Kaufhof Startet mit "Kidspark" ins Online-Geschäft

Nach gut einjähriger Vorbereitung greift der zur Metro gehörende Kaufhof massiv in den deutschen Spielwaren-Markt ein. "Kidspark" sol im Internet auch der Metro-Tochter Primus-Online Konkurrenz machen.

Köln - Die Kaufhof-Tochter Gemini Medienvertriebsgesellschaft mbH will eine Marke für den Online-Handel mit Spielzeug aufbauen. Sie wird unter dem Arbeitstitel "Kidspark" errichtet, berichten Insider aus der Spielwarenbranche gegenüber manager magazin online.

Gemini-Geschäftsführer Mark Frese startet voraussichtlich im Juli eine Werbekampagne in Tageszeitungen für den Online-Vertrieb. Bereits zum Weihnachtsgeschäft soll die Marke so bekannt sein, dass sie es mit namhaften Vertreibern aufnehmen kann. Offensichtlich nehmen die Internet-Strategen des zur Metro AG gehörenden Kaufhof-Konzerns keine Rücksicht mehr auf andere Mitglieder der Handelsgruppe.

Kidspark wird sowohl mit den Spielwarenabteilungen der Kaufhof-Warenhäuser als auch mit dem Online-Versand Primus Toys konkurrieren; Primus Toys ist ein Vertriebsdienst, den die Metro-Tochter Primus-Online etablieren will.

Ein solch offensiver Kurs ist bei Kaufhof neu. Bislang galt der Konzern hinsichtlich seines Online-Engagements als eher zögerlich. Mit Rücksicht auf die Kaufhäuser verkaufte Kaufhof im Internet lediglich einige wenige Produktgruppen.

Gerüchte, dass es mit dieser Zurückhaltung bald vorbei sein könnte, waren bereits auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar zu hören. Dort präsentierte Gemini ausgesuchten Lieferanten sein neues Online-Konzept unter größter Geheimhaltung.

Einige Spielwarenhersteller waren mit den forschen Ideen der Kölner nicht einverstanden; sie verbieten es traditionell ihren stationären Händlern, Puppen, Bälle und Spielzeugautos online zu verkaufen.

Diese Opposition suchen die Gemini-Manager zu durchbrechen, indem sie mit einzelnen Spielwaren-Marken kooperieren. Andere Hersteller, so das Kalkül, müssen kurz über lang nachfolgen.

Ein auf der Spielwarenmesse in Umlauf gebrachtes Konzeptpapier belegt, dass die Kaufhof-Gruppe nicht allein Spielwaren im Internet verkaufen will. Selbst Kinderbekleidung und Schulbedarf sind angeblich nicht mehr tabu. Die Kunden sollen mit Beratungen zum Kauf per Internet angeregt werden.

Aus der Verlagsbranche ist zu hören, dass Gemini-Geschäftsführer Frese Kooperationen über den Austausch von redaktionellen Inhalten verhandelt, um das Shop-Angebot zu unterfüttern. Überdies gilt es als ausgemachte Sache, dass Gemini europäische Warenhauskonzerne in seine Aktivitäten einbeziehen will.

Als "Motoren" gelten Lovro Mancad und Wolfgang Kraus

Der radikale Wandel der E-Business-Strategie von Kaufhof geht vor allem auf den Vorstandsvorsitzenden Lovro Mandac und seinen Stellvertreter Wolfgang Kraus zurück. Mandac und Kraus haben bereits in der Vergangenheit ungewöhnliche Maßnahmen ergriffen, um die einstmals behäbigen Kaufhaus-Dinos zu entmuffen. Unter der Marke "Galeria" haben sie den Kaufhof-Häusern den Charakter einer Ansammlung kleiner aber feiner Fachgeschäfte verliehen. Die neuen Vertriebsformen Lust for Life, Emotions und Sportarena sollen die aus der Mode geratenen Kaufhäuser bei jungen Leuten, insbesondere Frauen, populär machen.

Mandac und Kraus haben die volle Rückendeckung der Metro-Oberen Hans-Joachim Körber, Hans-Dieter Cleven und Erwin Conradi. Die Metro-Mannen sind über die Geschäfte ihres bisherigen Hoffnungsträgers Primus-Online nicht überaus erfreut: Dessen Umsätze wachsen zu langsam. Conradi und sein Führungsteam möchten nun gern herausfinden, ob Kaufhof-Gemini im Internet mehr Erfolg beschieden ist.

Die Aktivitäten von Kaufhof-Gemini werden nicht nur innerhalb der Metro-Gruppe die Konkurrenz beleben. Vor allem der Versandhändler Otto dürfte sich von dem Internet-Vertreiber massiv angegriffen fühlen. Otto will groß ins Internet-Geschäft mit Spielwaren und Kindertextilien einsteigen.

Der Versender hat sich kürzlich gemeinsam mit dem Medienunternehmen EM.TV & Merchandising mit 40 Prozent am Internet-Spielzeuganbieter Mytoys.de beteiligt. EM-Chef-Thomas Haffa schätzt das Marktpotenzial bei Spielzeug allein in Deutschland auf sechs Milliarden Mark. Das Trio aus EM.TV, Otto und Mytoys will "Weltmarktführer" beim Internethandel mit Baby- und Kinderprodukten werden.

Oliver Fischer