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Wer hat, der kann: Wofür Besserverdienende Weihnachten ihr Geld ausgeben

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Weihnachtsgeschäft Besserverdiener im Kaufrausch

Der Einzelhandel setzt im Weihnachtsgeschäft voll auf Menschen mit hohem Einkommen. Offenbar zu Recht: Kauflustige Gutverdiener könnten die ganze Branche für die Entbehrungen vergangener Jahre entschädigen, erwarten Experten. Die Vorlieben Gutsituierter spielen manchen Branchen besonders in die Hände.

Hamburg - Die Champagnerflaschen sind säuberlich aufgereiht, die Smartphones in Schaukästen gut ausgeleuchtet, und ein paar zusätzliche Mitarbeiter im Lager sorgen für reibungslosen Nachschub. Jetzt kann es beginnen, das vielleicht einträglichste Weihnachtsgeschäft der vergangenen Jahre.

Der Einzelhandel fiebert dem Dezember euphorisch entgegen. Bundesweit rechnet die Branche mit einem Umsatzzuwachs von 2,5 Prozent. Eine Zahl, die bescheiden anmutet, und doch den größten Sprung seit sechs Jahren markieren würde. Um zwei Milliarden Euro wachsen die Erlöse nach dieser Rechnung - auf knapp 77 Milliarden Euro.

"Die Beschäftigung nimmt zu, die Löhne und Gehälter steigen, alle Prognosen deuten auf eine anhaltend gute Wirtschaftsentwicklung hin - da sitzt das Geld wieder deutlich lockerer als in Krisenzeiten", erklärt Thomas Harms, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

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Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass Handel und Hersteller fast ausschließlich von der Kauflaune weniger Zielgruppen leben. Singlehaushalte, junge Leute und einkommensschwache Verbraucher halten sich merklich zurück und wollen einer Erhebung der Beratungsgesellschaft zufolge sogar weniger ausgeben als im Vorjahr.

Die Kasse klingelt vor allem dank der sich beschleunigenden Konsumlust der Besserverdiener. Wer über das Jahr gute Geschäfte gemacht hat oder eine schöne Gehaltserhöhung heraushandeln konnte, lässt nun Verwandte und Freunde daran teilhaben. Im Schnitt 387 Euro - das sind satte 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr - wollen Angehörige von Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro für Geschenke ausgeben, hat Ernst & Young herausgefunden.

"Die Bedeutung der Menschen mit hohem Einkommen für das Weihnachtsgeschäft wächst", sagt Markforscher Wolfgang Adlwarth von der Nürnberger GfK. Das Phänomen hat aus seiner Sicht auch demografische Gründe.

So wächst die Zahl wohlhabender Rentnerfamilien stetig an. Gemeinsam mit den gutsituierten Menschen zwischen 56 und 65 kommt die Gruppe auf einen Anteil von 17 Prozent der Bevölkerung, nimmt man die wohlhabenden alleinstehenden Rentner dazu, sind es sogar 26 Prozent.

Welche Branchen vom Kaufrausch der Reichen profitieren

"Diese Verbraucher haben bereits einen hohen Wohlstand erreicht und beispielsweise ihr Haus abbezahlt. Daher sind sie bereit, relativ viel Geld auszugeben", sagt Adlwarth. In punkto Weihnachten entscheidend: Sie alle haben aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters vergleichsweise viele Verwandte und Freunde zu beschenken.

Die wohlhabenden Alten verlagern den Schwerpunkt der Geschenke drastisch. Vor allem Unterhaltungselektronik steht bei ihnen hoch im Kurs, weshalb das Segment zu den großen Gewinnern im diesjährigen Weihnachtsgeschäft gehören dürfte.

Verbraucher aus Haushalten mit einem Jahreseinkommen jenseits der 50.000-er-Marke planen laut Ernst & Young im Schnitt Ausgaben in Höhe von 44 Euro (Geringverdiener: elf) für Fernseher, Mobiltelefon und Co. Um satte 35 Prozent steigen deshalb insgesamt die Ausgaben in diesem Bereich. Die GfK rechnet mit einem Umsatzpotenzial von 880 Millionen Euro in diesem Bereich.

Ähnlich sieht es bei Computern aus. Gutverdiener wollen im 25 Euro ausgeben, Geringverdiener ganze vier. Der Gesamtumsatz könnte in dem Bereich um etwa 25 Prozent steigen. Durch diesen Mechanismus profitiert auch die Tourismusbranche. Weil die Reichen wieder Reisen verschenken, könnten sich derartige Präsente im Wert fast verdoppeln, erwartet Ernst & Young.

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Weihnachtsgeschäfte: Kasse mit Christkind

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa

Die Spendierlaune spült auch den Anbietern von Luxuswaren Geld in die Kassen. "Bei Uhren und Schmuck ist das Umsatzwachstum besonders deutlich zu beobachten", heißt es beim Handelsverband Deutschland (HDE). "Das Segment boomt."

Große Kaufhäuser bestätigen den Trend. "Alles was im Premiumbereich ist, funktioniert sehr gut", sagt die Marketingleiterein des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe), Petra Fladenhofer, gegenüber manager magazin. "Vor allem internationale Marken in den Bereichen Textil, Schönheit und Accessoires sind gefragt."

Die Luxuswarenanbieter profitieren aber auch davon, dass Weihnachten für viele Menschen kein klassisches Familienfest mehr ist. Es gebe eine wachsende Zahl von Freundesfamilien, die sich zusammen ein Festmahl gönnten, sagt Fladenhofer. Das schlägt sich beim Verkauf von teuren Lebensmitteln nieder - sei es Champagner oder besonders hochwertiges Olivenöl.

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