Atecs Aufsichtsrat "sehr verstimmt"

Mit offenbar britischer Hemdsärmeligkeit hat sich der neue Mannesmann-Vorstand für Bosch-Siemens und gegen ThyssenKrupp entschieden - und das auch gleich bekannt gegeben. Nun ist der Aufsichtsrat sauer.

Düsseldorf - Der Verkauf von Atecs an Siemens/Bosch ist im Aufsichtsrat nicht unumstritten. Es sei zu fragen, ob der Vorstand die kartellrechtlichen Auswirkungen des Verkaufs an das süddeutsche Konsortium gründlich geprüft habe, sagte Mannesmann- Konzernbetriebsratsvorsitzende und Aufsichtsratsmitglied, Jürgen Ladberg.

Atecs drohe bei entsprechenden kartellrechtlichen Auflagen die Zerschlagung. "Unser Ziel war es immer, Atecs als Einheit mit seinen Standorten und sicheren Arbeitsplätzen zu erhalten", betonte Ladberg als Arbeitnehmervertreter.

Verstimmt zeigte sich Ladberg vom Zeitpunkt der Veröffentlichung des geplanten Verkaufs an Siemens/Bosch. Es sei vereinbart gewesen, dass der Vorstand die Offerten lediglich prüfe, aber vor der Aufsichtsratssitzung noch keine Verkaufsempfehlung für einen der beiden Bieter veröffentliche. "Ich bin sehr verärgert darüber."

Bei einem Verkauf an ThyssenKrupp wären zumindest die kartellrechtlichen Gefahren geringer gewesen. Auch sei bei diesem Konzern die Mitbestimmungskultur eine ganz andere als bei Siemens/Bosch, so Ladberg.

Siemens/Bosch: Nichts ändert sich

Unterdessen bemühen sich die neuen Eigentümer, die Wogen zu glätten. Die Mannesmann- Industriesparte Atecs soll auch nach einem Verkauf an Siemens/Bosch für mindestens drei Jahre ihre Selbstständigkeit behalten. Der Vertrag mit Bosch und Siemens sehe vor, dass die Atecs- Unternehmenseinheiten und -Managementstrukturen für mindestens diese Zeitspanne erhalten blieben, erklärten Sprecher der beiden süddeutschen Unternehmen am Sonntag in Stuttgart und München.

Alle Atecs-Gesellschaften würden von einer Übernahme durch Siemens/Bosch profitieren, hieß es. Ziel sei auch der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Falls der Mannesmann-Aufsichtsrat dem Verkauf in seiner Sitzung am Montag zustimme, rechne man mit einer "zügigen Behandlung" des Themas durch die Kartellbehörden, sagte ein Bosch- Sprecher in Stuttgart.

Die Übernahme sei die "industriell vernünftigste Lösung für die Mitarbeiter und Kunden von Atecs", sagte Siemens-Konzernsprecher Eberhard Posner am Sonntag. Gemeinsam mit Bosch könne man nun "die Kompetenz in wichtigen Schlüsseltechnologien verstärken und so die Basis für weiteres profitables Wachstum legen".

Siemens und Bosch hatten sich mit ihrem gemeinsamen Angebot von offiziell zuletzt 9,1 Milliarden Euro gegen die Offerte von ThyssenKrupp durchgesetzt. Der Mannesmann-Aufsichtsrat muss noch grünes Licht für den vom Konzernvorstand empfohlenen Atecs-Verkauf an Siemens/Bosch geben.

Die Übernahme durch Bosch und Siemens bringe allen fünf Atecs- Gesellschaften Vorteile, erklärte Posner. So werde beispielsweise VDO gemeinsam mit der Siemens-Automobiltechnik weltweit zur Nummer zwei in der Automobilelektronik. Rexroth könne zusammen mit der Bosch- Automationstechnik die weltweite Führungsposition in der Hydraulik weiter ausbauen.

Im Mannesmann-Konzern ist die Techniksparte der umsatzstärkste Bereich. Insgesamt erzielte die Gruppe (90 000 Beschäftigte) mit den Mannesmann-Töchtern VDO, Sachs, Rexroth, Dematic und Demag Krauss-Maffei im vergangenen Jahr einen Umsatz von 12,3 Milliarden Euro.

In den Aufsichtsrat wurden unterdessen vom Düsseldorfer Amtsgericht Vodafone-Chef Chris Gent sowie Kenneth Hydon, Lord MacLaurin und Wilhelm Haarmann neu bestellt. Der gerichtliche Beschluss wurde erforderlich, um Vodafone nach der EU-Genehmigung der Übernahme von Mannesmann die vollständige Kontrolle über das Unternehmen zu geben. Die Aufsichtsratsmitglieder müssen von der Hauptversammlung gewählt werden.

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