beigetragen hat. Bei der Belegschaft des Instituts löste der Beschluß Empörung aus.

Der Vorstand sei zuversichtlich, mit der Entscheidung nachhaltig die Marktposition des Konzerns und seine Ertragskraft zu stärken, erklärte die Bankgesellschaft. Die Geschäftsaktivitäten und Kundenbeziehungen der Berliner Bank, die 1997 auf eine Bilanzsumme von 46,7 Milliarden Mark kam und wieder Gewinn machte, würden "unter Aufrechterhaltung des anerkannten und vertrauten Markennames Berliner Bank" fortgeführt. Dies gelte besonders für die Kernregion Berlin-Brandenburg. Die rund 3000 Mitarbeiter würden übernommen. Andere Maßnahmen zur Neuordnung und Straffung des Konzerns würden bis Jahresende entschieden.

Mit dem Aus für die Berliner Bank haben sich Vermutungen bestätigt, daß die Bankgesellschaft nach dem Scheitern der Fusion mit der Nord/LB und einem in den ersten neun Monaten nach Risikovorsorge gesunkenen Betriebsergebnis den Konzern radikal neu ausrichten wolle. Das Konzernergebnis nach Risikovorsorge lag Ende September mit 500 Millionen Mark um 2,7 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraumes. Die Nettorisikovorsorge fiel mit 838 Millionen Mark um 7,9 Prozent höher aus als im Vergleichszeitraum.

Als Konsequenz aus dieser unbefriedigenden Entwicklung hatte Rupf eine Neuordnung im Konzern angekündigt, um in zwei bis drei Jahren die Kosten um eine Milliarde Mark zu senken. Dazu gehörte, daß die Berliner Bank das Geschäft mit Konzernfirmen und das Auslandsgeschäft an die Holding abgibt. Sie sollte aber als eigenständiges Institut erhalten bleiben und sich auf das Privatkundengeschäft in der Region und damit auf ihre traditionelle Stärke konzentrieren.

Vor allem die Immobilienrisiken der Berliner Bank hatten in den vergangenen Jahren Risikovorsorge in Milliarden-Höhe erzwungen. 1997 hatte das Institut, das neben der Landesbank Berlin und der Berlin Hyp die dritte Säule des 1994 gebildeten Bankenkonzerns darstellt, allerdings wieder die Gewinnzone erreicht. Nach einem Verlust von einer Milliarde Mark in 1996 wurde ein Gewinn von 365 Millionen Mark ausgewiesen. Die Risikovorsorge konnte auf 195 Millionen Mark gegenüber 1,39 Milliarden Mark zurückgefahren werden.

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