Anlageberatung Vernichtendes Urteil durch Stiftung Warentest

Nicht besser, sondern schlechter ist die Anlageberatung geworden, urteilt die Stiftung Warentest. Die meisten Banken, vor allem die ganz großen, würden dem wachsenden Hilfsbedarf nicht gerecht und versagten.

Berlin - Nur zwei von 25 Banken und Sparkassen schlossen in einem bundesweiten Test mit "gut" ab. 14 Institute erreichten nur ein "ausreichend", fünf Mal lautete das Urteil sogar "mangelhaft", teilte die Stiftung Warentest am Dienstag mit.

Am schlechtesten schnitten demnach die Commerzbank und die Sparda-Bank Mainz ab. Kaum besser und ebenfalls mit "mangelhaft" bewertet wurden die Berliner Sparkasse, die Postbank und die HypoVereinsbank. In der unteren Hälfte finden sich auch die restlichen Großbanken, Dresdner Bank und Deutsche Bank 24, die ein "ausreichend" erhielten. Mit "gut" wurden nur der Testsieger BB Bank und die Berliner Volksbank bewertet.

Qualität der Anlageberatung deutlich verschlechtert

Während die Zahl der Ratsuchend ständig zunehme, habe sich die Qualität der Beratung deutlich verschlechtert, kritisierte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest" mit Blick auf einen Test vor zweieinhalb Jahren. Schwache Noten erhielten insbesondere auch die Großbanken. Verantwortlich für das Beratungsdesaster seien in erster Line nicht Anlageberater vor Ort, sondern die Unternehmensführungen. Denen sind laut Tenhagen vor "lauter Fusionsfantasien und Fusionsproblemen die normalen Kunden offenbar völlig aus dem Blick geraten".

"Eine gute Beratung war Mangelware", sagte Warentest-Experte Peter Schütt. Maßgeschneidertes habe es nur selten gegeben. Viele Bankangestellte berücksichtigten die Bedürfnisse der Anleger nicht. Die wichtigsten Informationen wie Ziel der Anlage, Risikobereitschaft und gewünschte Verfügbarkeit des Geldes seien nicht sorgfältig erfragt worden. Auch scheuten sich Bankangestellte vor konkreten Empfehlungen und entwickelten kein individuelles Anlagemodell. Am schwersten hätten sich die Berater getan, wenn sie zu hausfremden Produkten - etwa Fonds anderer Unternehmen - gefragt worden seien.

Riskante Schieflage nicht erkannt

In der Untersuchung von 175 Geschäftsstellen der 25 Institute ließen sich die Testkunden zu einer Vermögensanlage über 63.000 Mark und einen monatlichen Sparplan von 300 Mark für die Altersvorsorge beraten. Von den 63.000 Mark waren 25.000 Mark (Depotwert) in einem in chinesische Aktien investierenden Investmentfonds einer ausländischen Fondsgesellschaft angelegt. 18.000 Mark lagen auf einem Sparkonto. Weitere 20.000 Mark aus einer fälligen Bundesanleihe waren "zwischengeparkt". Die Bankberater sollten das angesparte Kapital zusammen mit den monatlichen 300 Mark sinnvoll zur Altersvorsorge einsetzen. Ein gewisses Anlagerisiko sollte eingegangen, über das Kapital aber zwischenzeitlich auch verfügt werden können.

Tenhagen kritisierte, dass die riskante Schieflage des Depots des Musterkunden teils nicht erkannt, zumindest aber nicht thematisiert und schon gar nicht beseitigt worden sei. Auch habe es den Anschein gehabt, als sei das Computerzeitalter noch nicht angebrochen. Manchmal sei der Eindruck entstanden, dass der normale Kunde mit seinen Beratungswünschen "regelrecht vertrieben" werden solle. "Ein Anlagevolumen von 60.000 Mark ist offenbar nicht mehr groß genug, um eine seriöse Beratung von Seiten vieler Banken zu gewährleisten."