Montag, 22. Juli 2019

Aufschwung in Fernost China-Inflation macht Anleger nervös

Boomtown Shanghai: Viele Anleger setzen auf den Aufschwung in Fernost - und merken jeden Rückschlag im Depot

In China droht die Inflation aus dem Ruder zu laufen, und das geht auch deutsche Anleger an. Denn sie haben Milliarden in den Aktienmarkt der Volksrepublik investiert. Experten können den aktuellen Rückschlägen in Shanghai und Hongkong allerdings auch Positives abgewinnen.

Hamburg - Anleger in Deutschland, die auf fernöstliche Aktien gesetzt haben, bekamen im November einen guten Eindruck davon, wie fragil der Aufschwung an den dortigen Börsen möglicherweise ist. Und wie sehr vor allem ein Thema eine Rolle spielt: die Inflation in China.

In Shanghai gaben die Kurse nach der rasanten Sommerhausse innerhalb weniger Tage um mehr als 10 Prozent nach. Hongkong erlebte einen ähnlichen Rutsch. Ausschlaggebend waren nach Ansicht von Kommentatoren neben der Schuldenkrise in Europa vor allem neue Daten zum Preisauftrieb in der Volksrepublik sowie die Maßnahmen, die die Regierung dagegen ergreifen will. Im Oktober erreichte die Inflation in China einen Wert von 4,4 Prozent. So hoch war sie seit zwei Jahren nicht.

Am stärksten verteuern sich derzeit die Lebensmittel, deren Preise auf Jahressicht um satte 10,1 Prozent gestiegen sind. "Das ist ein echtes Problem für China", sagt Horst Löchel, China-Fachmann und Professor an der Frankfurt School of Finance & Management sowie an der CEIBS in Shanghai. "Das kann zu sozialen Spannungen im Land führen."

Ausländer dürfen in China nur noch ein Haus kaufen

Aber auch in anderen Bereichen geht es mit den Preisen stark nach oben. Vor allem für die Verteuerung von Vermögenswerten wie Immobilien machen die Chinesen gerne die lockere Geldpolitik der USA verantwortlich. Mit Blick auf die kommende Liquiditätsflut, die die US-Notenbank mit ihrem 600-Milliarden-Dollar-Programm auslösen dürfte, entschied Peking daher jüngst, dass Ausländer in China künftig nur noch eine Wohnimmobilie erwerben dürfen.

China-Experte Löchel hat für die Geldentwertung allerdings eine andere Begründung: "Das ist in erster Linie hausgemacht", sagt er. "Über die Konjunkturprogramme während der Wirtschaftskrise wurde viel Geld in Umlauf gebracht. Auch die Kreditvergabe wurde seinerzeit stark ausgeweitet."

Allein 2009, so Löchel, stieg das Kreditvolumen in China um 30 Prozent. Im laufenden Jahr könnte nach seiner Einschätzung erneut ein Plus von 20 Prozent entstehen. "Die große Geldmenge heizt die Nachfrage an", so Löchel. "Und wenn das Angebot nicht mithalten kann, steigen die Preise."

Laut Löchel muss die Führung in Peking entschieden handeln. Das heißt vor allem: Die Kreditvergabe weiter kürzen und die Zinsen flexibilisieren, damit sich die allgemeine Inflationserwartung dort widerspiegeln kann. Zudem wäre eine Aufwertung der Landeswährung Yuan, wie sie ohnehin weltweit von Handelspartnern gefordert wird, wohl hilfreich. Denn dadurch würden Importe günstiger, was ebenfalls den Inflationsdruck mindert.

Tatsächlich legt in den Machtzirkeln Pekings niemand die Hände in den Schoß. Diese Woche wurden neue Anstrengungen gegen Spekulationen im Rohstoffsektor bekannt. Damit sollen zum Beispiel die Märkte für Öl und Kohle geschützt werden. Illegale Kräfte treiben mit Betrug, Verschwörung, Preisabsprachen und dem Horten von Rohstoffen deren Preise in die Höhe, heißt es in einem offiziellen Statement.

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