G-7 Wirtschaftswachstum höher als in den USA

Vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank trafen sich die Finanzminister der G-7-Länder - und zeigten sich stolz darüber, dass die Eurozone den Konjunktur-Primus USA in diesem Jahr endlich überflügeln wird.

Washington - Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden westlichen Industrienationen (G-7) haben am Samstag ihre traditionellen Beratungen über die Lage der Weltwirtschaft vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank aufgenommen. Die Sitzung findet in einem wirtschaftlich sehr günstigen Umfeld statt. Die Siebenergruppe wolle denn auch in ihrem Abschlusskommunique die günstige Entwicklung der Weltwirtschaft hervorheben, verlautete aus G-7-Kreisen. Die zuletzt wieder stärker schwankenden Wechselkurse sollen sich nach Ansicht der G-7 nach den wirtschaftlichen Grundtatbeständen der einzelnen Länder ausrichten.

Das Treffen fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen im Blair House unweit der US-Präsidialamtes statt. Die Tagungsstätte war weitläufig von Sicherheitskräften abgeriegelt, die Störungen der Sitzung sowie der kommenden Tagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank durch Demonstranten verhindern wollten. Am Samstag waren aber nach Augenzeugenberichten nur vereinzelt Demonstranten zu sehen.

Deutsche Konjunktur holt auf

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und Bundesbankpräsident Ernst Welteke äußerten sich vor dem Treffen optimistisch über die wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands und der Euro-Zone. In Deutschland sei ein außerordentlich starker konjunktureller Aufholprozess im Gange, sagte Eichel. Welteke erklärte, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone dürfte 2001 so stark oder gar höher ausfallen als in den USA. Zur Preisentwicklung in der Euro-Zone erklärte Welteke, die Inflationsrate werde dieses Jahr wohl unter der von der EZB definierten Grenze von Preisstabilität in Höhe von zwei Prozent bleiben.

Allerdings führten der Ölpreisanstieg und der schwache Euro zu einem gewissen Preisdruck, fügte Welteke hinzu. Der Gemeinschaftswährung bescheinigte er zum wiederholten Mal "deutliches Aufwertungspotenzial".

Eichel erklärte, auf dem Finanzministertreffen der sieben führende Industrienationen (G7) am Samstag sei keine besondere Erklärung zu den gegenwärtigen Wechselkursen zu erwarten. Grundsätzlich sollte sich die Wechselkursentwicklung an den wirtschaftlichen Fundamentaldaten orientieren, betonte Eichel. Diese Meinung teilte sein französischer Amtskollege Laurent Fabius, der aber ergänzte, dass es auch Interesse an einen schwächeren japanischen Yen gebe.

Japan sorgt sich darum, dass eine zu starke Aufwertung des Yen den gerade beginnenden Wirtschaftsaufschwung gefährden könnte. Nach den Informationen aus den G-7-Kreisen soll in dem Kommunique aber nicht besonders zum Yen-Kurs Stellung genommen werden.

Eichel setzt auf "Soft landing" der US-Konjunktur

Eichel äußerte sich zuversichtlich, dass es nicht zu einem abrupten Ende des US-Wirtschaftsbooms kommen werde. Vielmehr sei er hinsichtlich einer "weichen Landung" optimistischer als noch im vergangenen Jahr. Dies hänge auch damit zusammen, dass das Wachstum in der Euro-Zone sich dem US-Wachstum annähern werde.

Zur Siebenergruppe gehören die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.