Wohnungskauf Vor dem Notar-Termin ausmessen

Erweist sich eine Eigentumswohnung kleiner als vereinbart, so darf der Käufer den Kaufpreis mindern oder Schadensersatz verlangen - auch dann, wenn die Grösse lediglich in Makler-Exposés oder Kaufbeschreibungen angegeben wird.

Koblenz - Nach dem Richterspruch des Koblenzer Oberlandesgerichts (OLG) in zwei am Montag veröffentlichten Urteilen ist es dabei nicht erforderlich, dass die Größe der Wohnung im notariellen Kaufvertrag angegeben werde. Vielmehr könne es ausreichen, so die Richter, wenn sich die Größenangaben in einer Baubeschreibung oder im Expose eines Maklers befänden (Az: 3 U 904/98; 8 U 641/99).

Das Gericht gab mit seinen Urteilen den Käufern zweier Eigentumswohnungen recht. In beiden Fällen war die Wohnfläche der Wohnungen mehrere Quadratmeter kleiner als in der Baubeschreibung beziehungsweise im Expose des Maklers genannt. Die Verkäufer der Wohnungen hatten vor Gericht jeweils geltend gemacht, den Käufern stünden weder ein Minderungs- noch Schadensersatzansprüche zu, denn maßgeblich sei allein der Inhalt des notariellen Kaufvertrages. Dieser habe in beiden Fällen jedoch keine Größenangaben enthalten.

Dem gegenüber befand das Gericht, beim Erwerb einer Eigentumswohnung stelle der Größe einen wesentlichen Wertfaktor dar. Daher könnten die Größenangaben in einer Baubeschreibung nicht als "unverbindliche Beschreibung der Ausführung" gewertet werden, sondern müsse als Zusage einer Eigenschaft gelten, deren Vorhandensein der Verkäufer gewährleisten müsse.

Ebenso sei das Expose eines Maklers, das mit eingetragenen Maßen und einer Wohnflächenberechnung versehen sei, eine verbindliche Vereinbarung.

Dies gelte jedenfalls dann, wenn - wie in diesen beiden Fällen geschehen - der Verkäufer selbst die Wohnung ausgemessen und dem Makler die entsprechenden Skizzen übergeben habe.

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